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Auf einer Straße in Tokio verfolgt eine Passant die Berichterstattung über den Start einer nordkoreanischen Rakete. Foto
Auf einer Straße in Tokio verfolgt eine Passant die Berichterstattung über den Start einer nordkoreanischen Rakete. Foto: Kyodo
29.08.2017

Nordkorea schießt Rakete über Japan hinweg

Seoul/Tokio (dpa) - Der Konflikt um Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm spitzt sich weiter zu: Unbeeindruckt von allen Sanktionen feuerte das Militär des diplomatisch isolierten Landes unangekündigt eine Rakete von großer Reichweite über Japan hinweg in Richtung offenes Meer ab.Die Regierung in Tokio forderte nach dem Abschuss die Einberufung des UN-Sicherheitsrates. Chinas Außenministeriums warnte, in dem

Konflikt auf der koreanischen Halbinsel sei ein «kritischer Punkt» erreicht.

Die ballistische Rakete sei in einem Gebiet nahe der Hauptstadt Pjöngjang gestartet und etwa 2700 Kilometer weit geflogen, teilte der Generalstab der südkoreanischen Armee mit. Dabei habe sie eine Höhe von 550 Kilometern erreicht, bevor sie in den Pazifischen Ozean niedergegangen sei. Es könne sich um eine Mittelstreckenrakete gehandelt haben, sagte ein Sprecher. Das US-Verteidigungsministerium, das den Test ebenfalls bestätigte, schloss dagegen nicht aus, dass es eine Interkontinentalrakete (ICBM) gewesen sein könnte. Nordkorea hatte mit den Test von zwei ICBM im Juli weltweit Empörung ausgelöst. 

Ein Regierungssprecher in Tokio sprach von einer «beispiellos ernsten und schweren Bedrohung». Während Japan und seine Schutzmacht USA den Druck auf Pjöngjang nun weiter erhöhen wollen, demonstrierte Südkorea militärische Stärke.  

Nordkoreas jüngster Raketentest wurde in Südkorea auch als Warnsignal gewertet, trotz zunehmenden Drucks durch die USA nicht einlenken zu wollen. Der Test erfolgte während laufender Militärübungen der USA mit Südkorea. Nordkorea unterstellt den USA regelmäßig, mit solchen Manövern einen Angriff vorzubereiten. Das bestreiten die USA und Südkorea.  

Nach Berichten südkoreanischer Medien wollte sich der UN-Sicherheitsrat in New York auf Antrag der USA, Japans und Südkoreas noch am Dienstag mit dem jüngsten nordkoreanischen Raketentest befassen. Nach den beiden ICBM-Tests hatte das höchste UN-Gremium die bisher schwersten Wirtschaftssanktionen gegen Pjöngjang verhängt. Am vergangenen Samstag hatte Nordkoreas Militär drei Kurzstreckenraketen ins Japanische Meer (koreanisch: Ostmeer) geschossen. Eine der Raketen explodierte bei dem Test nach Angaben des US-Militärs bereits kurz nach dem Abheben. 

Mit dem jüngsten Test erreicht der Konflikt um Nordkorea eine neue Eskalationsstufe. Es war nicht das erste Mal, dass eine Rakete Nordkoreas über Japan hinwegflog. Es sei aber das erste Mal, dass das unangekündigt erfolgt sei, meldete der Sender NHK. 

Der Test werde derzeit noch ausgewertet, teilte Pentagon-Sprecher Robert Manning in Washington mit. Man sei aber bereits zu der Einschätzung gekommen, dass die Rakete keine Bedrohung für die USA dargestellt habe. Nach Berichten des japanischen Senders NHK stürzten Teile des Flugkörpers etwa 1180 Kilometer östlich der nördlichsten Hauptinsel Hokkaido ins Meer. Japan habe jedoch keine Abwehrrakete gestartet, hieß es unter Berufung auf das Militär. 

In Südkorea wies Präsident Moon Jae In die Streitkräfte an, ihre Kampfkraft zu demonstrieren. Vier F15K-Kampfjets ließen daraufhin nach Angaben eines Sprechers auf einen Schießplatz in der Nähe der innerkoreanischen Grenze Bomben fallen. Bei der Übung sei die nordkoreanische Führung als simuliertes Ziel ausgegeben worden, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Washington und Seoul würden außerdem darüber nachdenken, «strategische» Verteidigungswaffen nach Südkorea zu verlegen. Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt. 

Der Nationale Sicherheitsrat Südkoreas verurteilte den Raketentest durch Nordkorea als Verletzung von UN-Resolutionen. Diese verbieten dem Land Tests mit ballistischen Raketen. Das sind in der Regel Boden-Boden-Raketen, die je nach Bauart einen konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengkopf tragen können. Nordkorea arbeitet an Raketen, die einen Atomsprengkopf bis in die USA tragen können. 

Der Nordkorea-Konflikt heizt sich seit Monaten auf. US-Präsident Donald Trump hatte Pjöngjang mit «Feuer und Zorn» gedroht, was angesichts der atomaren Bewaffnung beider Länder für Unruhe sorgte. Nordkorea drohte zeitweise damit, Raketen in die Gewässer um die US-Pazifikinsel Guam abzufeuern.

Auf einer Straße in Tokio verfolgt eine Passant die Berichterstattung über den Start einer nordkoreanischen Rakete. Foto: Kyodo

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Übung an PAC-3 Flugabwehrraketen auf der «U.S. Yokota Air Base» bei Tokio. Foto: Eugene Hoshiko

Eugene Hoshiko

Eine Einheit der Luftselbstverteidigungsstreitkräfte Japans, der Japanese Air Self-Defense Force (JASDF), während einer Übung an PAC-3 Flugabwehrraketen bei Tokio. Foto: Eugene Hoshiko

Eugene Hoshiko

Südkoreanische Panzer vom Typ K-9 fahren an der innerkoreanischen Grenze auf. Wenige Stunden zuvor hatte Nordkorea eine ballistische Rakete über den nördlichen Teil Japans hinweg ins Meer geschossen. Foto: YNA

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Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un während einer Militärparade in Pjöngjang. Foto: Wong Maye-E/Archiv

Wong Maye-E

Will den Druck auf Nordkorea erhöhen: Japans Premier Shinzo Abe. Foto: Kyodo

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