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Papst Benedikt XVI. hält vor zehntausenden Gläubigen eine Freiluftmesse in New York.
Papst Benedikt XVI. hält vor zehntausenden Gläubigen eine Freiluftmesse in New York.
20.04.2008

Papst betet für Terroropfer vom 11. September

New York (dpa) - In einer bewegenden Zeremonie hat Papst Benedikt XVI. zum Abschluss seiner USA-Reise für die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 gebetet. Benedikt kniete am «Ground Zero», dem Ort der Anschläge in New York, nieder und verharrte mehrere Minuten im stillen Gebet.

Anschließend zündete er eine Kerze an und sprach ein Gebet. Ausdrücklich schloss er nicht nur die rund 3000 Opfer, sondern auch die Täter der Anschläge in seine Bitten ein. «Führe diejenigen, deren Herzen und Seelen von Hass verzehrt werden, zu Deinem Weg der Liebe.»

Benedikt, der nach den Strapazen der sechstägigen USA-Reise einen erschöpften Eindruck machte, bat um Frieden zwischen den Völkern und zwischen den Menschen und sprach mit Angehörigen der Opfer. «Wir bitten Dich in Deiner Güte, all denen, die hier starben, ewige Erleuchtung und Frieden zu geben» Er segnete das Gelände, auf dem früher die beiden Zwillingstürme des World Trade Centers standen.

Vor seinem Rückflug nach Rom warnte der 81-jährige Benedikt in einer Messe unter freien Himmel vor der Abtreibung. Der «Respekt vor der unveräußerlichen Würde und den Rechten eines jeden Menschen» schließe den Schutz des ungeborenen Lebens ein, sagte er unter dem Jubel von rund 60 000 Gläubigen im Yankee-Baseballstadion. Die Kirche und alle Gläubige müssten sich für die Schwachen, die Armen und «für diejenigen ohne eigene Stimme» in der Gesellschaft stark machen.

Das Gebet am «Ground Zero» war einer der Höhepunkte des USA- Besuchs. «Oh Gott der Liebe, des Mitgefühls und des Heilens, schau auf uns, auf die Menschen vieler unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Traditionen, die sich heute hier versammeln, an diesem Ort unvorstellbarer Gewalt und unvorstellbaren Schmerzes», sagte der Papst auf Englisch. Er erwähnte die Feuerwehrmänner, Polizeibeamte und andere Einsatzkräften, die damals als erste Hilfe leisteten.

Bei den Anschlägen hatten islamistische Terroristen Verkehrsflugzeuge in ihre Gewalt gebracht und waren mit zwei Maschinen in die Zwillingstürme gerast. Die beiden Wolkenkratzer stürzten ein, rund 3000 Menschen kamen uns Leben.

Benedikt bat um Überwindung des Hasses und um Frieden. «Gott des Friedens, bring Deinen Frieden in unsere gewalttätige Welt - Frieden in die Herzen aller Menschen und Frieden zwischen die Völker dieser Welt.» Die Menschen brauchten Stärke, um «unermüdlich für eine Welt einzutreten, in der zwischen den Nationen und in den Herzen aller Menschen wahrer Friede und Liebe herrschen.»

Neben dem Gebet am «Ground Zero» und einer politischen Grundsatzrede vor den Vereinten Nationen stand vor allem das Thema des sexuellen Missbrauchs durch US-Priester im Zentrum der Reise. Bei einer Messe zum dritten Jahrestag seiner Papstwahl rief Benedikt am Samstag die Kirche zu einer «Reinigung» auf. Es sei jetzt «Zeit zur Heilung» der Wunden. Die Bischöfe müssten «weiterhin effektiv daran arbeiten, um dieses Problem zu lösen».

Der Vatikan plant nach Berichten der «New York Times» eine Änderung des Kirchenrechts, um sexuelle Übergriffe durch Priester besser verfolgen zu können. Wie das Blatt unter Berufung auf den Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, berichtet, denkt der Vatikan dabei unter anderem an eine Verlängerung der Verjährungsfristen. Viele Opfer hätten erst viele Jahr nach ihrem Missbrauch den Mut, ihren Fall der Kirche zu melden, hieß es.

Bei einem Treffen mit Jugendlichen am Samstag erinnerte der Papst auch an seine eigene Jugend während der Nazizeit. «Meine Jahre als Teenager wurden durch ein unheimliches Regime verdorben», das Politik und Religion infiltrierte, sagte er. Erst später sei allen Menschen völlig klar geworden, was für ein «Monster» das Naziregime war. Der Besuch in den USA war die achte Auslandsreise Benedikts. Im Sommer will er zum katholischen Weltjugendtag nach Australien reisen, im Herbst nach Frankreich.