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Ein großer Eurovision-Schriftzug steht am Maidan-Platz in Kiew. Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist der diesjährige Austragungsort für den 62. Eurovision Song Contest. Das Finale findet am 13.Mai statt. 
Ein großer Eurovision-Schriftzug steht am Maidan-Platz in Kiew. Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist der diesjährige Austragungsort für den 62. Eurovision Song Contest. Das Finale findet am 13.Mai statt.  © dpa
Deutschlands Hoffnung Levina bei Proben für den ESC in Kiew. 
Deutschlands Hoffnung Levina bei Proben für den ESC in Kiew.  © dpa
11.05.2017

Politische Konflikte überschatten ESC in Kiew

Kiew. Die ukrainische Hauptstadt Kiew will sich beim Eurovision Song Contest von ihrer besten Seite präsentieren. 30 Millionen Euro wurden dafür bereitgestellt. Doch selbst wenn das Zentrum um den Platz der Unabhängigkeit (Maidan) verschönert wurde, können die Erinnerungen an die gewaltsamen Proteste im Winter 2013/2014 nicht weggewaschen werden. Auch der tiefe Bruch zwischen Russland und der Ukraine ist nicht vergessen.

Obwohl das Land finanziell angeschlagen ist, wird viel Geld in die Verschönerung investiert: Ein neuer Asphalt wurde verlegt, frische Grünflächen wurden angepflanzt und Bauruinen verschleiert. Dazu begeistern wieder hergerichtete Springbrunnenanlagen mit Wasserfontänen, Lichteffekten und Musik. Aber das Land ist immer noch erschüttert: Vom Sturz der Regierung in Kiew nach monatelangen pro-westlichen Protesten und der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland hat sich die Ukraine noch nicht erholt.

Seit drei Jahren bekämpfen sich ukrainische Regierungseinheiten und von Moskau unterstütze Separatisten. Ein grob skizzierter Friedensplan aus Weißrussland wird dabei nicht eingehalten, denn weder die erklärte Waffenruhe noch der Abzug von Kriegsgeräten wurden umgesetzt. Nach UN-Schätzungen sind in dem Krieg etwa 10.000 Menschen getötet wurden.

Dennoch freut man sich auf den ESC. Vor allem auch, weil die Ukraine zu den erfolgreichsten Teilnehmern gehört. Das Land ist erst seit 14 Jahren dabei – und schaffte es schon neun Mal unter die Top 10, letztes Jahr holten sie zum zweiten Mal den Sieg. Und jetzt, nachdem Kiew in neuem Glanz erstrahlt ist, erhofft man sich viel vom diesjährigen Eurovision Song Contest. Und das obwohl Russland den ESC dieses Jahr boykottiert: Nach dem die Ukraine der russischen Kandidatin die Einreise untersagt hatte, ist der Streit eskaliert. Die Sängerin hatte ukrainische Gesetze verletzt, als sie auf der annektierten Halbinsel Krim aufgetreten ist. Das Land verwehrt jedem das Visum für drei Jahre, der auf die Krim reist, ohne ukrainisches Gebiet zu durchqueren. Daraus folgt, dass Russland nicht teilnimmt und den Wettbewerb auch nicht ausstrahlen wird. Für Deutschland tritt die 26-jährige Levina mit ihrem Song "Perfect Life" an. Sie ist die große Hoffnung und will es mit einer "Extraportion Gefühle" ins obere Drittel schaffen.