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Bei dem Anschlag vom 27. Juli 2000 waren zehn Menschen verletzt worden. Foto: Martin Gerten/Archiv
Bei dem Anschlag vom 27. Juli 2000 waren zehn Menschen verletzt worden. Foto: Martin Gerten/Archiv
01.02.2017

Rechtsradikaler soll Anschlag vor 17 Jahren verübt haben

Düsseldorf (dpa) - Fast 17 Jahre nach dem Bombenanschlag am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn mit überwiegend jüdischen Opfern hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Das teilten die Behörden mit.Ein Richter habe Untersuchungshaft für den 50-Jährigen aus Ratingen angeordnet. Dabei handele es sich um einen Rechtsradikalen, der bereits unmittelbar nach der Tat festgenommen worden war, aber mangels ausreichender Beweise wieder freigelassen werden musste, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft und bestätigte Medienberichte.

Der Verdächtige betrieb damals in der Nähe des Tatorts einen Militaria-Laden und galt als Waffennarr. Weitere Details wollen die Behörden am Nachmittag bekanntgeben.

Am 27. Juli 2000 um 15.04 Uhr war am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn eine Rohrbombe explodiert, gefüllt mit dem Sprengstoff TNT. Ein Metallsplitter drang in den Bauch einer schwangeren Frau ein und tötete ihr ungeborenes Baby. Die Frau schwebte in Lebensgefahr. Der Splitterhagel reichte 100 Meter weit. Insgesamt wurden zehn Menschen verletzt - überwiegend jüdische Einwanderer aus Osteuropa. Die Opfer kamen vom Deutschunterricht an einer Sprachschule.

Trotz gewaltigen Ermittlungsaufwands gelang es jahrelang nicht, die Tat aufzuklären. Im Sommer 2015, 15 Jahre nach dem Bombenanschlag, hatten die Ermittler noch einmal neue Ansätze verfolgt. Beweisstücke, darunter das deformierte Geländer, an dem die Bombe hing, sollten erneut und mit den zwischenzeitlich verbesserten technischen Methoden auf verwertbare DNA-Spuren untersucht werden.

Der Geländerabschnitt, an dem die Bombe hing, war herausgeschnitten und als Asservat verwahrt worden. Ein Spezialeinsatzkommando nahm den 50-Jährigen Ralf S. am Mittwoch fest. Was nun schließlich den Verdacht gegen ihn erhärtet hat, teilten die Behörden zunächst nicht mit.

Wenige Monate nach dem Wehrhahn-Anschlag war in Düsseldorf ein Brandanschlag auf die dortige Synagoge verübt worden. Daraufhin war Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in die Landeshauptstadt geeilt und hatte einen «Aufstand der Anständigen» gefordert.

Die Ermittler hatten beim Wehrhahn-Anschlag verschiedene Hypothesen verfolgt. Neben einer rechtsextremen Motivation hatten sie auch einen möglichen islamistischen Hintergrund überprüft. Zudem war spekuliert worden, die Tat könnte von einer mafiaartigen osteuropäischen Gruppierung begangen worden sein.

Nach Bekanntwerden der Mordserie des rechtsextremen NSU war intensiv geprüft worden, ob auch der Wehrhahn-Anschlag auf das Konto des Neonazi-Trios gehen könnte. Erhärten ließ sich dies nicht.