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Absperrband vor dem Haus des verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU). Foto: Swen Pförtner
Absperrband vor dem Haus des verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU). Foto: Swen Pförtner
05.06.2019

Regierungspräsident erschossen: Was wir wissen und was nicht

Kassel/Wolfhagen (dpa) - Der gewaltsame Tod des Regierungspräsidenten von Kassel, Walter Lübcke, bleibt rätselhaft. Es gebe keinen neuen Sachstand zu berichten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel am Mittwoch.Der 65-jährige CDU-Politiker war in der Nacht zum Sonntag an seinem Wohnhaus in Nordhessen mit einer Schusswunde am Kopf entdeckt worden - er starb an seinen schweren Verletzungen. Die Ermittler haben bisher nur wenige Informationen zu dem Fall veröffentlicht.

Was wir wissen:

Der Tatort: Ein Angehöriger hat den Regierungspräsidenten in der Nacht zum Sonntag gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse des Wohnhauses im 900-Einwohner-Dorf Wolfhagen-Istha gefunden. Reanimationsversuche blieben erfolglos, um 2.35 Uhr wurde der Staatsanwaltschaft zufolge in einem nahe gelegenen Krankenhaus der Tod des 65-Jährigen festgestellt.

Die Todesursache: Wie eine Obduktion ergab, starb Lübcke an einem Schuss aus einer Kurzwaffe - dazu zählen beispielsweise Pistolen oder Revolver. Der Schuss wurde aus nächster Nähe abgegeben.

Die Ermittlungen: Eine 20-köpfige Sonderkommission befasst sich momentan mit dem Fall. «Wir ermitteln in alle Richtungen», hatte Sabine Thurau, Chefin des hessischen Landeskriminalamtes, gesagt. Man wolle nichts ausschließen. Ermittelt wird wegen des «Verdachts der Tötung». Das LKA ist eingeschaltet, weil Lübcke als Person des öffentlichen Lebens gilt.

Morddrohungen: Es gab Morddrohungen gegen Lübcke als Leiter des Regierungspräsidiums Kassel, das in der Flüchtlingskrise bei der Unterbringung von Geflüchteten federführend in Nordhessen war. Damals hatte sich der Regierungspräsident gegen Schmährufe gewehrt und auf einer Veranstaltung gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen. Das war 2015. Eine Verbindung zur Tat sehen die Ermittler aber bislang nicht.

Hasskommentare im Netz: Im Internet äußerten nach der Tat insbesondere User aus der mutmaßlich rechtsextremen Szene unverhohlen Freude oder Häme über den gewaltsamen Tod des Politikers. Dies habe aber mit dem unmittelbaren Tatgeschehen nichts zu tun, sagen die Ermittler. Die Staatsanwaltschaft hat aber angekündigt, solche Kommentare daraufhin zu prüfen, ob sie womöglich strafrechtliche Relevanz haben. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte die entsprechenden Kommentare in den sozialen Netzwerken «zynisch, geschmacklos, abscheulich, in jeder Hinsicht widerwärtig».

Was wir nicht wissen

Das Motiv: Warum Lübcke erschossen wurden, ist völlig unklar. Es habe keine Hinweise auf eine aktuelle Gefährdungslage für ihn gegeben, sagte LKA-Chefin Thurau. Grundsätzlich galt der Regierungspräsident als beliebt. Er wäre im Herbst in den Ruhestand gegangen.

Der Täter: Auch dazu gibt es überhaupt keine Angaben. Auf die Frage, ob man eine konkrete Person suche, sagte Horst Streiff, Leiter der Kasseler Staatsanwaltschaft, nur: «Wir suchen einen Täter.» Ob es Zeugenaussagen zu verdächtigen Personen gibt, wollten die Ermittler ebenfalls nicht sagen.

Die Tatwaffe: Die Ermittler wollten keine Angaben machen, ob eine Tatwaffe gefunden wurde.

Die Kirmes: In der Tatnacht fand nur wenige Meter vom Haus Lübckes entfernt eine Kirmes statt. Zu der Frage, ob es eine Verbindung der Tat zu dem Fest gibt, wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern.

Die Familie: Wo sich die Familie befindet, ist unklar. Es sei Standard, dass die Familie in solchen Fällen betreut werde, man eine Gefährdung für sie analysiere und entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Familie einleite, hatte LKA-Leiterin Thurau erklärt. Das sei auch in diesem Fall geschehen. Lübcke hat eine Frau und zwei erwachsene Söhne hinterlassen.