nach oben
Die Lebensmittelüberwachung in Pforzheim hat 70 Betriebe überprüft. Zum Beispiel beim Döner Kebab werden häufig Imitate verwendet.
Die Lebensmittelüberwachung in Pforzheim hat 70 Betriebe überprüft. Zum Beispiel beim Döner Kebab werden häufig Imitate verwendet. © Symbolbild: dpa
08.03.2012

150 Kontrollen in Restaurants: Viele Imitate verwendet

PFORZHEIM. Mehr als 150 Kontrollen in über 70 Betrieben hat die die Lebensmittelüberwachung des Amts für öffentliche Ordnung nach Angaben der Pforzheimer Stadtverwaltung im Jahr 2011 im Rahmen eines Schwerpunktprogramms durchgeführt. Überprüft wurden dabei alle Imbisse, Lieferdienste und Restaurants, die Döner bzw. Pizza anbieten.

In einer ersten Runde, die im Wesentlichen der Bestandsaufnahme und der Aufklärung diente, wurden alle in Frage kommenden Betriebe besucht. In über 75 Prozent der Fälle wurden Mängel im angesprochenen Bereich festgestellt. In einer zweiten Runde wurden die auffälligen Betriebe der ersten Runde erneut kontrolliert. Die Beratungstätigkeit zeigte Wirkung; zahlreiche Unternehmen hatten die Mängel zwischenzeitlich abgestellt. Aber viele Betreiber zeigten sich beratungsresistent, so dass Bußgeldverfahren eingeleitet wurden. In 22 Fällen wurde ein Bußgeld verhängt, und in zwei weiteren Fällen kam es schließlich sogar zur Strafanzeige wegen wiederholter Verbrauchertäuschung.

Bei den Kontrollen ging es darum, zu überprüfen, welche Qualität die verwendeten Zutaten hatten. Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf „Schinken“, „Feta“, „Käse“ und „Döner Kebap“ gelegt. Diesen Produkten ist gemeinsam, dass es billige Imitate gibt, die der arglose Konsument nicht ohne weiteres erkennen kann. Diese werden ihm gelegentlich untergeschoben, ohne dass er etwas davon bemerkt. Hier geht es nicht um die Gefährdung der Gesundheit des Verbrauchers, sondern ausschließlich darum, dass sich hier ein wirtschaftlicher Vorteil auf Kosten des Konsumenten verschafft wird; dieser wird getäuscht.

Zum Hintergrund:

Der wirtschaftliche Druck in der Gastronomie und insbesondere bei Imbissen wie sog. Dönerbuden und Lieferservice ist sehr groß. Dies führt dazu, dass die Betriebe im Einkauf der großen Versuchung ausgesetzt sind, zu Gunsten des Preises und zu Ungunsten der Qualität einzukaufen. Dies ist grundsätzlich nicht unzulässig, allerdings müssen entweder bestimmte Qualitätsnormen eingehalten werden, oder aber die Konsumenten sind über die Qualitätsabweichungen über Speisekarte, Flyer und Schautafel entsprechend aufzuklären: Und genau dies war allzu häufig nicht der Fall: Der für die Pizza Prosciutto verwendete Schinken war kein Schinken; der Feta-Käse im Bauernsalat war kein Feta-Käse und auch der Döner Kebap verdiente allzu häufig diesen Namen nicht!

Was ist Schinken?

Unter Schinken versteht man ein Fleischerzeugnis von hoher Qualität, dass sich aus großstückigem Muskelfleisch zusammensetzt, das gewürzt und anschließend gekocht wird. Insbesondere wenn sich ein Fleischerzeugnis aus kleinstückigem Muskelfleisch zusammensetzt oder wenn dem Muskelfleisch Wasser zugesetzt wird, so darf das Produkt nicht mehr Schinken genannt werden, da es im Vergleich zu richtigem Schinken deutlich günstiger in der Herstellung und in der Qualität minderwertig ist. Genau diese Produkte, die man auch als Imitate bezeichnet, sind es aber, die sehr häufig in der Gastronomie und da wiederum vor allem im Fast-Food-Bereich eingesetzt werden, da sie günstiger im Einkauf sind. Dies geschieht längst nicht immer vorsätzlich oder gar böswillig, sondern sehr häufig auch aus Unkenntnis der Betreiber.

Was ist Döner?

Unter Döner oder Döner Kebap versteht man einen Drehspieß aus dünnen Fleischscheiben mit typischer Würzung. Hackfleisch darf mitverarbeitet werden; allerdings nur bis zu einem Anteil von maximal 60 Prozent. Ist der Hackfleischanteil höher, dann darf das Produkt nicht mehr Döner oder Döner Kebap genannt werden, sondern dann handelt es sich nur noch um einen Hackfleischdrehspieß. Je mehr Hackfleisch verwendet wird, desto günstiger ist das Produkt in der Herstellung. Deshalb ist auch hier die Versuchung groß, einen günstigen Hackfleischdrehspieß zu verwenden, ohne aber den hochwertigen Namen „Döner Kebap“ aufzugeben. Auch in diesem Fall wird, wie beim Schinken, ein Imitat verwendet, um Geld im Einkauf zu sparen. Der Konsument allerdings erhält ein minderwertigeres Produkt, als er aufgrund der Bezeichnung Döner Kebap eigentlich erwarten darf. Er wird getäuscht!

Was ist Feta-Käse?

Bei Feta handelt es sich um ein durch EU-Recht geschütztes Produkt, dass einen speziellen Käse aus Griechenland bezeichnet, der unter Verwendung von Schafsmilch, zum Teil auch Ziegenmilch, hergestellt wird und in Salzlake heranreift. Das, was die meisten Menschen umgangssprachlich als Feta bezeichnen, ist in aller Regel kein Feta, sondern sieht lediglich so aus. Meistens handelt es sich nämlich um einen Salzlakekäse, der nicht aus Griechenland (sondern Deutschland) und nicht aus Schafsmilch (sondern Kuhmilch) hergestellt worden ist. Auch das kann ein guter und schmackhafter Käse sein, aber es ist eben kein Feta, der als qualitativ hochwertiger gilt und dementsprechend teurer ist. Im Handel tragen die deutschen Produkte Ersatznamen wie Balkankäse oder Hirtenkäse. Auch das hört sich nicht nach einem deutschen Kuhmilchkäse an, aber diese Namen sind im Gegensatz zu Feta nicht geschützt.

Aber nicht nur viele Verbraucher kennen den Unterschied nicht zwischen griechischem Feta und deutschem Ersatzprodukt, sondern auch von Gastronomen und Imbissbetreibern wird dieser Fehler häufig gemacht. Und so wird auf Speisekarten, Flyern und Schautafeln häufig das geschützte Wort „Feta“ verwendet, obwohl das damit verbundene Qualitätsversprechen nicht gehalten wird, sondern lediglich einfacher Kuhmilchkäse angeboten wird.

In einzelnen extremen Fällen ging die Täuschung noch viel weiter: Anstelle von Käse wurde ein pflanzliches Käse-Imitat, auch „Analog-Käse“ genannt, angeboten. Näheres dazu siehe unten.

Analogkäse

Als Analogkäse oder Käseimitat bezeichnet man Imitate von Käse, die nicht oder nur zum Teil aus Milch oder Milchprodukten hergestellt werden. Dabei wird das Milchfett durch andere tierische oder pflanzliche Fette ersetzt, zum Teil auch das Milcheiweiß durch solches anderer Herkunft.

Für ein Käseimitat dienen meist Wasser, Milch-, Soja- oder Bakterieneiweiß und Pflanzenöle wie Palmöl als Grundstoffe. Weitere Zutaten sind Emulgatoren, Aroma- und Farbstoffe, Salz und Geschmacksverstärker, um Geschmack und Aussehen an die Originale wie Feta, Parmesan, Emmentaler, Mozzarella anzunähern. Da kein Reifungsprozess notwendig ist, ist die Produktionsdauer gegenüber echtem Käse stark verkürzt. Es handelt es sich also um ein Produkt, das nach Käse aussieht, möglicherweise sogar ein wenig wie Käse schmeckt, aber darüber hinaus wenig mit Käse zu tun hat.

Gründe für den Einsatz von Kunstkäse sind der erheblich geringere Herstellungspreis gegenüber Käse und die durch die Zusammensetzung der Zutaten einstellbaren Eigenschaften wie Schmelzverhalten und Hitzebeständigkeit. Gesundheitliche Gefahren gehen davon nicht aus. Analogkäse wird nicht immer nur versteckt angeboten, sondern insbesondere im angloamerikanischen Raum auch ganz bewusst beworben und als vegetarische Alternative bzw. als Alternative für Menschen mit Laktoseintoleranz vermarktet.

Nach europäischem und deutschem Recht ist Käse ein Milcherzeugnis. Bezeichnungen wie Kunstkäse, Analogkäse oder vegetarische Käsealternative sind nicht gestattet und stellen eine Verbrauchertäuschung dar. Im Großhandel wird dieses Problem umgangen, indem man die Produkte unter Fantasiebezeichnungen wie zum Beispiel „Pizza-Mix“ anbietet. Diese Fantasiebezeichnung wird dann um eine beschreibende Verkehrsbezeichnung ergänzt, beispielsweise „geriebener Pizzabelag aus 50 Prozent Käse und 50 Prozent Pflanzenbasis“ oder „Lebensmittelzubereitung zum Überbacken, für Füllungen und Salat“. Werden diese korrekt bezeichneten Produkte nun in der Gastronomie eingesetzt und schlicht als Käse bezeichnet, dann stellt das eine Verbrauchertäuschung im Sinne des deutschen Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches dar. Eine derartige Verbrauchertäuschung kann mit einem Bußgeld geahndet werden bzw. führt im vorsätzlichen Fall sogar zur Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft.

Was kann der Verbraucher tun?

Für den Verbraucher ist es kaum möglich zwischen Imitat und Original zu unterscheiden, am wenigsten am Geschmack. Hat er Zweifel, dann kann er sich an die Lebensmittelüberwachung wenden, die der Beschwerde nachgehen wird.

Die Lebensmittelkontrolleure und Veterinäre der Stadt Pforzheim erreichen Sie unter: 07231 39 2394, und zwar montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr

Früher Wirtschaftskontrolldienst (WKD) - heute „Lebensmittelüberwachung“

Fast sieben Jahre ist es nun her, dass durch eine große Verwaltungsreform in Baden-Württemberg der WKD abgeschafft wurde. Seitdem wird die Aufgabe der Lebensmittelüberwachung von der Stadt Pforzheim bzw. im Enzkreis vom Landratsamt wahrgenommen.

Bei der Stadt Pforzheim erfolgt dies im Amt für öffentliche Ordnung, Abteilung Veterinärdienst und Lebensmittelüberwachung. Dort arbeiten zwei Lebensmittelkontrolleure (ein weiterer befindet sich in Ausbildung). Diese haben im Jahr 2011 in Pforzheim 940 Kontrollen in 646 Betrieben durchgeführt, unterstützt von den Veterinären der Abteilung. Dabei handelt es sich um Betriebe verschiedenster Art: Großhersteller, Handwerker wie Metzger und Bäcker, Händler, Restaurants, Kantinen, Schul- und Kindergartenküchen, Einzelhandelsgeschäfte usw.. Hauptaufgabe ist es, die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich Hygiene zu überwachen, aber eben auch – wie im beschriebenen Schwerpunktprogramm - Qualität und Aufmachung der Produkte zu überprüfen. Weiterhin haben die Lebensmittelkontrolleure im Jahr 2011 im Rahmen ihrer Tätigkeit 539 Proben entnommen, die in den Untersuchungsämtern des Landes auf ihre Verkehrsfähigkeit hin untersucht worden sind. Die Kontrollen sollen sicherstellen, dass Gaststättenbesuche und Lebensmitteleinkäufe „ohne Reue“ möglich sind.

Leserkommentare (0)