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24.02.2009

18 Millionen Euro sind wieder da - Sechsstelliger Zinsverlust

PFORZHEIM. Am Tag der Rückerstattung von 18 Millionen Euro, die bei der insolventen Lehman-Bank lagen, hat Stadtkämmerin Susanne Weishaar in die Zukunft geblickt. Die Stadt will Lehren ziehen und vorsichtiger sein.

Am Ende ging es schnell. Am Montag war der Brief im Rathaus eingegangen, mit dem der Bankenverband die Rückerstattung ankündigte, gestern früh war das Geld auf dem Konto. Die Stadt habe zuletzt ständig bei der Sparkasse Pforzheim Calw nachgefragt gehabt, erzählt Stadtkämmerin Susanne Weishaar, der die Erleichterung anzusehen ist.

In vier Tranchen hatten sie und ihre Mitarbeiter im Spätsommer 2008 Geld bei der deutschen Tochter der US-Bank Lehman Brothers angelegt. Exakt 18 Millionen. „Wir legen immer runde Millionen an“, sagt Susanne Weishaar. Und die Stadt hat immer nach den besten Zinsen geschaut. Die hatte damals, wenn auch nur sehr knapp vor der Sparkasse Pforzheim Calw, die deutsche Lehman-Bank geboten. Während im Heimatland der Investment-Bank die Finanzkrise eskalierte, entschied sich die Stadt zur Anlage bei Lehman, wo wenige Tage später der Zusammenbruch erfolgte. Die deutschen Aufsichtsbehörden verhängten ein Moratorium über die deutsche Lehman-Bank. „Eine Art Käseglocke“, sagt Susanne Weishaar.

Seitdem wartete die Stadt – wie auch Freiburg, Karslruhe, Mannheim oder Lörrach sowie weitere Kommunen, Sozialversicherer und Institutionen –  auf die Rückkehr ihres Geldes. Mitte November begann für die deutsche Lehman-Bank offiziell die Insolvenz. Damit wurde der Einlagensicherungsfonds des Bankenverbands, eines Zusammenschlusses der meisten deutschen Privatbanken, für die Rückerstattung von insgesamt rund 6,5 Milliarden Euro aus dem Lehman-Zusammenbruch zuständig. Der Bankenverband finanzierte all dies über eigens herausgegebene, von der Bundesregierung per Bürgschaft gesicherte Anleihen – und ließ sich bis Mitte Februar Zeit, bis er die baden-württembergischen Städte unter den Lehman-Gläubigern entschädigte.
Im Fall Pforzheim dauerte es gar noch ein paar Tage länger als in Freiburg oder Karlsruhe, weil Pforzheim nicht auf die Zinsen verzichten wollte, die bis zum Insolvenzverfahren am 14. November fällig gewesen wären. Der Bankenverband dagegen befand, dass die Anlage der Stadt ja nur auf 30 Tage abgeschlossen worden war und nur hierüber auch Zinsvereinbarungen mit Lehman getroffen worden seien. Nur diese festgeschriebenen Zinsen, insgesamt exakt 98 878,06 Euro, ersetzte der Einlagensicherungsfonds nun.

„Wir sind mit anderen betroffenen Städten im Gespräch“, sagt die Kämmerin. Man überlege, ob es Sinn mache, dagegen vorzugehen. Nachvollziehen kann sie die Haltung des Bankenverbands indes: Für den Verband gehe es da um rund 500 000 Euro Zinsen täglich. Für die Stadt war bislang die Rede von 2000 bis 2500 Euro Zinsverlust pro Tag. Der dürfte sich alles in allem weit in den sechsstelligen Bereich hinein addieren, denn spätestens mit der Insolvenz vor rund 100 Tagen ist Lehman wieder für die Zinsen zuständig. „Ich vermute, dass keine große Insolvenzmasse da ist“, sagt Weishaar. In einer Beilage an den Gemeinderat will sie im März genau vorrechnen, wie hoch der Schaden tatsächlich ist. Darin sollen auch neue Regeln für die künftige Anlagestrategie enthalten sein, die im wesentlichen vorsehen, auf regionale Banken zu setzen. Im Moment stelle sich die Frage zwar nicht, so Weishaar, aber: „Wir werden auch mal wieder für 20, 30 Tage Geld anlegen.“