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Rund 1800 Mal pro Jahr muss sich die Pforzheimer Polizei um Unfallfluchten kümmern.
Rund 1800 Mal pro Jahr muss sich die Pforzheimer Polizei um Unfallfluchten kümmern. © dpa
19.07.2011

1800 Unfallfluchten pro Jahr beschäftigen Polizei

PFORZHEIM/ENZKREIS. Kein Tag vergeht, ohne dass sich die Polizei über Unfallfluchten in Pforzheim ärgert. Am vergangenen Wochenende waren es vier Fälle mit einem Gesamtschaden von rund 6000 Euro.

Polizeisprecher Wolfgang Schick beziffert die Gesamtzahl der Unfallfluchten des Vorjahres mit 1781 Fällen. 652 wurden aufgeklärt. „Dabei handelt es sich um viele Bagatellfälle, wobei die Aufklärungsquote bei Unfallfluchten mit Personenschaden höher ist“, so Schick gegenüber der PZ.

Von insgesamt 76 Unfällen mit Verletzten im Vorjahr seien 45 aufgeklärt worden. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 gab es 1694 Unfallfluchten in Pforzheim und dem Enzkreis, 605 Fälle wurden aufgeklärt. „Von 70 Unfällen mit Verletzten im Jahr 2009 hat die Polizei 45 Täter ermittelt“, so Schick.

„Ein an der Windschutzscheibe befestigter Zettel mit Personalien und einer Telefonnummer reicht übrigens nicht als Begründung aus, den Unfallort zu verlassen“, sagt Schick. „Denn die Angaben könnten ja falsch sein, was auch immer wieder passiert“, so der Polizeisprecher.

Er bittet Zeugen, sich in derartigen Fällen das Auto-Kennzeichen desjenigen zu notieren, der nach einem Unfall einen Zettel schreibt. Die Zeugen sollten nicht darauf vertrauen, dass alles mit rechten Dingen zugehe.

Stellen, an denen in Pforzheim schwerpunktmäßig Unfallfluchten begangen werden, gibt es nach Polizeiangaben nicht. „Die Unfallfluchten sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt und kommen häufig da vor, wo es eng zugeht, zum Beispiel auf Parkplätzen vor einem Einkaufscenter, in Parkhäusern oder am Straßenrand, wo geparkten Autos oft der Außenspiegel abgerissen wird“, sagt Schick. Auch den typischen Unfallflüchtigen gebe es nicht. Das Delikt ziehe sich durch alle Alters- und Personengruppen.

Nicht als „Kavaliersdelikt“, sondern als „Straftat mit Vorsatz“ wertet Christoph Reichert, Leiter der Staatsanwaltschaft Pforzheim, die Unfallflucht. Sie lohne sich nicht, denn das Risiko, erwischt zu werden, sei bei den heutigen Ermittlungsmethoden und der modernen Technik des Vergleichs von Autolack-Antragungen relativ groß. Als Faustregel gelte bei einem Unfall: „Dableiben und warten, bis der Besitzer des beschädigten Fahrzeuges kommt. Wie lange, ist nicht festgelegt.“ Falls es zu lange dauert, sollte der Unfall zum Beispiel über Handy der Polizei gemeldet werden.

„Wer zunächst flüchtet, aber sich aus Gewissensgründen doch noch bei der Polizei meldet, kann mit einer Einstellung des Verfahrens mit Auflagen rechnen, solange der Unfall noch nicht weitergemeldet wurde“, sagt Reichert. Das gelte allerdings nur für eine Unfallflucht, nicht aber für eine Trunkenheitsfahrt mit anschließender Unfallflucht. Roger Rosendahl

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