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Roland Härdtner begeistert seit 25 Jahren mit seinen Swinging Mallets. Foto: Tilo Keller
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Feierten im Theater 25 Jahre Swinging Mallets: (von links) Uwe Dürigen, Susanne Knöller, Albert Esslinger-Kiefer, Roland Härdner, Stefan R. Halder, Luise Kalscheuer, Peter Boch und das Landespolizeiorchester Baden-Württemberg. Foto: Tilo Keller

25 Jahre Swinging Mallets: Roland Härdtner klöppelt Publikum in Ekstase

Pforzheim. Das war ein Abend im Theater, der noch lange in Erinnerung bleiben wird. Volles Haus, glänzend aufgelegte Musiker und tolle Arrangements, so fasste Roland Härdtner es bei seiner Begrüßung kurz und treffend zusammen. 25 Jahre Swinging Mallets, 25 Jahre Schlagwerker am Theater waren Gründe, rauschend zu feiern. Dass es auch ein Abschiedskonzert sein sollte, wurde dagegen mit Ungläubigkeit von Wegbegleitern und Publikum konstatiert – und von Roland Härdtner schließlich auch etwas relativiert.

Für dieses besondere Konzert hatten Härdtner und seine Mitstreiter alle Register gezogen. Das Programm vereinte Lieblingsstücke und virtuose Kabinettstückchen aus 25 Jahren, eine Auswahl der rund 300 Arrangements, die Pianist und Arrangeur Boris Ritter für die Formation geschrieben hat.

Roland Härdtner an Vibraphon und Marimbaphon und das Swinging Mallets Trio mit Boris Ritter (Piano), Klaus Dusek (Bass) und Goran Mann (Drums) präsentierten sich als glänzend eingespieltes Team, herausragend die innigen Dialoge zwischen Vibraphon/Marimbaphon und Piano, das wunderbar weich gespielte Schlagzeug und die zurückhaltende Konstante des Basses, die gut herausgearbeitete Dynamik und die differenzierten Tempi.

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25 Jahre Swinging Mallets mit Roland Härdtner

Der „Klöppler“ Härdtner selbst begeisterte mit seinem technisch absolut perfekten, konzentrierten, interpretatorisch sensiblen Spiel, teilweise mit vier Schlegeln und völlig auswendig - eine schier unglaubliche Leistung.

Der Jazzstreifzug begann mit Claude Bolling, führte über Dave Brubecks berühmtes Stück „Take Five“ und Chick Corea zu Oliver Kels. Ein Bach-Exkurs durfte natürlich nicht fehlen, die Werke des Barock-Komponisten eignen sich ja bestens für Jazz-Bearbeitungen. Im Bach-Block u. a. die bekannte Badinerie und Roland Härdtners Mutter Irmingard gewidmet eine Bearbeitung der Motette „Jesu bleibet meine Freude“.

Der rasante „Root Beer Rag“ von Billy Joel leitete über zu dem karibischen „Suntan“ von Michel Camilo. Und nun erschien aus dem Bühnennebel das Landespolizeiorchester unter Leitung von Professor Stefan R. Halder. Der elegante Bigband-Sound, die heißen Rhythmen, das feinnervige Zusammenspiel überwältigte das Publikum, erste Bravo-Rufe erklangen. Beim „Hummelflug von Rimski-Korsakow Begeisterung ohne Grenzen.

Mit großem Orchester zu spielen, war ein lang gehegter Wunsch von Roland Härdtner. Im Landespolizeiorchester Baden-Württemberg fand er den kongenialen Partner. Boris Ritter schrieb auch hier sämtliche Arrangements. Und wie erlebte der Dirigent Professor Stefan R. Halder Roland Härdtner musikalisch? „Er ist ein künstlerischer Pionier. Und was er heute Abend als virtuoser Solist in zweieinhalb Stunden auf der Bühne leistet, habe ich noch nie erlebt, das muss man intellektuell und musikalisch erst einmal drauf haben.“

Der Erlös der insgesamt drei Konzerte, bei denen alle Musiker ohne Gage spielten, kommt dem Theater und dem PZ-Hilfsverein „Menschen in Not“ zugute, erst dadurch war die Kooperation mit dem Landespolizeiorchester möglich, das sich außerdienstlich nur bei Projekten für soziale Zwecke engagiert.

Für die Unterstützung bedankte sich PZ-Verleger und Gründer von „Menschen in Not“ Albert Esslinger-Kiefer bei Roland Härdtner, dem er „Herzblut, Leidenschaft und Durchsetzungsvermögen“ bescheinigte, aber auch beim Publikum, das es „Menschen in Not“ ermögliche, seine soziale Kompetenz umzusetzen.

Nach der Pause Jazz-Bearbeitungen von André Waignein, Duke Ellington und Dave Grusin und Mozarts „Alla Turca“. Zurück zu Bach mit der „Bourée“ und Härdtners Lieblingsstück „Air“. Bei Chick Coreas „Armando‘s Rhumba“ holte Härdtner Boris Ritter als Mitspieler ans Marimbaphon. Und dann explodierte die Bühne beim Schlussstück „Caribe“ von Michel Camilo.

Der Dank Roland Härdtners galt allen Mitwirkenden, seinen Wegbegleitern, dem Publikum, seiner Frau Sabrina und dem Theater, dem er sein altes Xylorimba schenkte. Standing Ovations und nicht endender Beifall, Bravorufe und Blumen und als Zugabe mit „Zirkus Renz“ noch ein bisschen „Ufftata“. Mit dem ruhigen und emotionalen „A little prayer“ von Evelyn Glennie klang der lange Abend aus.