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11.07.2016

27-Jähriger räumt vor Gericht Messer-Attacke auf seinen Nachbarn ein.

Tobias B. (Name geändert) zeigt sich am Montagmorgen vor der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe geständig – zumindest teilweise. Er gibt zu, am 24. März vergangenen Jahres einem Nachbarn seiner Exfreundin „eine Ansage gemacht zu haben“.

Dabei habe er ihn auch einmal angespuckt und beschimpft. Gedroht habe er ihm aber nicht, sondern ihm vielmehr den Tipp gegeben, dieser solle lieber aufpassen, was er über die „Hells Angels“ sage, sonst würden die ihn „weg machen“. Am selben Abend, gibt der 27-Jährige zudem zu, habe er in stark alkoholisiertem Zustand seine damalige Lebensgefährtin, eine 48-jährige Hausfrau aus Pforzheim, mit der flachen Hand auf die Wange geschlagen, nachdem er deren Tür gewaltsam geöffnet habe. Gerne aber spreche er darüber nicht, betont er gegenüber dem Vorsitzenden Richter Ingo Mertgen, schließlich sei das „voll peinlich, darüber zu reden, denn das macht man nicht“.

Auf Nachbarn mit Buttermessern einstechen, das macht man eigentlich auch nicht. B. gibt aber auch zu, dass er das in der Nacht von Halloween auf den 1. November vergangenen Jahres getan hat. Allerdings habe er große Angst gehabt, weil er zuvor von mehreren Personen angegriffen worden sei und in dieser Nacht heftiges Poltern im Haus gehört habe. Er dachte, diese Angreifer seien wieder da. Im dunklen Hausflur sei er dann seinem Nachbarn begegnet, der auf ihn eingeschlagen habe, und daraufhin habe er ihm das Messer unterhalb des rechten Schulterblattes in den Rücken gestochen.

Die Versionen der Opfer als auch die so manch eines Zeugen klangen da ein wenig anders. Die ehemalige Lebensgefährtin, die sich mit der Aussage schwer tat, weil sie ihren Expartner noch immer im Herzen habe, gab an, er habe auf ihren Kopf mit beiden Händen gleichzeitig eingeschlagen und habe sich nicht nur in alkoholisiertem, sondern auch in nüchternem Zustand immer wieder Gewaltfantasien hingegeben, sei sehr aggressiv und nervös gewesen. Der Nachbar beschwört „tausendprozentig“, dass Tobias B. ihm damit gedroht habe, ihn umzubringen und verschwinden zu lassen. Der niedergestochene Nachbar sowie ein weiterer Zeuge sagten aus, dass dem Messerstich ein Wutausbruch und die Suche nach dem Exmann seiner damaligen Lebensgefährtin, der im selben Haus wie er und lediglich eine Tür weiter von dem Geschädigten lebt, vorausgegangen sei. Außerdem habe er ihn beschimpft, bevor er zustach und ihn dann einfach liegenlassen.

B.s Vorstrafenregister weist insgesamt zwölf Eintragungen auf, unter anderem wegen Beleidigungen, Diebstahl, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung. Er befindet sich derzeit in Haft. Ein Urteil wird am kommenden Montag erwartet.