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Placebo bei den Stuttgarter Sternstunden. © Bauer
12.08.2011

"30 seconds to mars" und "Placebo" rocken Schlossplatz

STUTTGART. Nach welchen Kriterien Bands sich ihre Namen aussuchen, ist eine Wissenschaft für sich. Die Rocker von „30 seconds to mars“ entlehnten ihren angeblich einer Doktorarbeit. Wenn sich Leadsänger Jared Leto bei seinem jüngsten Deutschland-Auftritt mit seinen Ansprachen doch nur an jene 30 Sekunden gehalten hätte, anstatt lange Reden zu schwingen.

Bildergalerie: "Placebo" rockt den Stuttgarter Schlossplatz

Bei den „Stuttgarter Sternstunden“ – ein Schmankerl von Mercedes-Benz anlässlich des Automobilsommer – kamen am Donnerstagabend 31 000 Menschen auf dem Schlossplatz in den Genuss, zwei der angesagtesten Bands des Alternative-Genres für unfassbare 15 Euro pro Ticket zu erleben. Nach den Newcomern „The Words“ betraten „30 STM“ die Bühne, ein gefühltes Dutzend Mädchen kippte beim Erscheinen des Sängers Jared Leto gleich mal um. In einer Mischung aus Superhelden-Umhang und Fitness-Studio-Dress forderte er die Zuschauer zum Springen, Hüpfen, Fäuste recken und Klatschen auf. Leto plapperte unaufhörlich, lobte, schimpfte, holte Fans auf die Bühne – erst zwei, dann gleich scharenweise – und ach ja, gesungen hat er zwischendurch auch. Trotz aller Bemühungen, das Publikum bei Hits wie „Hurricane“, „Kings and Queens“ und „Closer to the Edge“ hochzupeitschen, der Klang blieb auf der Strecke, die Zuschauer wollten nicht so recht nach Letos Pfeife tanzen. Alle schienen nur auf die Stars der „Sternstunden“ zu warten: „Placebo“, was so viel heißt wie „ich werde gefallen“. Und wie! Kaum hatten Brian Molko (Gesang und Gitarre), Stefan Olsdal (Bass) und Steven Forrest (Schlagzeug) die Bühne betreten, machte das Publikum all das, was es bei Leto nicht hatte machen wollen.

Guter Geschmack

Beim Eröffnungssong „For what it’s worth“ waren die Zuschauer bereits wie ausgewechselt: Kaum jemand, der die Hits der Alternative-Stars nicht mitsingen konnte. Bei „Every You, every me“ lagen sich Paare in den Armen, bei „Breath underwater“ reckten sich über 60 000 Hände gen Nachthimmel und bei „Infrared“ glühte der Schlossplatz in rotem Licht und ausgelassener Rock-Laune. Sogar Jared Leto konnte nicht umhin, „Placebo“ mit „the mighty“ (die Gewaltigen) anzukündigen. Musik-Geschmack hat er, das muss man ihm lassen.