nach oben
28.02.2010

35 Einsätze in der Region wegen Orkantief "Xynthia"

PFORZHEIM/OFFENBACH. Das gewaltige Sturmtief „Xynthia“ ist am Sonntag über Westeuropa gezogen und mindestens 53 Menschen in den Tod gerissen. Auch in Pforzheim und im Enzkreis gab es Sturmschäden, die Feuerwehr musste 35 mal ausrücken. Beim Karlsruher Wildparkstadion wurden zahlreiche Autos durch umstürzende Bäume beschädigt

Bildergalerie: Orakntief "Xynthia" hinterlässt Spur der Verwüstung

Die Pforzheimer Feuerwehr musste im Laufe des Nachmittags zu insgesamt 35 Einsätzen ausrücken, ein Drittel im Stadtgebiet, zwei Drittel im Enzkreis, vor allem im Westen. Dienstfreie Beamte wurden vorsorglich alarmiert. An der Gymnasiumstraße in Pforzheim fielen Dachziegel hinunter. Die Polizei musste den Gehweg sperren. Zum Teil wurden Blechdächer aus der Verankerung gerissen. In Knittlingen drohte ein Baugerüst umzustürzen.  Die Polizeidirektion verzeichnete fünf witterungsbedingte Verkehrsunfälle mit insgesamt knapp 20 000 Euro Sachschaden. Von 14.30 Uhr an – voraussichtlich bis heute Vormittag – musste die Strecke zwischen Heimsheim und Malmsheim gesperrt werden. Die Autobahnpolizei Pforzheim berichtete von drei umgeknickten Bäumen, aber keinen Staus. Personenschäden waren laut Feuerwehr nicht zu verzeichnen.

Anders in Frankreich. Dort kamen im schlimmsten Unwetter seit zehn Jahren 45 Menschen um. Der Großteil ertrank bei Überschwemmungen an der Atlantikküste. Eine Million Einwohner hatte keinen Strom. In Portugal und Nordspanien hatte „Xynthia“ zuerst getobt und vier Menschenleben gefordert.

In Deutschland wütete „Xynthia“ am heftigsten im Südwesten, in Hessen und in Nordrhein-Westfalen. Bis gestern Abend wurden vier Menschen von umstürzenden Bäumen erschlagen. Es gab zahlreiche Verletzte. Im Schwarzwald kam ein 74-jähriger Mann ums Leben, bei Wiesbaden ein 69 Jahre alter Wanderer. Bei Köln wurde eine Joggerin getötet. Bei Coesfeld fiel ein Baum auf das Auto einer 70-Jährigen aus dem Münsterland. Der Sturm richtete erhebliche Schäden an, im Reiseverkehr brach ein Chaos aus.

Viele Straßen Baden-Württembergs waren von entwurzelten Bäumen blockiert. Im Raum Stuttgart fiel der Bahnverkehr aus, ein Ersatzverkehr über die zum Teil verwüsteten Straßen war nicht möglich. In Nordrhein-Westfalen stand der Verkehr auf den Schienen gestern Abend komplett still. Die Polizei in NRW rückte zu tausenden Einsätzen aus.
In Frankfurt/Main wurde die A3 gesperrt, eine der wichtigsten Autobahnverbindungen durch Deutschland. In der Stadt waren der Hauptbahnhof und der Bahnhof am Flughafen vorübergehend geschlossen. Mehr als 200 Flüge fielen aus. Mobile Toiletten flogen durch die Luft. Fassadenteile und Werbeplakate wirbelten umher und blockierten Straßen. Bis zu 20 000 Menschen waren in Hessen von Stromausfällen betroffen.

„Xynthia“ sei ein Sturmtief, „wie man es nicht jedes Jahr hat“, sagte Meteorologe Peter Hartmann vom Deutschen Wetterdienst. Die höchste Windgeschwindigkeit in Deutschland wurde laut Meteomedia gestern bis 17 Uhr mit 165 Kilometern pro Stunde bei Weinbiet in Rheinland-Pfalz gemessen. In Spanien erreichte „Xynthia“ 228 Stundenkilometer – das sind mehr als die 213 Stundenkilometer, die Jahrhundert-Orkan „Lothar“ 1999 im Schwarzwald erreichte. ol/dpa