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06.07.2009

40 Badegäste vor Blitzeinschlag im Nagoldbad gerettet

PFORZHEIM. Schwimmmeister Jan Schumacher verspürt noch immer etwas von dem Schreck, der ihm am vergangenen Freitagabend traf: Er sah, wie ein Blitz ins Schwimmbecken des Pforzheimer Nagoldbads eingeschlagen ist. Kurz zuvor hatte sein Kollege Giovanni Caricati die Badegäste aufgefordert, das Becken zu verlassen. Nur wenige Minuten später, so Caricati, hätte es wohl Tote gegeben.

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Für beide Schwimmmeister war es ein Schock. Eben noch hatten sie den nörgelnden, zum Teil verständnislos schimpfenden Badegästen befehlen müssen, zu ihrer eigenen Sicherheit aus dem Wasser zu kommen, dann kracht es auch schon wenige Minuten später so gewaltig, dass Caricati in der Schwimmmeister-Kabine zusammenzuckt. Sein Kollege Schumacher sieht unterdessen, wie aus dem großen grellen Lichtblitz sich plötzlich kleine, bläuliche Blitzfelder übers ganze Wasser verteilen.

Nach dem ersten Schreck und Aufatmen wird ihnen bewusst: Hätten Sie etwas später reagiert, hätten sie dem Drängen der Badegäste nachgegeben, würde es jetzt Tote geben. Leicht gefallen ist ihnen die Entscheidung nicht, die Badegäste wieder aus dem Wasser zu holen, denn zuvor schon hatten sie wegen dunkler Gewitterwolken über dem Nagoldbad dreimal den Badespaß abbrechen müssen. Und bei der großen Hitze wollen viele Badegäste einfach nicht einsehen, dass ein paar Wolken am Himmel unter Umständen lebensgefährlich sein können. Dann wird der Schwimmmeister am Beckenrand zum Blitzableiter für die schimpfenden Schwimmer.

Für einen Schwimmmeister ist das im Prinzip eine reine Routineaufgabe. Für Giovanni Caricati ist das seit 15 Berufsjahren der ganz normale Alltag. Und doch ist es das erste Mal, dass er solch einen Blitzeinschlag erleben musste. Auch Jan Schumacher weiß, dass er solch ein Ereignis wohl nur einmal im Leben erfahren wird, aber er hat auch keinen Bedarf nach mehr: „Jetzt werde ich noch vorsichtiger mit den Wetterwarnungen sein“, sagt er zu PZ-news. Dabei ist er kein ausgebildeter Wetterkundler, der sofort aus jeder Wolkenformation auf Blitzschlag schließen kann. Jetzt will er in Zukunft lieber einmal etwas früher und lieber einmal etwas öfter die Badegäste aus dem Wasser bitten. „Es waren noch rund 40 Schwimmer im Becken. Das hätte keiner überlebt“, sagt Schumacher.

Und danach? „Da wollte plötzlich keiner mehr ins Wasser“, erinnert sich Schumacher. Und es dauerte nicht mehr lange, bis der letzte Badegast das Nagoldbad verlassen hatte. Der Sachschaden hält sich in Grenzen. Nur das elektronische Kassensystem hat noch einen Ausfall, aber der soll bald behoben werden.