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Matilda, Gabriel, Antonia, Christopher und Stella (vorne, von links) sind stolze Bunker-Entdecker. Die Eltern – Thomas Kalkofen, Miriam Bankert und Nico Kellner (hinten, von links) – wollten es erst gar nicht glauben. Polizei und Feuerwehr haben das Loch schnell abgesichert.

Abenteuer gesucht – Bunker gefunden: Kinder entdecken Stollen aus Zweitem Weltkrieg in Pforzheim

Pforzheim. Jede Mutter kennt diesen Kollateralschaden, den sie gerne in Kauf nimmt, wenn das Kind draußen herumtollt, Feld, Wald und Flur erkundet, mit leuchtenden Augen und vor Dreck starrenden Klamotten den Gang einsaut. Doch bei drei Familien – den Bankerts, Kellners und Kalkofens – fiel erst mit zeitlicher Verzögerung der Groschen: „Als Gabriel am Muttertags-Frühstückstisch alles noch einmal erzählt hat“, erinnert sich Miriam Bankert.

Und nachdem sich ihr Mann Sören und Nico Kellner auf die Spuren ihrer Kinder machten, fiel ihnen auch ein Stein – ach was: ein ganzes Gebirge – vom Herzen, dass den unternehmungslustigen und neugierigen Kids nichts zugestoßen war.

Denn was die Männer nun auch entdeckten, verschlug ihnen den Atem: Kellners Tochter Stella (10), Bankerts Kinder Gabriel, Antonia (beide 7) und Christopher (9) sowie Matilda Kalkofen (7) waren beim Spielen am südlichen Ende des Hachelparks auf eine Höhle gestoßen. „Wir haben das erst gar nicht ernst genommen, als die Kinder das erzählt haben“, erinnert sich Kellner. Dabei hätte es eigentlich klingeln müssen, als Gabriel nach Hause kam, allerdings nur für einen Zwischenstopp, nach der Schleppleine für den Hund fragte, Taschenlampe und Fahrradhelme schnappte. Weg war er – zu den Geschwistern und Freunden. Ein Loch hatte sich in der Böschung aufgetan, das vorher nicht da war, unterhalb der kleinen Hütte im Gebüsch, wo sie immer spielen.

Mutmaßlich ein kleiner Erdrutsch hatte die Öffnung im mit Büschen und Bäumen bewachsenen Boden freigegeben, durch das sich Stella und Gabriel schräg in die Tiefe ließen – gesichert durch die 20 Meter lange Hundeleine.

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Kinder entdecken Stollen aus Zweitem Weltkrieg in Pforzheim

Leine zur Absicherung

Nach einigen Metern: ein weiteres Loch, 50 mal 50 Zentimeter groß, vor dem später die Väter Kellner und Bankert kapitulieren sollten. Doch die Kids kamen weiter, erzählten von Gängen und Schnapsflaschen ohne Etikett. Nur mithilfe der Leine gelang es ihnen, sich wieder nach draußen zu hangeln. Was sie entdeckt hatten, war höchstwahrscheinlich einer der in den Fels getriebenen Stollenbunker des Zweiten Weltkriegs, wie es in Pforzheim viele gab. Bankerts Mutter Ingrid Kurz sprach wiederum ihre Mutter auf den Fund der Enkel an – und die 89-Jährige erinnerte sich, bei Fliegeralarm in einen Luftschutzkeller der Nordstadt gerannt zu sein. Mit Treppen wie jenem an der Nibelungenstraße.

Umgehend alarmierte Miriam Bankert die Polizei, die ebenso vor Ort erschien wie die Feuerwehr. „Ach du Sch. . .“, entfuhr es einem der Ordnungshüter – als er sah, was hätte passieren können.

Notdürftig wurde die Öffnung mit einem Holzgatter blockiert; die Stelle wurde mit Absperrband gesichert und Tage später schwere Metallgitter angebracht. „Die Kinder sind jetzt richtig heiß“, sagt Bankert.

Natürlich war das große Abenteuer Gesprächsthema Nummer eins an jenem Montagvormittag in der Schanzschule. Gabriel und Antonia hatten sich schon am Vorabend abgesprochen, wie sie ihre „Story“ rüberbringen würden. „Die beiden sind noch nie so früh und gut gelaunt zur Schule aufgebrochen“, sagt ihre Mutter.

Gut möglich, dass sich zwischen Hachelallee und Nibelungenstraße noch weitere Schutzräume aus dem Krieg befinden – wer als Zeitzeuge Hinweise geben kann, kann sich telefonisch unter (0 72 31) 933 139 oder per E-Mail unter stadt@pz-news.de an die Stadtredaktion wenden.