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14.04.2010

Abi 2010: Irritationen um Abi-Plakate

PFORZHEIM. „Die Abi-Mut-mach-Plakate am Hilda-Gymnasium sind nicht als unerwünscht erklärt worden“, sagt Schulleiterin Edith Drescher auf PZ-Anfrage. Eine Mutter hatte dies so aufgefasst und sich an die PZ gewandt. Jene Mutter einer Abiturientin sprach von einer „Ungleichbehandlung und riesigen Gemeinheit“. In einer Info-Veranstaltung an der Schule sei das Aushängen dieser Plakate als unerwünscht erklärt worden.

Bildergalerie: Abi-Grüße 2010

„Meiner Meinung nach ist dies doch eine tolle Aktion und in vielen Familien und im Freundeskreis wird doch schon seit Wochen daran heimlich gearbeitet, um den Abiturienten einen super Einstieg zum Abi zu ermöglichen. Außerdem zeigt man ihnen, dass man mit ihnen fiebert“, schrieb die Mutter in einer E-Mail an die PZ. „Was geht da am Hilda vor?“, fragte sie. Im Vergleich zum Reuchlin-Gymnasium, bei dem der Hausmeister schon mit Schnüren und Handwerkszeug bereit stehe, um die Plakataktion zu unterstützen, passiere am „Hilda“ das Gegenteil.

„An Gerüchten nichts dran“

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Schulleiterin Edith Drescher fiel am Mittwoch aus allen Wolken, als sie von dieser E-Mail erfuhr. „Ich weiß nicht, wer solche Gerüchte in die Welt setzt, an denen nichts dran ist. Zwei Schülerinnen hatten mich auch schon gefragt, ob sie Plakate aufhängen dürfen, was ich ihnen mit dem Hinweis erlaubt habe, keine Fluchtwege zu verdecken. Es hängen ja auch Mut-mach-Plakate am Schulgebäude, womit dokumentiert wird, dass sie nicht verboten sind“, sagte Drescher.

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Es habe zwar eine Informationsveranstaltung zum Abitur stattgefunden, „aber dabei habe ich lediglich erwähnt, dass Schüler, die vorzeitig mit dem Abitur fertig werden, keine Bier- oder sonstige Flaschen auf dem Schulgelände und vor dem Gymnasium auf dem Gehweg herumliegen lassen sollen. Das war alles“, so Drescher.

Bildergalerie: Mit Bettlaken müde Abiturienten munter machen

Dem widerspricht eine Schülerin der 13. Klasse, die bei diesem Informationsgespräch dabei gewesen war. „Der stellvertretende Schulleiter hat wörtlich betont, dass auf jegliche Plakate innen und außen verzichtet werden soll, da das Gebäude beschädigt werden könnte. Personen, die Glückwünsche aussprechen wollen, sollten dies lieber persönlich tun. Es war ein eindeutiger Appell, keine Transparente aufzuhängen. Dies wäre unerwünscht“, so die Schülerin gegenüber der PZ.

Später meldete sich erneut die Schulleiterin und stellte nach einem nochmaligen Gespräch im Kollegenkreis klar, dass nicht sie, sondern der stellvertretende Schulleiter als Oberstufenberater und Organisator des Abitur-Ablaufs einen Appell an die Schüler gerichtet habe, vorsichtig beim Ankleben von Plakaten zu sein, was sich vor allem auf das Innere des Gebäudes beziehe. Das sei aber keine Erklärung gewesen, dass die Aktion unerwünscht sei.

„Ich habe im Vorjahr Klebeschäden beseitigen müssen, wobei die halbe Tapete in Mitleidenschaft gezogen wurde und habe deshalb die Schüler lediglich um Vorsicht gebeten und erklärt, bitte nichts an die Wände zu tackern“, betonte der Oberstufenberater. Das sei kein Aktionsverbot gewesen.

„Anfeuern wie beim Fußball“

Thomas Paeffgen vom Hebel-Gymnasium, geschäftsführender Leiter für die Pforzheimer Gymnasien, sieht diese Plakat-Aktionen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Einerseits finde ich sie ein bisschen albern, andererseits aber auch sympathisch, weil ähnlich wie bei den Anfeuerungen der Fans beim Fußball die Abiturienten von Sympathiesanten unterstützt werden“, so Paeffgen. Gott sei Dank würden heute wesentlich mehr Schüler als früher Abitur machen, aber es habe auch nicht mehr die herausragende Bedeutung wie vor 40 oder 50 Jahren. Er überlasse jeder Schule, wie sie mit solchen Plakataktionen umgehe. Seine persönliche Meinung sei, dass man durchaus auf die Vielzahl der Plakate verzichten könne, die erst in jüngerer Zeit in Mode gekommen seien. Er toleriere sie aber, wenn der Inhalt nicht beleidigend sei.