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Wolfgang Wahlefeld: Habermehlstraße/Kirchenstraße wegen Unfällen - Werbung.
Wolfgang Wahlefeld: Habermehlstraße/Kirchenstraße wegen Unfällen - Werbung.
08.05.2016

Ablenkungspotenzial? Geplante Werbewand an Habermehlstraße umstritten

Pforzheim. Noch am Vormittag, so erinnert sich Wolfgang Wahlefeld, sei er mit einem Mitarbeiter des Baurechtsamts draußen auf der Straße gewesen – dort, wo es einige Stunden später krachte. Wieder einmal. Ort der Handlung: die Kreuzung Habermehlstraße/Kirchenstraße. Zwei Schwerverletzte, ein riesiger Rückstau (die PZ berichtete). „Vier- bis fünfmal im Jahr scheppert es“, sagt Wahlefeld. Der Senior-Chef des Bürohauses Stiegekle sitzt gewissermaßen in der ersten Reihe – seit gut 30 Jahren. In den Räumen der Firma wurden die Verletzten von Angehörigen der Feuerwehr erstversorgt, bis der Notarzt eintraf.

Die Kreuzung hat es in sich: Wer von der Habermehlstraße stadtauswärts fährt und nach links in Richtung „Kaufland“ am Mühlkanal abbiegen will, muss die Vorfahrt der Geradeausfahrenden beachten. Gleiches gilt für Verkehrsteilnehmer, die von der Kirchenstraße in Brötzingen nach links auf die Habermehlstraße will, muss ebenfalls den Gegenverkehr beachten.

Und nun soll dort eine große Werbewand aufgestellt werden: „City Star“, eines von vielen Produkten des Branchen-Primus Ströer’, mit dem die Stadt Pforzheim einen Vertrag hat – 2006 wurde er geschlossen und hatte ein einheitliches Design der Werbeträger zum Ziel. Ströer hatte bei der europaweiten Ausschreibung gegen zwei Konkurrenten das Rennen gemacht. Im vergangenen Jahr wurde der Vertrag um weitere fünf Jahre verlängert. Die Zusammenarbeit mit Ströer sei „exzellent“, so der städtische Pressesprecher Michael Strohmayer auf PZ-Anfrage.

„Wir machen nur dort gute Werbung, wo der Standort optimal ist“, hieß es damals vonseiten des Unternehmens. „An vielbefahrenen Ein- und Ausfallstraßen“ werde der „City Star“ zum „einmaligen Blickfang“ und generiere „hohe Reichweiten und Kontakte“, wirbt Ströer für sein Produkt. Die Standorte seien überwiegend beleuchtet.

Das macht Wolfgang Wahlefeld fuchsig: „Es ist unfassbar, dass an einer so sensiblen Kreuzung eine solche Werbetafel installiert werden soll.“

Für die Stadt ist der Vertrag mit Ströer ein lohnendes Geschäft: Allein der jährliche Gewinn durch die Verpachtung der Buswartehäuschen, Kultur- und Uhrensäulen, groß- und kleinformatigen Stadtinformationsanlagen spült einen sechsstelligen Betrag – über 200 000 Euro – ins Stadtsäckel. Jährlich.

Verfahren läuft

Einwendungen, so ein Schreiben des Baurechtsamts Ende April an Wahlefeld als Eigentümer des Angrenzergrundstücks, seien innerhalb von vier Wochen nach Zustellung der Benachrichtigung vorzubringen. Antragsteller ist offiziell die zur Ströer-Gruppe gehörende DSM Deutsche Städte Medien GmbH.

Das Genehmigungsverfahren läuft – einschließlich eines Prüfungsverfahrens. Es habe einen Vor-Ort-Termin gegeben, so Philip Mukherjee, Pressereferent der Stadt. Laut Ordnungsamt sei der Standort als einer mit ausreichendem Abstand zur Ampel beschrieben worden. Eine detaillierte Stellungnahme werde noch erfolgen. Im „Bedarfsfall“ werde die Polizei gehört.

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