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22.04.2008

Aggressive Bettler: Bande wird in S-Bahn handgreiflich

Die Masche ist neu: aggressives Betteln in der S-Bahn zwischen Karlsruhe und Bietigheim-Bissingen und in der Regionalbahn zwischen Pforzheim und der Landeshauptstadt. Dabei ist es auch schon zu Handgreiflichkeiten gekommen, wenn Angebettelte nichts geben wollten.

Sie treten zu mehreren auf, in wechselnder Besetzung: südländisch aussehende Personen (so werden sie von Zeugen beschrieben) zwischen 20 und 30, die kein Deutsch sprechen, und von denen die Bundespolizei (früher Bundesgrenzschutz) davon ausgeht, dass es sich um Rumänen handelt. Sie verteilen in den Nahverkehrszügen der AVG und der Deutschen Bahn auf der West-Ost-Schiene zwischen Karlsruhe und Stuttgart kleine gelbe Zettel.

Geschädigte sollen sich melden

Darauf ist zu lesen, man sammle für ein leukämiekrankes Kind. Wenig später gehen die Personen erneut durch den Zug, sammeln die Zettel wieder ein – und gegebenenfalls Geld. Wer den Bettelschein zerknüllt und weggeworfen hat, kann Ärger bekommen.

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Zeugen berichteten bei der Bundespolizeidirektion in Karlsruhe, die Bettler seien in mindestens zwei Fällen aggressiv geworden: am 26. März gegen 16 Uhr zwischen Karlsruhe und Pforzheim und am 15. April gegen 14 Uhr zwischen Stuttgart und Pforzheim in Höhe von Mühlacker. „Ob die Angesprochenen bei dem aggressiven Betteln verletzt wurden, können wir nicht sagen, weil sich die möglicherweise Geschädigten noch nicht bei uns gemeldet haben“, sagt Bernd Herlan, bei der Bundespolizei-Inspektion Karlsruhe zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Betroffene der Handgreiflichkeiten mögen sich bei der Bundespolizei telefonisch unter (07231) 9 33 17 00 melden.

Problem anderswo unbekannt

Der Pressestelle ist nicht bekannt, dass es auf anderen Linien – etwa der Rheinschiene – zu ähnlichen Vorfällen gekommen ist. Auch ist, da man die Verdächtigen nicht hat, nicht klar, ob sie aus dem gleichen Milieu kommen wie die Gruppierung, die sich in jüngster Zeit wieder vermehrt in Pforzheim aufhält und sich nach Erkenntnissen der PZ aus einer Sippe in Rumänien rekrutiert: der „Clan der Knieenden“. Stundelang harren die gedrillten Clan-Mitglieder in Demutshaltung vor Kaufhäusern, Drogerien und Supermärkten aus.

Nicht ausschließen wollen die Ermittler, dass es eine Verbindung gibt zu einem Landfahrerplatz im Elsass. Von dem aus wurden in der Vergangenheit Einbruchdiebstähle in der Ortenau, der Region Mittlerer Oberrhein und der Schiene Karlsruhe – Stuttgart gesteuert.