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In luftiger Höhe: Anita und Thomas Hanisch genossen den Blick vom 75 Meter hohen Sparkassenturm. Leo gehörte zwar nicht zu dem Paar, freute sich aber genauso über die Aussicht.  Molnar
In luftiger Höhe: Anita und Thomas Hanisch genossen den Blick vom 75 Meter hohen Sparkassenturm. Leo gehörte zwar nicht zu dem Paar, freute sich aber genauso über die Aussicht. Molnar
Den Glocken ganz nahe: Heidi Altinger, Thomas Liermann und Annette Stegmaier (von rechts) freuten sich, das Dach des Neuen Rathauses kennenzulernen.
Den Glocken ganz nahe: Heidi Altinger, Thomas Liermann und Annette Stegmaier (von rechts) freuten sich, das Dach des Neuen Rathauses kennenzulernen.
19.07.2015

Aktion „Offene Dächer“ gibt neue Ein- und Ausblicke auf die Stadt

Treppen hoch, Treppen runter: Die geführte Dächer-Tour mit Kunsthistorikerin Christina Klittich ging in die Beine. Doch wer etwa die 269 Stufen des Stadtkirchenturms erklommen hatte, kam in den Genuss der vielleicht schönsten Aussicht auf Pforzheim. Im Rahmen des Festivals „Werkstadt“, das einen neuen Blick auf die Goldstadt ermöglichen will, wurden nichtöffentliche Dächer und Dachgärten zugänglich gemacht – der Titel: „On Top: Offene Dächer“.

Spannende Anekdoten

Von morgens bis abends konnten Besucher aufs Dach steigen, historisch Wissenswertem lauschen oder sich an Musik, Film und Lesungen erfreuen. So las Schauspielerin Heidrun Schweda im Dachgarten der Volkshochschule, beim neuen Hilda-Dach-Schulhof war eine Medieninstallation zu sehen und im ehemaligen Licht-, Luft- und Sonnenbad des „EMMA“-Kreativzentrums eine Open-Air-Vorstellung des Kommunalen Kinos. Auch Kunsthistorikerin Klittich hielt Spannendes bereit. „Hier gab es früher einen Tischtennisraum“, erzählte sie zum Beispiel auf dem Dach des Neuen Rathauses, das durch seine niedrige, pergolaähnliche Betonkonstruktion etwas bedrückend wirkte. Überhaupt sei die Dachterrasse mit seinen 46 Glocken und Sitzgelegenheiten in den 1970er Jahren für die Mitarbeiter und Öffentlichkeit offen gewesen. Warum das eingestellt wurde, ist Klittich nicht bekannt.

„Es eine besondere Ehre, dass wir heute hier hoch gehen dürfen“, so die Tour-Leiterin. In den Genuss des Glockenspiels kamen die Besucher nicht, später aber hörten sie hier Geschichten zum Thema Urbanität, die Schauspieler Markus Löchner vortrug. „Das alles hat einen morbiden Charme“, sagte Heidi Altinger, als sie mit dem Fahrstuhl vom sechsten Stock zurück ins Erdgeschoss fuhr. Auch Anita und Thomas Hanisch zeigten sich von der Dächer-Tour beeindruckt: „Man kommt ja sonst nicht hier hoch“, sagten sie im Glasfahrstuhl des 75 Meter hohen Sparkassenturms. Im 16. Stock wurden sie mit Goldsekt und Häppchen von den Bankangestellten Christel Dettinger und Sina Erlenmaier begrüßt. Sogleich tummelten sich 50, 60 Leute am Geländer der halbrunden Terrasse, von wo aus die Ost-, Nord- und Südstadt in Vogelperspektive zu sehen war.

Schwerer Aufstieg

„Das ist ein Büro- und kein Aussichtsturm“, merkte Klittich jedoch an. 2001 sei der Sparkassenturm mit einem Durchmesser von 23,5 Metern eröffnet worden. Höher als die Stadtkirche sei er dennoch nicht. Das 80 Meter hohe, 1968 neugebaute Gotteshaus sei der höchste Kirchturm in Pforzheim. Aus luftiger Höhe ermögliche dieser den einzigen 360-Grad-Blick auf die Stadt. Doch zuvor mussten die Besucher den Aufstieg im drückend warmen, an den Glocken vorbeiführenden Treppenhaus bewältigen. Ein Aufzug ist seit 1971 zwar vorhanden, aber nur für vier Personen zulässig. Oben konnten dann alle – hautnah bei der kupfernen Turmspitze – den Rundblick genießen.