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27.05.2009

Aktion „Stolpersteine“ erinnert an Schicksal von 33 ehemaligen Bürgern

PFORZHEIM. Über 17 000 „Stolpersteine“ erinnern in Deutschland und anderen Ländern an Menschen, die Opfer der Nazi-Zeit wurden. In Pforzheim kommen heute zu den bisherigen 13 Steinen weitere 20 hinzu.

Das Projekt „Stolpersteine“ war eine Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig, um damit die Erinnerung an die Vertreibung der Juden, der Zigeuner, von politisch Verfolgten, Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasie-Opfer im Nationalsozialismus lebendig zu erhalten. Die ersten Steine aus Messing hat Demnig in seiner Heimatstadt vor fast 20 Jahren in den Gehweg eingelassen, dort wo die Opfer zuletzt wohnten.

In Pforzheim fand die Initiative „Stolpersteine“ in Trägerschaft der Löblichen Singergesellschaft von 1501 Pforzheim im Jahr 2007 offizielle Unterstützung durch den Gemeinderat. So wurden am 13. März 2008 die ersten 13 „Stolpersteine“ verlegt. Damals wie heute wurden sie gestiftet unter anderem von Mitbürgerinnen und Mitbürgern, Vereinen, Gemeinderatsfraktionen, Schulen und der Kirche.

Einst 1000 jüdische Mitbürger

Noch 186 Juden lebten am 22. Oktober 1940 in Pforzheim, als diese vom Güterbahnhof ins Lager Gurs, in den „Warteraum des Todes“ nach Südfrankreich abtransportiert wurden. Neun kamen noch an anderen Orten hinzu. Vor Beginn des Dritten Reiches lebten 1000 Juden unter den knapp 80 000 Einwohnern in Pforzheim.
Bisher wurde durch „Stolper-
steine“ an folgende Schicksale erinnert:

Albert Eckstein: geboren am 4. April 1891, Jude, wohnte zuletzt im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde Pforzheim, am 22. Oktober 1940 nach Gurs und am 10. August 1942 nach Auschwitz deportiert, für tot erklärt.

Felicitas Eckstein, geborene Freudenberg: geboren am 26. November 1891, Jüdin, wohnte zuletzt im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde Pforzheim, am 22. Oktober 1940 nach Gurs und am 10. August 1942 nach Auschwitz deportiert, für tot erklärt.

Lore Eckstein: geboren am 18. August 1921, Jüdin, wohnte zuletzt im Gemeindehaus der Jüdischen GemeindePforzheim, am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, verschollen.

Martin Eckstein: geboren am 15. August 1929, Jude, wohnte zuletzt im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde Pforzheim, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, danach in ein Kinderlager in Frankreich deportiert, aus dem er gerettet wurde; lebte danach in New York/USA.

Max Weißhaar: geboren am 12. April 1895, Jude, Vertreter, wohnte zuletzt Zerrennerstraße 33, am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, am 21. Juni 1943 nach Drancy, in Auschwitz ermordet.

Adolf Rothschild: geboren am 19. Juni 1869, Jude, Uhrenfabrikant, wohnte zuletzt Baumstraße 4, am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, verschollen.

Max Rödelsheimer: geboren am 1. November 1884 in Baisingen, Jude, Fotograf, wohnte zuletzt Schloßberg 11, am 22. Oktober 1940 nach Gurs und am 6. August 1942 nach Auschwitz deportiert, für tot erklärt.

Luise Neuburger: geborene Strauß: geboren am 25. November 1864, Jüdin, wohnte zuletzt Leopoldstraße 11, am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, dort am 21. Januar 1942 ermordet.

Auguste Goldbaum: geboren am 1. Juli 1854 in Pforzheim, Jüdin, wohnte zuletzt Westliche Karl-Friedrich-Straße 53, am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, dort 1941 ermordet.

Fred Josef: Sohn eines Juden und einer Christin, geboren am 18. Oktober 1911, Apotheker in Pforzheim, Regimegegner, St.-Georgs-Pfadfinder, deportiert nach Auschwitz, dort am 21. Oktober 1943 ermordet.

Klara Müßle, geborene Vogt: am 12. April 1902 in Pforzheim, Zeugin Jehovas, arbeitete zuletzt in einem Unternehmen im Haus Bleichstraße 84-86, ermordet am 24. September 1942 in Auschwitz.

Alexandra Ripalo: geboren 13. Mai 1918, Zwangsarbeiterin aus der Ukraine, wohnte zuletzt in Pforzheim, Jahnstraße 10, gestorben am 20. Februar 1945 in Pforzheim an Tuberkulose.

Eugen Weidle: wohnte zuletzt in Pforzheim, Große Gerbergasse 5, Regimegegner, 1936 auf der Flucht von Angehörigen der SA erschossen.
Schicksal wach halten
Heute werden die 20 neuen Stolpersteine verlegt, die das Schicksal folgender früherer Mitbürgerinnen und Mitbürger wach halten sollen:

Rosa Fleischer: geboren am 4. Juni 1881, Jüdin, wohnte zuletzt Östliche Karl-Friedrich-Straße 51, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, am 14. August 1942 nach Auschwitz deportiert, verschollen.

Isidor Lazarus Jeremias: geboren 26. Januar 1879, Jude, Stahlgraveur, wohnte zuletzt Östliche Karl-Friedrich-Straße 103, am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, dort am 31. August 1941 gestorben.

Hirsch Goldberg: geboren 11. April 1889 in Ichenhausen, Jude, Rabbiner, wohnte zuletzt Erbprinzenstraße 104, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, am 16. August 1942 nach Auschwitz deportiert, für tot erklärt.

Bertha Fetterer: geboren 6. März 1880, Jüdin, wohnte zuletzt Erbprinzenstraße 30, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, im August 1942 nach Auschwitz deportiert, verschollen.

Setty Michelson, geborene Kleemann: geboren am 7. August 1880, Jüdin, wohnte zuletzt Erbprinzenstraße 20, Ehefrau von Otto Michelson, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, am 17. August 1942 nach Auschwitz deportiert, dort gestorben.

Otto Michelson: geboren am 8. November 1879, Jude, wohnte zuletzt Erbprinzenstraße 20, Ehemann von Setty Michelson, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, dann nach Les Milles deportiert, dort am 7. Dezember 1941 gestorben.

Hertha Gottschalk, geborene Wolff: geboren am 3. August 1900, wohnte zuletzt Scharnhorststraße 11, Ehefrau von Fritz Gottschalk, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, 1942 nach Auschwitz deportiert, dort im selben Jahr ermordet.

Fritz Gottschalk: geboren am 6. Mai 1895 Berlin, Jude, Diplomingenieur, wohnte zuletzt Scharnhorststraße 11, Ehemann von Hertha Gottschalk, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, am 16. September 1942 nach Auschwitz deportiert, dort 1943 ermordet.

Amalie Nachmann, geborene Kahn: geboren am 17. Juli 1892, Jüdin, wohnte zuletzt Bertholdstraße 4, Ehefrau von Ludwig Nachmann, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, dann ins Konzentrationslager Noé und 1942 nach Auschwitz deportiert, für tot erklärt.

Ludwig Nachmann: geboren 1887, Jude, Fabrikant, wohnte zuletzt Bertholdstraße 4, Ehemann von Amalie Nachmann, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, dann ins Konzentrationslager Noé deportiert, dort am 2. März 1942 gestorben.

Hedwig David: geboren am 29. Juli 1893 in Eberbach, Jüdin, Hauptlehrerin, wohnte zuletzt Bertholdstraße 4, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, im August 1942 nach Auschwitz deportiert, für tot erklärt.

Johanna Roth: geboren am 28. Mai 1883, Jüdin, wohnte zuletzt Zähringerallee 41, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, am 10. August 1942 nach Auschwitz deportiert, für tot erklärt.

Eva Katzenstein, geborene Weinberg: geboren 2. Dezember 1884 in Werther, Jüdin, wohnte zuletzt Kronprinzenstraße 30, Mutter von Marianne Katzenstein, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, am 2. September 1942 nach Auschwitz deportiert, verschollen.

Marianne Katzenstein: geboren am 30. Juni 1912 in Schwetzingen, Jüdin, Angestellte, wohnte zuletzt Kronprinzenstraße 30, Tochter von Eva Katzenstein, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, am 2. September 1942 nach Auschwitz deportiert, verschollen.

Leopold Geller: geboren am 4. April 1884 in Maidan (Polen), Jude, Tabakwarenhändler, wohnte zuletzt Luisenstraße 62, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, am 12. August 1942 nach Auschwitz deportiert, für tot erklärt.

Arnold Ginsberger: geboren am 22. Dezember 1870 in Frankfurt am Main, Jude, Fabrikant, wohnte zuletzt Osterfeldstraße 33, am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, dort 1942 gestorben.

Hedwig David, geboren am 29. Juli 1893 in Eberbach, Jüdin, Hauptlehrerin, wohnte Bertholdstraße 4, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, im August 1942 nach Auschwitz deportiert, für tot erklärt.

Louis Daube: geboren am 27. April 1873, Jude, wohnte zuletzt, Jahnstraße 33, am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, dort gestorben.

Klara Frank: geboren am 18. Dezember 1885, Jüdin, wohnte zuletztObere Rodstraße 8, Ehefrau vonIsaak Frank, am 22. Oktober 1940 nach Gurs, am 10. August 1942
nach Auschwitz deportiert, verschollen.

Rudolf Seefeld: geboren am 19. Oktober 1907, Jude, Tuchhändler, wohnte zuletzt Pflügerstraße 36, am22. Oktober 1940 nach Gurs, dann am 26. August 1942 nach Auschwitz deportiert, für tot erklärt.

www.stolpersteine.com