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Über Afrika im Gespräch: PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer (links) und Robert Eikmeyer, Lehrbeauftragter für Kunst- und Designtheorie. Foto: Fux
Über Afrika im Gespräch: PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer (links) und Robert Eikmeyer, Lehrbeauftragter für Kunst- und Designtheorie. Foto: Fux
16.07.2017

Albert Esslinger-Kiefer im Rahmen der Designwoche im Gespräch über Afrika

Pforzheim. PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer ist ein großer Freund Afrikas. Im Gespräch mit dem Lehrbeauftragten für Kunst- und Designtheorie, Robert Eikmeyer, plauderte er im Rahmen der Designwoche zum Thema „Luxus?!“ an der Fakultät für Gestaltung über den Kontinent, der beiden am Herzen liegt.

Seine erste Reise auf den afrikanischen Kontinent führte Esslinger-Kiefer im Jahr 1963 nach Lambarene ins Urwaldhospital zu Albert Schweitzer. Der Friedensnobelpreisträger sei „eine Geistesgröße und in den 1960er-Jahren so bekannt wie Winnetou und das Sandmännchen gewesen“, betonte Eikmeyer, der gerade ein Projekt zwischen der Hochschule und Togo leitet. „Er war ein sehr geistreicher, gebildeter Mensch, aber auch ein herzhafter Elsässer, dem mitunter auch ein Fluch über die Lippen kam, aber ebenso ein Mensch mit großer Ehrfurcht vor dem Leben.“ Als Esslinger-Kiefer ein Rattenloch in der Hospitalküche zugipste, bekam er von Schweitzer zu hören: „Mach’ das Loch wieder auf, auch Ratten haben ein gottgewolltes Recht auf Leben“.

Ausgerüstet mit einem persönlichen Dankschreiben für die geleistete Arbeit und 700 Mark Lohn machte sich der damals 21jährige ein Jahr später auf die Rückreise durch Westafrika und die Sahara. Radio Togo sendete die Meldung: „Ein junger Weißer ist im Land unterwegs, man möge ihm anständig begegnen.“

Zeiten, die längst vorbei sind. Denn korrupte Hierarchien und Patronagewirtschaft zögen sich heute durch politische und wirtschaftliche Strukturen und überall mangle es an sozialer Kompetenz, so Esslinger-Kiefer. Für junge, in aller Regel gut ausgebildete Menschen fänden sich nur geringe Möglichkeiten für eine hoffnungsvolle Lebensgestaltung. Überall in Afrika fehlen Arbeitsplätze. Kein Wunder, wenn sich junge Leute auf den Weg nach Europa machen - immer auf der Suche nach einem besseren Leben. .

Seit seinem ersten Aufenthalt ist der Verleger dem Kontinent verbunden, ist Sammler afrikanischer Kunst und kennt sich mit den wirtschaftlichen, politischen und sozialen Strukturen, mit Land, Leuten und Kultur aus. „Afrikanische Künstler sind in gewisser Weise Hoffnungsträger, treiben sie doch durch ihr unerschrockenes Auftreten die Staatsmacht vor sich her und erzielen durch ihr großes Netzwerk eine kosmopolitische Wirkung“, betont Albert Esslinger-Kiefer.