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Oberbürgermeister Gert Hager gratuliert Bayram Oezdemir, Vorsteher der Alevitischen Gemeinde Pforzheim, zum 25-jährigen Bestehen, daneben Hueseyin Mat, Bundesvorsitzender der Alevitischen Gemeinde Deutschland, und Sueleyman Davulcu, Vorstandsmitglied der Alevitischen Gemeinde Pforzheim (von links).  Foto: Tilo Keller 

Aleviten feiern bis in die Nacht das 25-Jährige ihrer Gemeinde

Dass dies kein alltägliches Ereignis war, zeigt, dass der türkische Sender Yol-TV sogar eine Live-Übertragung von den Festlichkeiten der Alevitischen Gemeinde Pforzheim zu ihrem 25-jährigen Bestehen gesendet hat. Gemeindevorsteher Bayram Özdemir eröffnete den Abend mit über 600 Gästen. Er freute sich, dass die Glaubensgemeinschaft mit Hilfe der Stadt Pforzheim im Jahr 2009 eigene Räumlichkeiten gefunden hat.

Ursprünglich hatte sich die Gemeinde 1991 als Kulturverein gegründet. Man traf sich einmal in der Woche im Gemeindehaus am Schloßberg. Im Lauf der Jahre folgten verschiedene Standorte, bis die Glaubensgemeinschaft vor sieben Jahren aus eigenen Mitteln die Räumlichkeiten an der Sägewerkstraße erwerben konnte. Heute gehören rund 175 Familien aus Pforzheim und dem Enzkreis der Gemeinde an. Anhand einer Diashow wurde an die Geschichte erinnert. Veysel Sahan und Ayten Akbaba moderierten den Abend überwiegend auf Türkisch.

Gelebte Integration

Zu den Festgästen gehörte auch Oberbürgermeister Gert Hager. „Hätten Sie sich vor 25 Jahren diese Heimat vorstellen können? Wahrscheinlich nicht“, leitete er sein Grußwort ein. „Es war kein leichter Weg, ich habe ihn zumindest teilweise begleitet.“ Er bezeichnete die Alevitische Gemeinde als Bestandteil von Pforzheim, die sich auch am Leben in der Stadt beteilige und die Gesellschaft bereichere. „Bei Ihrer Gemeinde muss man nicht von Integration reden, Sie leben sie“, betonte Hager: „So lernen wir voneinander, so leben wir miteinander.“ Ein weiterer Gratulant war Udo Kaupisch, der Vorsitzende der Deutsch-Türkischen Vereinigung in Pforzheim.

Eine flammende Rede in türkische Sprache hielt Hüseyin Mat, der Bundesvorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschland. Er lobte die Pforzheimer Gemeinschaft dafür, dass sie vor 25 Jahren einen Samen gesät habe, und bezeichnete die Gemeinde als vorbildlich. In seiner Rede übte er auch Kritik am türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Nach dem offiziellen Teil mit Fernsehübertragung ging es mit viel Musik weiter. Für den musikalischen Rahmen sorgten die Musiker von „Grup Mizrap 81“ aus Rheinland-Pfalz. Weitere Sänger, die bis spät in den Abend überwiegend Alevitische Lieder präsentierten, waren eigens aus der Türkei angereist.