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Gondeln statt Busse vom Hauptbahnhof zur Hochschule (in Stoßzeiten alle 45 Sekunden eine 35er-Kabine) – technisch machbar wäre das, so das Ergebnis einer studentischen Untersuchung./Montage: PZ
Gondeln statt Busse vom Hauptbahnhof zur Hochschule (in Stoßzeiten alle 45 Sekunden eine 35er-Kabine) – technisch machbar wäre das, so das Ergebnis einer studentischen Untersuchung./Montage: PZ
05.03.2017

Alles in der Schwebe: Hochschul-Studenten können sich Seilbahn vom Bahnhof aus vorstellen

Prinzipielle Bedenkenträger können an dieser Stelle aufhören, weiterzulesen – der Inhalt des Artikels könnte sie um den Schlaf bringen. Es handelt sich um eine durchaus ernst gemeinte Vision. Technisch machbar, aber politisch auch gewollt? Kein Drauflege-Geschäft für einen Investor – aber auch keine finanzielle Überforderung für die Kunden?

Umfrage

Pforzheimer Studenten können sich eine Seilbahn vom Bahnhof aus in Richtung Hochschule vorstellen. Wäre dieses Projekt sinnvoll?

Ja, das ist eine super Idee 51%
Nein, das ist völlig utopisch 46%
Weiß nicht 3%
Stimmen gesamt 2514

Warum nicht eine Seilbahn, beispielsweise vom Hauptbahnhof quer über die halbe Stadt hinauf zu Hochschule, Ludwig-Erhard-Schule und Wildpark, eingebettet in das Gesamtangebot des öffentlichen Personennahverkehrs in Pforzheim? Diese Aufgabe, studiengangs- und fakultätsübergreifend, stellten die Professoren Jörg Woidasky (Fakultät für Technik/Wirtschaftsingenieurwesen und nachhaltige Produktentwicklung) und Claus Lang-Koetz (Fakultät für Wirtschaft und Recht/Nachhaltiges Technologie- und Innovationsmanagement) sechs Bachelor-Studenten. Thema: Wie kann man die Parkraum-Situation für Studierende, Mitarbeiter und Lehrende verbessern? Was in klassischen Universitätsstädten wie Heidelberg, Tübingen oder Freiburg die Wohnraumnot, ist in Pforzheim mit seinem immer noch hohen studentischen Pendleranteil die Parkplatznot und immer wieder Thema, wenn es darum geht, was den Studierenden auf den Nägeln brennt. Ende des Monats werden sie Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler ihre Arbeit nach zwei Monaten intensiven Recherchierens, Rechnens und Schlussfolgerns vorstellen.

Zu Spitzenzeiten überlastet

Neben der Entwicklung einer Mitfahr-App, einem Ausbau der Park-und-Ride-Möglichkeiten und entzerrten Anfangsterminen von Hochschule und Ludwig-Erhard-Schule (zu Spitzenzeiten ist der Bus der Linie 5 total überlastet) ist die Seilbahn die wohl spektakulärste Option. 17 Millionen Euro – vorsichtig geschätzt – würden die Investitionen betragen (also zwei Stationen, Stützen, Seile, Kabinen für bis zu 35 Personen, Personalkosten) plus Geld für Planung und gegebenenfalls Entschädigung für Anwohner, über deren Köpfe hinweg der luftige „Studi“- und Schüler-Express. Angesichts der häufigen Überschreitung der ursprünglich angesetzten Kosten für Bauvorhaben geht Woidasky von der doppelten Summe aus und mit zusätzlich zwei Millionen Euro Betriebskosten pro Jahr. Angesichts klammer kommunaler Kassen müsste dies ein Investor stemmen – doch die politische Entscheidung müsste der Gemeinderat treffen.

Dass dies gar nicht so utopisch ist, wie es auf den ersten Anschein aussieht, zeigt die realistische Herangehensweise des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT): Die Elite-Uni untersucht in drei Regionen die Realisierung eines Seilbahnprojekts – unter anderem zwischen Konstanz, der Insel Mainau und der Schweiz sowie für Stuttgart.

„Wir haben keine ,Show-Stopper’ gefunden“, sagt Woidasky im Gespräch mit der PZ – nichts, das die Vision von vorne herein zum Scheitern verurteilen würde. Also kein Hirngespinst, sondern eine Vision – wie sie übrigens der damalige Erste Bürgermeister Siegbert Frank Mitte der 1980er-Jahre schon einmal hatte.

Mehr lesen Sie am Montag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

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