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Kurze Pause in der israelischen Wüste. Die von Pforzheim aus gestarteten und für die "Pforzheimer Zeitung" werbenden Goldstadt-Mercedes haben ihr Ziel erreicht. Während die sechs Rallyefahrer der drei E320 wohlbehalten in Jordanien angekommen sind, haben die Mercedes das Ziel nur in Einzelteilen erreicht - quasi als rollendes Ersatzteillager für eine wohltätige Einrichtung. © Privat
21.05.2013

Allgäu-Orient: 6000 Kilometer bis zum Schrotthandel

Alte Autos kaufen, teuer herrichten, dann drei Wochen lang über miese Pisten brettern, abends im Schlafsack jedes einzelne Schlagloch noch einmal spüren, seltsame Aufgaben erledigen. Täglich unterm Auto liegen und mit ölverschmierten Fingern zurückkrabbeln und zum Schluss die Karre in Einzelteile zerlegen lassen und verschenken.

Das soll Spaß machen? Es muss wohl, denn für die sechs Fahrer der drei Goldstadt-Mercedes E320 mit „Pforzheimer Zeitung“-Schriftzug war dieser automobile Stress im Rahmen der 9. Rallye Allgäu-Orient ein großes Abenteuer.

Bildergalerie: Rallye Allgäu-Orient: Durch die Türkei und Israel

Als „Team 44 – not for sale“ von Pforzheim aus mit drei goldfarbenen Mercedes-Kombis gestartet, ist das Sextett mit seinen drei alten Schüsseln – jedes Auto war rund 20 Jahre alt, mehrfach und oft behelfsmäßig geflickt - nach rund drei Wochen und rund 6000 Kilometern inzwischen in Jordanien angekommen. Das geht auch schneller und komfortabler, aber dann wäre es für die sechs Benefizrallye-Fahrer kein Spaß mehr gewesen.

Bildergalerie: Rallye Allgäu-Orient: Pforzheimer Gold-Mercedes in der Türkei

Auf ihrer Facebook-Seite haben Eugen Schindler, Clemens Kleiser, Oliver Helms, Andreas Preisler, Henry Hoffmann und Markus Bähr immer wieder Bilder gepostet, die zeigen, wie die Rallyepiloten zwischen faszinierenden Landschaften und Schlamm- und Schotterpisten ihren Weg suchen müssen. Autobahnen sind bei der Rallye Allgäu-Orient nämlich tabu. Geschlafen wird auch nicht im Grand Hotel, sondern im Kofferraum oder im Freien. Die Teilnehmer dürfen nämlich nicht mehr als 11,11 Euro pro Übernachtungsgelegenheit ausgeben.

Bildergalerie: Pforzheimer PZ-Gold-Mercedes auf dem Weg nach Istanbul

Schon auf der Hinfahrt in die Türkei gab es ständig Pannen – und ebenso ständig offenherzige Menschen, die mal fachkundig, mal mit Improvisationstalent geholfen haben. Selbst der Schriftzug der „Pforzheimer Zeitung“ hatte Menschen zum Staunen, Hupen und Nachfragen animiert, wie E-Mails belegen, die bei PZ-news einliefen. Goldstadt und goldene Mercedes – das war auch im fernen Nirgendwo ein Begriff.

Bildergalerie: Allgäu-Orient-Rallye: Mit alten Schlitten Von Pforzheim nach Jordanien

Um durch Bäche und über matschige Pisten fahren zu dürfen, mussten die Teilnehmer kuriose und auch karitative Aufgaben erfüllen. Ein Bäumchen pflanzen, PZ-Kugelschreiber in einer türkischen Schule verschenken oder ein Musikinstrument spielen und „Bruder Jakob“ dazu singen. Letzteres animierte im türkischen Ordu sogar das Publikum zum Mitklatschen. Die Instrumente blieben übrigens in der Türkei und gehören nun einer Jugendmusikschule. Stichwort Musik: In Bogozkale, einst Hauptstadt der Hethiter, heute eher ein Nest, rückte die Dorfjugend im Fahrerlager an und beschallte das Gelände mit deutsche Wiesenhits. Party irgendwo im türkischen Hinterland.

„Aufgerissene Ölwannen, ausgeschlagene Stoßdämpfer, Reifen- und Bremsausfälle sowie sich durch den feinen Staub auflösende Radlager waren ein paar der Probleme, welche wir so mitbekamen“, schreibt Kleiser im Facebook-Tagebuch. Bei den drei Pforzheim-Mercedes jedoch hielten sich die Blessuren in Grenzen. Nur einmal mussten alle drei Autos auf ein paar Radschrauben verzichten, um bei einem Mercedes ein Reserverad anschrauben zu können. Was hierzulande wohl keine Werkstatt erlaubt hätte, funktionierte dann aber doch.

Und im anatolischen Hinterland musste sich auch niemand verfahren, denn „an allen wichtigen Abzweigungen standen freundliche Polizisten mit MPs und wiesen winkend den Weg“, so Kleiser. So richtig trauten die Sechs vom Team 44 dem Braten dann aber doch nicht, als es um einen kleinen Auffahrunfall ging. Da zogen sie es vor, auf die Begleichung ihres Schadens zu verzichten, um die Polizei mit zwei anderen und sich heftig streitenden Autofahrern alleine zu lassen. Dass die Pforzheimer dann zur Rallye-Gerüchteküche beigetragen haben, amüsierte die Mercedes-Piloten.

Wenig amüsant waren die Nachrichten aus Israel. Der Krieg beim syrischen Nachbarn sorgt für Unruhe, aber durch Israel muss die Rallye durch, denn die Autos sollen zerlegt nach Jordanien gelangen, um dort als Ersatzteillager einer wohltätigen Einrichtung zu Einnahmen verhelfen. Doch vor der Israeltour heißt es warten und Däumchen drehen. Die Fähre kommt nicht. Von Zypern aus soll es nach Haifa gehen. Und als es dann so weit ist, muss man Abschied nehmen von den Luxusvorstellungen einer Kreuzfahrt.

Kaum in Haifa angekommen, mussten die drei Mercedes „im Tiefflug“ durch Israel zur 450 Kilometer entfernten jordanischen Grenze bei Eilat düsen. Trotzdem blieben noch Blicke übrig für die aufregende Wüstenlandschaft. Und am Ende des Abenteuers wartet dann der Pool im „Mövenpick“ im sonnigen Aqaba.