nach oben
Erfreut sich an den restaurierten Wandmalereien: Martina-Walter, die Pfarrerin an der Altstadtkirche. Frommer
Erfreut sich an den restaurierten Wandmalereien: Martina-Walter, die Pfarrerin an der Altstadtkirche. Frommer
Festprediger Gerhard Vicktor
Festprediger Gerhard Vicktor
16.05.2016

Altstadtkirche lässt Besucher staunen

Pfingsten sieht die christliche Tradition als Gründungsdatum der Kirche. Somit drängte sich dieser Termin für einen Festgottesdienst anlässlich der abgeschlossenen Renovierung der Altstadtkirche St. Martin geradezu auf. Die jetzt in frischem Glanz erstrahlenden Seccomalereien an den Chorwänden der ältesten Kirche Pforzheims sind ein neu belebter Schatz christlicher Kultur.

„Wir freuen uns an der hellen, frisch renovierten und neu beleuchteten Kirche“, unterstrich Pfarrerin Martina Walter gleich zu Beginn des von klassischer Violinen- und Klaviermusik der Geschwister Carolin und Linda Grizfeld festlich umrahmten Gottesdiensts. Kunsthistoriker Olaf Schulze erläuterte kenntnisreich die Details der figürlichen Darstellungen der restaurierten Wandgemälde, bevor Gerhard Vicktor, Oberkirchenrat in Ruhe, in einer beeindruckend kraftvollen Predigt den Bezug zwischen der Wandmalerei in der Altstadtkirche, dem Pfingstfest und dem Hier und Jetzt eindringlich verdeutlichte.

Mit „ungläubigem Staunen“, so Gerhard Vicktor, habe der deutsch-iranische Autor Navid Kermani, der Ende des Vorjahrs den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhielt, auf die bildhaften Darstellungen in der christlichen Kirche reagiert. In Anspielung auf die Seccomalereien fügte Vicktor hinzu: „Jetzt können sie wieder neu staunen. Vielleicht auch ungläubig. Das ist nicht verboten!“

Sprache der Herzen als Mittler

Pfingsten bezeichnete er als „Initialzündung“ sowohl des Christentums als auch der Nächstenliebe. „Multikulti-Züge begegnen uns“, betonte er mit Blick auf die Apostelgeschichte und unterstrich: Pfingsten ergebe „keine Einheitssprache für unseren Glauben, alle bleiben, was sie waren, ein vielfältiger bunter Haufen, wahrscheinlich wie in der Altstadtgemeinde“.

Noch deutlicher wurde Gerhard Vicktor, der in den 1980er-Jahren selbst Pfarrer an der Altstadtkirche war, mit Blick auf die aktuellen und künftigen Herausforderungen bei der Integration von Kriegsflüchtlingen: „Viele verstehen die einfachsten Redewendungen nicht. Einer gibt auf. Und gerät an einen Landwirt. Ab da gilt: Eine Kartoffel bleibt eine Kartoffel, ein Handgriff ein Handgriff.“ Sein Humor verfängt. Er fährt fort: „Und plötzlich klappt alles, dank der Sprache des Herzens!“