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Ingeborg Hennig (links) und Gabi Oestreicher nehmen im Osterfeld die Herausforderung, Shakespeare zu sielen, mit Bravour an.  Frommer
Ingeborg Hennig (links) und Gabi Oestreicher nehmen im Osterfeld die Herausforderung, Shakespeare zu sielen, mit Bravour an. Frommer
31.01.2016

Amateurtheater-Mimen nehmen „Maß für Maß“

Shakespeare aufzuführen, weiß Produktionsleiter Frank Willmann, bedeute für jeden Schauspieler zwangsläufig, „sehr viel Text bewältigen zu müssen”. Und gerade „Maß für Maß“ ist immer eine Kostprobe der facettenreichen Stilvielfalt der Shakespearschen Sprache: Die Palette reicht vom Gossen-Jargon bis zur gezierten Hofsprache.

Sprachwissenschaftler wie Manfred Scheler haben in den Werken des 1616 verstorbenen Autors nachgezählt – und beziffern den darin enthaltenen Sprachschatz mit mindestens 17 750 verschiedenen Wörtern.

Das um zwei Schauspielerinnen (Gabi Oestreicher als Lucio und Noemi Becker als Mariana) aus Rastatt-Ötigheim verstärkte ATV-Ensemble bewältigt die sprachliche „Herausforderung Shakespeare“ bei der Osterfeld-Premiere mit Bravour. Reinhard Kölmel, der langjährige ATV-Vorsitzenden, lobt im PZ-Gespräch insbesondere die Monologe des von Rainer Ewen gespielten Herzogs Vincentino – und die krankheitsbedingt und entsprechend kurzfristig „ohne Abfall der Qualität“ in die Rolle der „Marianna“ eingesprungene Melanie Kalchert. In Shakespeares Problemstück „Maß für Maß“ tritt der Herzog Wiens zum Schein zurück und beobachtet, als Mönch verkleidet, wie der von ihm eingesetzte Nachfolger Angelo (Stephan Krumm) von der Macht korrumpiert wird und die Rechte anderer mit Füßen tritt. Herzog Vincentino schmiedet im Verborgenen Intrigen gegen seinen Nachfolger und hebt, wieder im Amt, das ungerechte Todesurteil gegen Claudio (Sascha Dessin) auf, beansprucht aber dessen Schwester Isabella (Noemi Becker) für sich. Eine leichtverdauliche Komödie ist dieser Klassiker sicher nicht. Doch: „Shakespeare hat den enormen Vorteil, dass in jedem Stück ein paar Narren oder Clowns dabei sind“, sagt Gabi Oestreicher, die brillante Darstellerin des eloquenten Lucio. Den anderen Narren, treffender gesagt den anderen Ganoven Pompeius gibt Regina Haase mit ähnlichem Engagement und Biss.

In den weiteren Rollen gefallen Ingeborg Hennig (als Wächter), Joschka Kientsch (Escalus), Julia Krall (Julia), Samuel Schugg (Ellbogen), Elke Straehler-Pohl (Madame Overdone) und Werner Wischnowski (Bernardino).

Weitere Informationen:

www.kulturhaus-osterfeld.de