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Pflegerin Meggie (Maren Leicht) stülpt Frau Tormann (Elke Straehler-Pohl) am Todestag eine Perücke über. Foto: Frommer
Pflegerin Meggie (Maren Leicht) stülpt Frau Tormann (Elke Straehler-Pohl) am Todestag eine Perücke über. Foto: Frommer
15.11.2015

Amateurtheaterverein inszeniert „King Kongs Töchter“ im Kulturhaus Osterfeld

Von wegen Karbolmäuschen! Die drei Altenpflegerinnen Berta, Carla und Meggie – gespielt von Lea Riewe, Melanie Karcher und Maren Leicht – gebärden sich in „King Kongs Töchter“ nicht als monströse Herrinnen über Leben und Tod. Der erdrückenden Routine des Klinikalltags begegnen sie mit kindlich-naiven Sehnsuchtsprojektionen, mit zotiger Sprache und hemmungsloser Gier nach hastigem Sex. Dem stinknormalen Ableben der senilen Pflegeheiminsassen stellt das Killer-Trio im weißen Kittel eine auf hübsch geschminkte Glamour-Inszenierung des Todes entgegen.

Ihre Patienten sollen wenigstens auf dem Sterbebett wie Filmstars wirken. „Der Tod ist ein Termin“, lautet ihre Devise und sich selbst sehen sie als Disponentinnen des Todes, pardon, als „Chef-Disponentinnen“ des Todes. Oder, wie es Lea Riewe als „Carla“ ausdrückt: „Immer wenn jemand stirbt, fühle ich mich danach eine halbe Woche unsterblich.“ Und dieser Kick will bedient sein. Mit Theresia Walsers wüster Altenheimgroteske in der Inszenierung von Susanne Lehmann wagt der Amateurtheaterverein Pforzheim den Blick in eine vom Rest der Gesellschaft oft und allzu gerne „ausgeblendete“ Lebensrealität. Welche Leistung, wie viel gelebte Humanität Pflegekräfte in Palliativkliniken und geriatrischen Heimen täglich aufbringen, kommt jedem Zuschauer wohl in den Sinn, wird in der Tragikomödie „King Kongs Töchter“ aber weder moralinsauer, noch mit dauererhobenem Zeigefinger aufgetischt. Im Gegenteil, Susanne Lehmann inszeniert das 1998 entstandene Schauspiel um sechs starrsinnige Alte und drei junge „Senioren-Dompteusen“ nah an der Vorlage und damit als schrillen Horror-Mix aus Situationskomik und Totentanz.

Die lebenssatten, teils debilen Insassen des Pflegeheims – einfallsreich gespielt von Petra Gstettenbauer, Regine Hahn, Elke Straehler-Pohl, Gunnar Gstettenbauer, Stephan Krumm, Peter Stickel und Werner Wischnowski – treiben das Personal mit geistigen und körperlichen Aussetzern sowie bewusst kalkulierter Boshaftigkeit in die Weißglut. Und irgendwie verstärkt sich mit zunehmender Dauer des Stücks beim Beobachter der Eindruck einer seltsamen Ergebenheit, vielleicht sogar einer heimlichen Komplizenschaft in Bezug auf die Auswahl des nächsten Opfers aus ihren Reihen: Wer dran glauben muss, wird von den drei gekonnt auf der Bühne Salsa tanzenden Giftmischerinnen jeweils per „Glücksbrief“ angekündigt. „King Kongs Töchter“ hält keine einfachen Lösungen bereit – weder für die Jungen noch die Alten.

Weitere Vorstellungen am 20. November, 19 Uhr, 22. November, 16 Uhr, 27. November, 20 Uhr, 11. Dezember, 20 Uhr, 12. Dezember, 20 Uhr, 12. und 13. Februar, jeweils um 20 Uhr.