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Amazon in Pforzheim

Linken-Politiker Klaus Ernst war bei den Streikenden in Pforzheim zu Gast. Foto: Walter
21.09.2015

Amazon Pforzheim: Streik geht auch am Dienstag weiter

Nicht nur zwei Zäune und eine Straße trennten die Amazon-Mitarbeiter in Pforzheim gestern voneinander – sondern auch ihre Meinung: „Kommt rein“, schrien die, die sich gegen einen Streik entschieden hatten, gen Eingangstor. Dort standen rund 40 Arbeitskräfte und riefen zurück: „Kommt ihr raus“. Und vereinzelt auch: „Feiglinge.“

Der Kampf um eine Bezahlung nach dem Tarifvertrag für den Versandhandel hat somit erstmals Pforzheim erreicht. Gestreikt wird – zum Teil bis Freitag – auch in Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne und Graben. In Pforzheim entschieden die Mitarbeiter im Ausstand am Montagnachmittag, ihren Arbeitskampf am Dienstag fortzusetzen.

„Es ist ein Skandal, dass dieser Laden mit dieser Marktmacht beim Tarifvertrag nicht mitmacht. Deshalb muss man ihn dazu zwingen“, sagte Linken-Politiker Klaus Ernst während der Protestveranstaltung. Auch der SPD-Kreisvorsitzender Frederic Striegler und Bernhard Franke, Leiter des Handel-Bereichs bei Verdi Baden-Württemberg, sprachen sich gegen Lohndumping beim Internetriesen aus. „Die Firma möchte einen Ferrari haben, aber nur einen 15 Jahre alten VW Polo bezahlen“, sagte Striegler. Franke betonte die „strategisch wichtige Position“ Pforzheims. „In den vergangenen Jahren erfüllte der Standort eine Streikbrecher-Funktion.“ Doch obwohl nun erstmals auch hier Mitarbeiter streikten, versprach Sprecherin Anette Nachbar, dass alle Pakete pünktlich ankommen würden.

Verdi hat somit den Druck erhöht, damit die Firma ihre rund 10 000 Beschäftigten nach Tarifen des Einzel- und Versandhandels bezahlt. Das Unternehmen mit Sitz in München sieht sich hingegen als Logistiker und verweist auf eine Bezahlung am oberen Ende des Branchenüblichen. Der Tarifstreit dauert schon mehr als zwei Jahre, die Fronten sind verhärtet.

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