nach oben

Amazon in Pforzheim

Bei Amazon in Pforzheim soll ein Betriebsrat eingerichtet werden. Das Unternehmen stand zuletzt wegen Leiharbeitern in der Kritik. © Ketterl
21.02.2013

Amazon in Pforzheim soll Betriebsrat bekommen

Das Unternehmen Amazon hat zugesagt, das Etablieren eines Betriebsrats am Standort Pforzheim zu unterstützen. „Wir fördern die aktive Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Management“, versicherte Ulrike Stöcker, Sprecherin des Online-Versandhändlers, am Donnerstag auf PZ-Nachfrage.

Bildergalerie: Entrüstung bei Mitarbeitern von Amazon Pforzheim

Wie Rechtsanwalt Christoph Quittnat aus Mühlacker mitteilte, steht die Gründung eines solchen Mitarbeiter-Gremiums unmittelbar bevor. Am Dienstag habe es bei Amazon in Pforzheim eine Betriebsversammlung gegeben, in der ein Wahlvorstand gebildet wurde. Dieser werde nun „so schnell wie möglich“ die Wahlen zur Bildung eines Betriebsrats einleiten. „Darauf sind wir stolz“, sagt Quittnat, der als Sprecher des Wahlvorstands fungiert, mit Blick auf die rasche Installierung eines solchen Gremiums. Schließlich habe Amazon in Pforzheim erst im vergangenen Sommer den Betrieb aufgenommen. Quittnats Kanzlei wird den Wahlvorstand arbeitsrechtlich vertreten.

Die Initiative zu diesem Schritt sei von dem hiesigen Mitarbeiterforum des Unternehmens ausgegangen. Die Vorbereitungen seien von der Geschäftsleitung unterstützt worden, die Wahlen „überaus fair und reibungslos“ abgelaufen. Amazon habe die notwendigen Mitarbeiter sofort freigestellt, alle sachlichen und finanziellen Mittel gewährt und bereits in diesem Stadium des Verfahrens ein Büro und eigene Telefonanschlüsse zur Verfügung gestellt. Dies sei keinesfalls üblich.

„Wenn unsere Mitarbeiter die Etablierung eines Betriebsrats möchten, fördern wir dies ebenso wie jedes andere Gremium, das eine kontinuierliche Kommunikation gewährleistet“, sagt die Amazon-Sprecherin. An allen Standorten, an denen kein Betriebsrat tätig sei, gebe es Mitarbeiterforen.

Diese Foren seien Gremien „von Arbeitgebers Gnaden“, sagt ver.di-Sekretärin Mechthild Middeke aus Bad Hersfeld. Dort, aber auch an den Amazon-Standorten Leipzig und Graben, gibt es bereits Betriebsräte. Ein Betriebsrat verfüge über rechtlich festgelegte Kompetenzen. In Bad Hersfeld habe sich das Gremium, das seit gut zehn Jahren existiere, inzwischen etabliert. Middeke spricht von einem „Verhältnis gegenseitiger Akzeptanz“ zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, auch wenn es durchaus Meinungsverschiedenheiten gebe.

Kritik ebbt nicht ab

Middeke gibt zu bedenken, dass in einen Betriebsrat auch Führungskräfte gewählt werden könnten. Der Arbeitgeber könne zumindest „anregen“, das Gremium mit Menschen zu besetzen, die „nicht unbedingt die konsequentesten Interessenvertreter“ der Belegschaft seien. Deshalb sei es wichtig, dass es gewerkschaftliche Vertrauensleute gebe – als „notwendiges Korrektiv“ .

Die Arbeitsbedingungen bei Amazon und der Umgang mit dem Personal steht immer wieder in der Kritik. In Pforzheim waren zum Jahreswechsel unerwartet viele Verträge nicht verlängert worden. Nach einer ARD-Reportage hatte sich das Unternehmen von einem Sicherheitsdienst getrennt, der in Logistikzentren Leiharbeiter schikaniert haben soll. Auch die Zusammenarbeit mit einer Firma, die für Unterbringung und Transport von Beschäftigten verantwortlich war, wurde beendet. Die Gewerkschaft ver.di wirft Amazon schon seit längerem vor, Mitarbeiter schlecht zu bezahlen und etwa mit rigiden Kontrollen zu gängeln.

Leserkommentare (0)