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15 Stunden lang war die Feuerwehr mit einem Ammoniak-Einsatz in der Pforzheimer St.-Maur-Halle beschäftigt. Die Eissporthalle wird wohl in den nächsten drei Wochen gesperrt bleiben. © Meyer
23.11.2012

Ammoniak-Austritt macht St.-Maur-Eissporthalle eisfrei

Der seit Donnerstagabend um 22:16 Uhr laufende Einsatz im Pforzheimer Eissportzentrum in der St.-Maur-Halle ist seit 13.15 Uhr für die Feuerwehr beendet. Der Austritt von Ammoniak aus der defekten Kühlanlage konnte gegen 4:30 Uhr von der Feuerwehr Pforzheim gestoppt werden. Die zum Niederschlagen der Dämpfe verwendeten mehrere Tausend Liter Wasser wurden vollständig aufgefangen und vom Eigenbetrieb Stadtentwässerung Pforzheim (ESP) entsorgt.

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Die Ausbreitung ins Freie konnte durch die Maßnahmen der Feuerwehr soweit kontrolliert werden, dass außerhalb der St.-Maur-Halle keine gefährlichen Konzentrationen erreicht wurden. Ein Wassernetz mit Sprühnebel rund um das Gebäude ließ alle Messwerte im Freien unterhalb des Arbeitsplatzgrenzwertes sinken, so dass der Feuerwehrkommandant Volker Velten für die benachbarten Betriebe und Geschäfte Entwarnung geben konnte. Das neben der Eislaufhalle liegende Einkaufszentrum konnte um 9 Uhr geöffnet werden.

Im Untergeschoss der Eissporthalle mussten alle Einsatzkräfte mit gasdichten Chemikalienschutzanzügen ausgerüstet werden. Als sich abzeichnete, dass der Einsatz bis zum nächsten Morgen dauern würde, wurden von den Feuerwehren Birkenfeld und Keltern weitere Schutzanzüge angefordert. Außerdem unterstützten die Feuerwehren Illingen und Mühlacker die Einsatzmaßnahmen mit einem zweiten Gerätewagen Messtechnik und einem besonders leistungsfähigen Großlüfter.

Die Pforzheimer Feuerwehr war mit den Abteilungen Berufsfeuerwehr, Brötzingen-Weststadt, Dillweißenstein und Eutingen mit 68 Einsatzkräften und 21 Fahrzeugen vor Ort, darunter auch Spezialfahrzeuge für Mess- und Dekontaminationsaufgaben. Die Feuerwehrleitstelle wurde mit zusätzlichen Kräften verstärkt, dienstfreie Beamte der Berufsfeuerwehr und Kräfte der freiwilligen Feuerwehr sicherten den Grundschutz in der Stadt Pforzheim. Polizeibeamte hatten das Gelände abgesichert. Rettungskräfte von Arbeiter-Samariterbund und Deutschem Roten-Kreuz waren ebenfalls vor Ort.

Nach Einschätzung der Kälteanlagentechniker sind defekte Dichtungen ursächlich für den Ammoniakaustritt. Die Instandsetzung der mit 3,5 Tonnen Ammoniak gefüllten Anlage wird vermutlich zwei bis drei Wochen dauern. Die PKM Pforzheim Kongress- und Marketing GmbH hat deshalb alle Termine für die drei nächsten Wochen in der 1800 Quadratmeter großen St.-Maur-Halle abgesagt. Eislaufen, Eisdisco, Eishockey oder die jeden Donnerstag stattfindende Eissport-Schüler-AG der Nordstadtschule – nichts geht mehr bis Mitte Dezember.

Deshalb stehen die Pforzheimer Eishockeyspieler der Blue Gold Stars des 1. CfR Pforzheim vor großen Problemen. Am Sonntag hätte in der Halle beim Enzauenpark das Heimspiel gegen den ESC Hügelsheim 09 stattfinden sollen. Nun wird das Spiel nach Bietigheim verlegt, wie Martin Hämmerle von den Blue Gold Stars erklärte. Anpfiff ist dort 18.30 Uhr. Hämmerle hofft, das nächste Heimspiel am 9. Dezember wieder in der St.-Maur-Halle austragen zu können.

Noch müsse man aber mit der Stadtverwaltung verhandeln, denn die Eishalle in Bietigheim könne man ja nicht gratis buchen. Und das mit den Extrakosten für den Verein wird noch weitergehen. Durch den mehrwöchigen Ausfall der Eisfläche werden nämlich das Training und die Heimspiele wohl in einer anderen Halle stattfinden müssen. Dafür müssen Termine gesucht werden - und am besten gleich auch noch ein Sponsor, der diese Extrakosten für die Blue Gold Stars des 1. CfR Pforzheim auffängt.

Mit dem Kühlmittel Ammoniak gibt es immer wieder Unfälle. Erst Ende September war die Stuttgarter Eishalle deshalb kurz geschlossen worden. Das stechend riechende Gas kann Atemwege reizen und in höheren Konzentrationen zu Erstickung, Verätzung und Lungenödemen führen.

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