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Noch blicken Passanten und Fahrer an der Berliner Straße durch diese unansehnliche Brache auf die Arbeitsagentur. Foto: Meyer
Noch blicken Passanten und Fahrer an der Berliner Straße durch diese unansehnliche Brache auf die Arbeitsagentur. Foto: Meyer
An der Berliner Straße schließt sich eine Lücke – durch diesen Bau für gefördertes Wohnen. Visualisierung: Stadtbau
An der Berliner Straße schließt sich eine Lücke – durch diesen Bau für gefördertes Wohnen. Visualisierung: Stadtbau
Die Bebauung an der Postwiesenstraße schreitet voran. Im gerodeten Feld an der Vogesenallee entstehen vier Mietshäuser. Foto: Meyer
Die Bebauung an der Postwiesenstraße schreitet voran. Im gerodeten Feld an der Vogesenallee entstehen vier Mietshäuser. Foto: Meyer
Im nächsten Schritt sollen auch auf der länglichen Grünfläche an der Rembrandstraße mehrere Wohngebäude entstehen. Foto: Meyer
Im nächsten Schritt sollen auch auf der länglichen Grünfläche an der Rembrandstraße mehrere Wohngebäude entstehen. Foto: Meyer
03.01.2019

An diesen drei Standorten nimmt in Pforzheim der Wohnungsbau Fahrt auf

Pforzheim. Dringend wird auch in Pforzheim neuer Wohnraum benötigt. Umso erfreulicher ist gleich zum Jahresbeginn die Nachricht, dass mehrere Großprojekte kurz vor dem Start stehen.

Im Rodgebiet an der Postwiesenstraße arbeiten die Gesellschaften Pforzheimer Bau und Grund sowie Familienheim Hand in Hand, um Dutzende gehobene Mietwohnungen zu schaffen. Geförderten Wohnungsbau geht die Stadtbau an der Berliner Straße an. Bis sich die unansehnliche Brache in Wohnraum verwandelt, müssen Autofahrer an dieser ohnehin heftig pulsierenden Verkehrsader vorübergehend mit einem Engpass leben.

23 Wohnungen mit rückwärtigen Balkonen

Wie Armin Maisch, der kaufmännische Geschäftsführer der Stadtbau, bestätigt, sind die Bodenuntersuchungen auf besagtem Grundstück an der Berliner Straße erledigt. Noch in diesem Monat sollen die eigentlichen Arbeiten starten, für die eine Bauzeit von 14 Monaten angesetzt ist. In vier Geschossen und einer Dachebene entstehen in Eigenregie der Stadtbau nach Entwürfen ihres Architekten Richard Hofsäß und in Kooperation mit einem Generalunternehmer 23 Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen, die laut Maisch alle auf der rückwärtigen Seite Balkone haben. Als „ambitioniert“ hatte der Gestaltungsbeirat diese Pläne gewürdigt.

„Nicht ganz einfach“ sei eine Bebauung an dieser stark befahrenen Straße, bestätigt Maisch. Die Stadtbau habe sich aber „in der Pflicht gesehen“, dieses Grundstück für Wohnungen zu nutzen. Eine temporäre „Straßenverengung“ sei nicht zu vermeiden. Eine solche war Fahrern vor Kurzem in unmittelbarer Nachbarschaft durch die unbürokratische Hilfe der Stadtbau erspart geblieben. Sie hatte der Arbeitsagentur genehmigt, die nun zu bebauende Brache als Kran-Standort bei der Sanierung ihres Gebäudes zu nutzen, die sonst nicht ohne Engpässe an der Luisenstraße zu stemmen gewesen wäre.

In 15 Monaten entstehen 60 Mieteinheiten

Bereits in der Werkplanung befinden sich Bau und Grund sowie Familienheim für das gemeinsame Vorhaben an der Ecke Postwiesenstraße/Vogesenallee, für das die Baugenehmigung vorliegt. Bau-und-Grund-Geschäftsführer Wilfried Wibusch und Familienheim-Chef Dirk Mees gehen davon aus, dass dort – akzeptable Handwerker-Angebote auf die Ausschreibungen vorausgesetzt – Ende März/Anfang April mit dem Bau begonnen werden kann. Je zwei Gebäude schaffen die beiden Gesellschaften – diese vier Häuser sollen nach der Planung des Architekten Peter W. Schmidt in etwa 15 Monaten rund 60 Mieteinheiten – überwiegend Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen – bieten.

Im Anschluss soll dann ebenfalls in Kooperation das Grundstück auf der anderen Seite des Edeka-Supermarkts an der Rembrandtstraße entwickelt werden, für das laut Mees schon erste Überlegungen angestellt wurden. Trotz des nicht ganz so günstigen, da länglichen Zuschnitts des Areals könnten dort wohl zumindest ähnlich viele Mietwohnungen entstehen. Denn das Grundstück an der Rembrandtstraße ist mit 6500 Quadratmetern um 1500 Quadratmeter größer als jenes an der Vogesenallee.

Immer weniger Sozialwohnungen

Infografik: Immer weniger Sozialwohnungen in Deutschland | Statista

Die Zahl von Sozialwohnungen in Deutschland sinkt seit Jahren. Wie die Infografik von Statista zeigt, ist sie in der Dekade von 2006 bis 2016 bundesweit um 830.000 gesunken – auf den Stand von 1,24 Millionen. Laut Prognose der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe wird die Zahl weiter sinken, bis 2020 auf 1,07 Millionen.

Die Gründe für diese Entwicklung: der soziale Wohnungsbau in Deutschland wird von Unternehmen der Immobilienwirtschaft größtenteils als unattraktiv wahrgenommen. Die im Vergleich zum frei finanzierten Wohnungsbau geringere Rendite, Mietpreisbindungen und eine abschreckende Wirkung des sozial schwachen Mieterklientels lassen viele Investoren zögern, in den sozialen Wohnungsbau zu investieren. Auch die Förderprogramme werden seitens der Unternehmen als unzureichend kritisiert.

Berichten zufolge könnte sich der Rückgang der Sozialwohnungen ab dem Jahr 2020 sogar noch verstärken: ab dann stellt der Bund seine Zahlungen für die Förderung sozialen Wohnraums an die Länder in Höhe von über 1 Milliarde Euro pro Jahr ein.

Wo gibt es die meisten Sozialwohnungen pro Einwohner?

Infografik: Sozialwohnungsdichte in deutschen Bundesländern | Statista

Schaut man auf die Sozialwohnungsdichte der einzelnen Bundesländer, so ergibt sich ein sehr heterogenes Bild. Auf mehr als 20 Sozialwohnungen je 1000 Einwohner kommen dabei nur die Länder Brandenburg, NRW, Berlin und Hamburg. Die Hansestadt liegt mit 48 Sozialwohnungen je 1000 Einwohner klar an der Spitze des Rankings. Ein Grund dafür: Große Stadtentwicklungsvorhaben werden im Drittel-Mix gebaut. Hierbei entstehen zu jeweils einem Drittel geförderte Wohnungen, frei finanzierte Mietwohnungen und Eigentumswohnungen. Schlusslicht im Ländervergleich ist das Saarland. Pro 1000 Einwohner gibt es hier nur eine einzige Sozialwohnung. Schlecht versorgt sind außerdem viele neue Bundesländer.

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