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Voll sind die Gänge der Fakultät für Gestaltung bei der Werkschau am Wochenende. Hier beeindruckt Industriedesign. Foto: Eickhoff
Neue Definitionen von Mann und Männlichkeit liefert etwa Mode von Shiyu Gu unter dem Motto „Farewell my concubine“. Foto: Eickhoff
„Umspringa“ lautet der Titel von Klara Schorers Präsentation. Foto: Eickhoff
10.02.2019

Angehende Designer und viel Kreativität: So war die Werkschau in Pforzheim

Pforzheim. Als sich an diesem Samstagabend die letzten Besucher der Werkschau den Weg zum Ausgang bahnen, drängen sich bereits zahlreiche modebegeisterte Gäste vor der Aula der Fakultät für Gestaltung, voller Erwartung auf die kreationsreiche Modenschau. Ausschließlich positive Stimmen aus den Reihen der Erschienenen dringen nach draußen über die bisher gesehene Werkschau, die auch zum Finale am Sonntag wieder für volles Haus sorgt. Am Samstag wird indes mit Spannung der krönende Modeabschluss des Kreativereignisses erwartet.

Eine organisch-graue Catwalkfläche windet sich durch die Mitte der Aula, umschlossen von einer abstrahierten, silberglänzenden Spiegellandschaft. Kraftvolle Violinentöne eröffnen die beliebte Fashion-Show der Modestudierenden vom ersten Semester bis zu den Abschlusskollektionen. Die Instrumentalsaiten verstummen, als die ersten Models den Laufsteg betreten. Dabei dominiert die Farbe Grün. Pflanzenkronen und Hasenohren schmücken die Köpfe, natürliche Formen umspielen den Körper. Klobige Schuhe, auf Schottenmuster abgestimmt, oder Wollsturmmasken, gepaart mit floralen Texturen, leiten das Thema „Transcultura/MANhood“ ein und präsentieren damit eine Neudefinition von Begriffen wie Mann und Männlichkeit.

Bildergalerie: Werkschau: So präsentiert sich Transportation Design

Die Studenten des Transportation Design haben ihre Werke bereits am Freitag an der Eutinger Straße präsentiert.

Wie reagiert Mode auf die aktuellen Krisen und Trends und die wachsende Konsumkritik auf den Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit? Es sind für die Mode umfunktionierte Autoreifen und wintersportähnliche Styles, die die Antwort liefern.

Im Hintergrund der Zuschauerreihen werden parallel zu den laufenden Mannequins dreidimensional wirkende, netzartige Musikvisualisierungen an die Wände projiziert. Zum Takt schreiten lässige, überdimensionale Frauen-Designs zur „Gender“-Thematik an den Erschienenen vorbei, eine Entgegnung auf die sexuell überbetonte Mode der vergangenen Jahre.

Auch die 14 Abschlusskollektionen lassen mal wieder der Fantasie freien Lauf. Im Fokus steht die Haut als Mittel nonverbaler Kommunikation neben der Macht der Attraktivität in farbenprächtigen Frauenkleidern.

Inspiriert von der chinesischen Peking-Oper, entstanden seidene Gewänder, ein starker Kontrast zu einer „Vergissmeinnicht“-Kollektion, die die Krankheit Alzheimer auf eine poetische Art und Weise interpretiert und so zum Nachdenken animiert: Es werden kleine irrelevante Dinge vergessen, zwei verschiedene Seidenstrümpfe oder eine falsch getragene Tasche.

Gedeckt bis grell

Es sind ausgefallene Modeschöpfungen, die die Studierenden dieses Semesters zeigen, von gedeckten bis grellen Farben, von viel Haut bis dick eingepackt, von alltagstauglich bis kurz einsetzbar Eines haben sie aber alle gemeinsam: Sie sind ein Quell an frischer, purer Kreativität. Abermals hat die mehrtägige Werkschau eindrucksvoll vor Tausende Augen geführt, dass Pforzheim und seine Design-Talente nur so strotzen vor Kreativität und innovativer Kraft.