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05.05.2016

Angeklagten droht jahrelange Haft

Pforzheim. Die Plädoyers im Fall von fast zwei Zentnern eingeführten Marihuanas vor der Auswärtigen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe, Außenstelle Pforzheim, sind gehalten: Recht drastische Strafen beantragte Staatsanwältin Christine Roschinski für die unerlaubte Einfuhr und das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen. Für die Männer, 24 und 28 Jahre, je sieben Jahre, für die beiden Frauen, 48 und 40 Jahre, wegen Einfuhr und Beihilfe, je drei Jahre und drei Monate.

Die Angeklagten sollen von September 2014 bis August 2015 nachgewiesenermaßen achtmal jeweils acht Kilogramm des Stoffes eingeführt und verkauft haben (die PZ berichtete). Die letzte Lieferung, zwölf Kilogramm. Der 28-jährige Angeklagte, der einzige mit festem Einkommen und in stabilen Verhältnissen, erhielt den Löwenanteil des Stoffs. Mindestens ein Kilo gab er dem stark abhängigen 24-Jährigen, der die Verbindung zu den holländischen Lieferanten hatte. Marihuana und Geld erhielt die 48-Jährige, die die Einfuhr besorgte und ein großes Risiko trug, ein wenig Stoff und Geld bekam die Cousine des 28-Jährigen, die Ware bei der 48-Jährigen abholte, an ihren Cousin lieferte und Geld für die Lieferantin in den Briefkasten steckte.

Die Verteidiger der Männer, jeweils zwei, Rechtsanwalt Cornelius Schaffrath und Andrea Combé für den Jüngeren, Martin Stirnweis und Stefan Rothenstein für den Älteren, plädierten darauf, die Abhängigkeit ihrer Mandanten von Jugendzeit an zu berücksichtigen und ihnen die Möglichkeit zu Therapien zu ermöglichen. Auch Verteidigerin Susanne Burkhardt hob die Abhängigkeit ihrer 48-jährigen Mandantin hervor, die nach einem Unfall unter Schmerzen leide und diese mit Marihuana zu lindern suche. Sie habe ein „schonungsloses Geständnis“ abgelegt. Sie bat um ein Urteil, das nach achtmonatiger Untersuchungshaft nicht über zwei Jahren liegen möge. Auf eine bewährungsfähige Strafe plädierte auch Verteidiger Christian Arnsperger für die 40-Jährige. Sie habe aus Geldmangel und Zuneigung zu ihrem Cousin gehandelt, außerdem habe sie nur eine „verzichtbare Rolle“ gespielt. Die Angeklagten bereuten in ihrem letzten Wort das Geschehene. Außer der 40-Jährigen waren alle therapiewillig. jaw