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30.01.2014

Angeklagter bestreitet weiterhin ein Brandstifter zu sein

Pforzheim. Sage und schreibe 19 Zeugen hörte das Schöffengericht während des zweiten Verhandlungstages in einem Verfahren wegen schwerer Brandstiftung.

Der 26-jährige Christian S. (Name geändert) bestreitet die fünf Brände in der Nacht zum 4. Oktober 2012 in der Innenstadt gelegt zu haben.

Der folgenschwerste Brand in jener Nacht riss die Bewohner eines Mietshauses an der Gymnasiumstraße aus dem Schlaf. Eine Zeugin schildert die Panik im Haus. Sie sei durch Schreie der Nachbarn geweckt worden. Sie alle – ihre beiden Kinder und der Ehemann – seien ohne Schuhe und im Schlafanzug aus der Wohnung gerannt. „Das Treppenhaus war total verraucht. Man hat nichts mehr gesehen“. Ihr Mann sei dann noch die Treppen zum Dachgeschoss hinauf gerannt, um eine Nachbarin zu wecken. Er wurde am Ende mit einer leichten Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht.

Ein weiterer Zeuge, der ebenfalls im Dachgeschoss wohnte, schilderte, wie schwierig es für ihn gewesen sei, durch das Treppenhaus nach unten zu kommen. Der Strom war ausgefallen, alles war dunkel und voller Rauch. Die Taschenlampe habe ihm nichts gebracht. Aufgrund schlechter Sicht sei er zuerst an der Haustür vorbei gelaufen und in den Keller gelangt, wo das Feuer schwelte und der Rauch noch dichter war. „Ich dachte, dass ich sterbe“, so der Zeuge. Glücklicherweise konnten sich alle Bewohner retten, die Feuerwehr löschte den Brand im Keller schnell. Zwei Feuerwehrmänner im Zeugenstand machten klar, dass die Sache noch schlimmer hätte ausgehen können. Durch die starke Hitze war eine Wasserleitung geplatzt und die Kellerräume bereits voller Wasserdampf.

Den meisten Bewohnern war der Angeklagte am Brandort aufgefallen. Er stellte Fragen und gab an ebenfalls verletzt worden zu sein. Den ersten der fünf Brände – ein lodernder Altpapierstapel in der Fußgängerzone hatte Christian S. ebenfalls gemeldet. Am Tatort habe er sehr penetrant Kontakt gesucht, erinnerte sich eine Polizistin im Zeugenstand. „Das war schon auffällig“.

Nach den Löscharbeiten bemerkte ein Bewohner, dass in seinem Keller ein Kasten mit Softdrinks fehlte. Mit einem solchen hatte eine Zeitungsausträgerin den Angeklagten gesehen. Ob es sich um ein und denselben Kasten gehandelt hat, wird das weitere Verfahren zeigen – es wird 6. Februar um 9 Uhr fortgesetzt. rw