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Weil er mit einer Schreckschusspistole auf seine EX-Freundin schoss, wurde ein Mann nun verurteilt.
Weil er mit einer Schreckschusspistole auf seine EX-Freundin schoss, wurde ein Mann nun verurteilt.
22.06.2010

Angeklagter wollte töten: Haft für 23-Jährigen

PFORZHEIM. Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung hat das Schwurgericht Karlsruhe einen 23-jährigen Angeklagten zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte 15 Mal auf seine Freundin geschossen.

Der Vorsitzende Richter Hans Fischer sprach von einer „Beweislage, so klar wie selten vor diesem Gericht, bei dem der Tötungsvorsatz eindeutig herausgearbeitet wurde“.
Der Angeklagte habe sowohl bei der Polizei als auch beim Haftrichter zugegeben, dass er am 1. Dezember vergangenen Jahres um 6.15 Uhr seine damalige 16-jährige Freundin mit einer Schreckschusspistole töten wollte und sein Bedauern darüber bekundet, dass dies nicht geklappt habe. Dass er einen Menschen mit dieser Waffe umbringen könne, wenn er die Pistole an die Schläfe, den weichsten Punkt des Kopfes, ansetze und abdrücke, habe er zuvor aus dem Internet erfahren. Wucht und Hitzegrad des Feuerstoßes einer direkt an den Kopf des Opfers angesetzten Schreckschusspistole könnten den Tod eines Menschen herbeiführen. Das habe auch der Sachverständige bestätigt. Aus Ärger und Wut darüber, dass die junge Frau die Trennung anstrebte, habe er vor der sorgfältig geplanten Tat die Munition in dem Wissen gekauft, dass auch eine Schreckschusswaffe unter bestimmten Bedingungen tödlich sein könne.
Bei der Tatausführung habe der Angeklagte die Waffe aber nicht direkt an die Schläfe seines Opfers gesetzt, sondern im Abstand von etwa 20 Zentimetern am Kopf vorbeigeschossen, so dass die 16-Jährige mit drei Brandwunden und einem zeitweisen Tinnitus-Knall-Trauma davongekommen sei.
Fischer: „Es war keine Tat im Affekt, es liegt keine seelische Störung beim Angeklagten vor. Drogen oder Alkohol haben keine Rolle gespielt, so dass der Angeklagte voll schuldfähig ist.“
„Aus Wut und Zorn gehandelt“
Auch Staatsanwalt Henning Heil aus Pforzheim sah den Tötungsvorsatz „zweifelsfrei nachgewiesen und bei der Polizei sowie dem Haftrichter eingestanden“. Aus Wut, Zorn und Eifersucht sowie dem Bedürfnis nach Rache über seine Zurückweisung, habe der Angeklagte immer weiter geschossen, bis sein Magazin leer gewesen sei. „Wenn ich die Frau nicht haben kann, soll sie keiner haben“, sei das Motiv dieser langfristig geplanten Tat gewesen.
Rechtsanwalt Valentin Heckert, der Vertreter der Nebenklage, sagte: „Das war kein ungefährliches Spiel mit einer harmlosen Schreckschusswaffe, sondern hochgefährlich.“ Wer sich aus dem Internet darüber informiere, wie man mit einer Schreckschusswaffe einen Menschen töten könne und sich das entsprechende Bild aus dem Internet herunterlade, das ein Opfer mit geöffneter Schädeldecke zeige, sei alles andere als harmlos. „Mir kommt dabei das Gruseln und blanke Entsetzen“, so Heckert. „Meine Mandantin war damals in Todesangst, und auf der Anklagebank sitzt der Mann, der ihr Leben bedrohte“, sagte er. Heckert könne überhaupt nicht verstehen, dass die beiden trotz dieses Vorfalls inzwischen wieder ein Paar seien und ein gemeinsames Leben planten.
„Ein Gefühl der Enttäuschung“
Selbst Verteidiger Heinrich Maul ging von einem Tötungsvorsatz des Angeklagten aus, allerdings sah er keinen Mordversuch, sondern den Versuch eines Totschlags. „Nicht die niedrigen Mord-Beweggründe wie Wut, Zorn und Eifersucht waren dominierend, sondern Gefühle der Enttäuschung und Ausweglosigkeit“, betonte Maul.
„Beim Schussabstand von 20 Zentimeter zum Opfer konnte nicht der Tod eintreten“, sagte Maul und wertete das Delikt als einen minder schweren Fall.