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12.03.2009

Angst vor Amoklauf: Alfons-Kern-Schüler geht lieber nicht zur Schule

PFORZHEIM. Der Chef wird sich gewundert haben. Aber nur einen Moment lang. Bis sein Lehrling Matthias ihm erzählt hat, warum er den Berufsschul-Unterricht an der Alfons-Kern-Schule geschwänzt hat und stattdessen lieber zum Arbeiten gekommen ist - Angst vor einem möglichen Amoklauf.

Der 19-Jährige hatte sich einfach nicht wohlgefühlt beim Gedanken, in die Schule zu gehen. Am Dienstagnachmittag, am Tag des Amoklaufs von Winnenden, war an der Berufsschule im Herzen Pforzheims eine Amokdrohung eingegangen (mehr...). Für Donnerstagmorgen.

Nach den Erfahrungen mit einer solchen Ankündigung im vergangenen November glaubte zwar niemand so recht, dass der Anrufer die Wahrheit sagte, aber alleine das Restrisiko schon war Matthias zu hoch. Und nicht nur ihm. Vor und hinter der Schule stehen Polizeiautos, ein Beamter hat eine Maschinenpistole umgehängt. Am Mittwochabend hat sein oberster Dienstherr, Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU), im Fernsehen gesagt, dass man Drohungen wie in Pforzheim nicht auf die leichte Schulter nehme.

Den Unterricht insgesamt ausfallen zu lassen, kommt nicht in Frage. Ein normaler Schultag sieht natürlich anders aus. „Ich gehe heute in die Schule“, sagt der 19-jährige Sandro. Der KfZ-Mechatroniker schreibt an diesem Tag eine Arbeit, sein Mitschüler sogar zwei. „Ein mulmiges Gefühl habe ich schon“, räumt Sandro ein.

In einem Grüppchen von fünf, sechs Leuten sind Sandro, Matthias und die anderen auf dem Parkplatz an der Enz gestanden, hinter der Alfons-Kern-Schule, in Rufweite der Polizeistreife. Und dort haben sie geredet. Über Winnenden. Über ihre Schule. Die Hälfte ist schließlich in den Unterricht gegangen, die andere Hälfte nicht. Als sie sich voneinander verabschieden, witzeln sie. Es klingt gezwungen.