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Angst vor sexueller Belästigung haben manche Frauen in Unterkünften.  Fotolia
Angst vor sexueller Belästigung haben manche Frauen in Unterkünften. Fotolia
13.11.2015

Angst vor sexuellen Übergriffen: Asylheime nur für Frauen in Pforzheim?

Ein Zusammenleben mit Fremden auf engstem Raum, kaum Privatsphäre – das sind die Bedingungen in den großen Sammelunterkünften für Flüchtlinge. Ein Umfeld, in dem sich gerade alleinreisende Frauen und alleinerziehende Mütter oft nicht sicher fühlen.

Nicht selten haben sie schon Erfahrungen mit Gewalt gegen Frauen gemacht, sind traumatisiert – und fürchten sich vor sexuellen Übergriffen.

Viele Beratungsstellen und Frauenorganisationen haben darum eine getrennte Unterbringung für Frauen, die eines besonderen Schutzes bedürfen, gefordert. In anderen Städten gibt es die Einrichtungen bereits, nun wird auch in Pforzheim der Ruf nach einem solchen Schutzraum laut. Unterzeichnet ist das Schreiben, das die Verwaltung zur Einrichtung einer solchen Unterkunft auffordert, von Christiane Quincke, Dekanin der evangelischen Kirche, Sabine Jost, Geschäftsführerin der Diakonie, und Angela Blonski, Geschäftsführerin von Lilith. Jost unterstreicht, dass dies eine Präventivmaßnahme sei mit Blick auf die Großunterkünfte, die es bald in der Stadt geben soll – beispielsweise ziehen 420 Flüchtlinge ins ehemalige Thales-Gebäude.

Bislang sei kein Fall von sexueller Gewalt gegen Frauen oder Kinder in den Pforzheimer Flüchtlingsheimen bekannt, was auch die Polizei bestätigt. In dem Schreiben wird auf Ergebnisse nicht repräsentativer Untersuchungen verwiesen: „Die Frauen sind von geschlechtsspezifischer Gewalt in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften in Deutschland betroffen. Täter sind auch Mitbewohner und mitreisende Partner“, heißt es.

Zu Gerüchten über eine steigende Zahl an sexuellen Übergriffen sagte Ulf Küch, Bundesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter, gegenüber „Spiegel online“: „In aller Deutlichkeit: Das ist vollkommener Unsinn, Nonsens, Quatsch! Es gibt keine Vielzahl von Sexualdelikten. Wir stellen allenfalls fest, dass sich einige Flüchtlinge Mädchen und Frauen gegenüber nicht so verhalten, wie es eigentlich angebracht ist, und sie verbal belästigen.“ Schon Grenzverletzungen und leichte Übergriffe könnten das Sicherheitsgefühl bereits traumatisierter Frauen beeinträchtigen und Flashbacks auslösen, begründen die Pforzheimerinnen ihr Anliegen. „Da allein schon die ständige Nähe zu Männern diese Frauen beeinträchtigen kann, muss die Möglichkeit eines Wechsels in eine spezielle Einrichtung bestehen“, heißt es. „Es geht darum, dass sich Frauen im Alltag sicher und frei bewegen können und sich aufgehoben fühlen“, sagt Jost.

Bedarf soll abgefragt werden

Laut Sozialbürgermeisterin Monika Müller sind derzeit 167 allein reisende Frauen und alleinerziehende Mütter unter den Flüchtlingen in Pforzheim gemeldet. Nach internen Schätzungen hielten sich aber mindestens 50 von ihnen bei verwandten Familien auf. „Der genaue Bedarf ist daher schwer zu schätzen“, so Müller.

Verwaltungsintern sei die Schaffung einer solchen Einrichtung diskutiert worden. Man sei zu dem Ergebnis gekommen, dass eine gesonderte Unterbringung weniger förderlich für die Integration sei als eine dezentrale. Im Zuge dieser würden Frauen, die eines besonderen Schutzes bedürfen, bereits in WGs innerhalb von Hausgemeinschaften untergebracht. Für alle sei dies derzeit nicht möglich. „So viele private Wohnungen haben wir nicht“, sagt Müller. „Zudem wären in der Konsequenz in vielen Unterkünften nur noch Männer, was für den sozialen Frieden nach innen und außen nicht wirklich sinnvoll ist.“

Außerdem sei es möglich, dass die als alleinreisend geführten Frauen mit Verwandten hier seien oder die Nähe zu Menschen gleicher Herkunft und Sprache für ein Einleben wichtiger für sie sei, als nur Frauen um sich zu haben. Klarheit über das weitere Vorgehen sollen Gespräche mit den betroffenen Frauen bringen. Sollten diese eine Unterbringung in einer größeren Frauenunterkunft wünschen, „würden wir zum Beispiel eine der noch zu belegenden Bestandsimmobilien dafür vorsehen können“, so Müller.

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