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Pegida in Karlsruhe: „Kargida“-Demonstration am 28. April.  Deck
Pegida in Karlsruhe: „Kargida“-Demonstration am 28. April. Deck
03.05.2017

Anklage wegen schwerer Körperverletzung: Mit Holzstöcken gegen „Kargida“-Anhänger

Gemeinschaftliche schwere Körperverletzung in vier Fällen: So lautet die Anklage gegen drei Antifaschisten aus dem Raum Stuttgart, deren Hauptverhandlung am Mittwoch vor dem Amtsgericht in Pforzheim unter hohen Sicherheitsvorkehrungen eröffnet wurde.

Gemeinsam sollen sie am 10.März 2015 in einem Interregio-Zug von Stuttgart nach Karlsruhe die beiden als Nebenkläger auftretenden jungen Männer Christian P. und Stefan W. (alle Namen geändert) angegriffen und mit den Holzstöcken mitgeführter Fahnen verprügelt haben.

Die beiden waren, so ihre Aussage, an diesem Tag in Mühlacker mit einer weiteren Bekannten in den Zug gestiegen, um zu einer Veranstaltung des Pegida-Ablegers „Kargida“ nach Karlsruhe zu fahren. Auf dem Weg sollen auch die drei Angeklagten und eine Reihe weiterer Begleiter gewesen sein, um an einer Gegendemonstration teilzunehmen. Diese allerdings weigerten sich am Mittwoch, Angaben zur Sache zu machen. Ihre Angaben zur Person hielten sie kurz, beide Parteien legten Wert darauf, ihre Anschrift nicht öffentlich preisgeben zu müssen.

P. und W. gaben an, dass sie, kaum in den Zug eingestiegen, im oberen Teil auch schon von zwei Seiten eingekesselt worden seien. Nach Rufen wie „Scheiß Faschopack, jetzt habt ihr kalte Füße“ sowie der Aufforderung, den (bereits fahrenden) Zug zu verlassen, habe einer der Gruppe einen anderen aufgefordert, ihm eine Fahne zu reichen – und mit dieser dann begonnen, auf W. einzuprügeln, während andere sich seinem Bekannten widmeten. Schließlich sei Pfefferspray oder Reizgas versprüht worden, und die Angreifer hätten sich zurückgezogen.

Ebenso die Fahrgäste, die sich im Abteil befanden und teils ebenfalls Reizungen und Hustenanfälle davontrugen. Am Hauptbahnhof Pforzheim stiegen P. und W. aus und erhielten medizinische Versorgung. Mit Platzwunden und Prellungen wurden sie ins Krankenhaus eingeliefert.

Erkannt haben wollen die beiden die drei Angeklagten durch Bilder und Videos, die P. bei einem früheren Zusammentreffen der verfeindeten Parteien in Pforzheim aufgenommen und W. danach zugesandt hatte, sowie mit Bildern, die sie bei der Polizei vorgelegt bekommen hatten. Mindestens einer der Angeklagten soll bei dem Angriff vermummt gewesen sein. Beide Nebenkläger, von dem rechten Szene-Anwalt Alexander Heinig vertreten, geben an, ihre Hände schützend über Gesicht und Kopf gehalten zu haben.

Die Verhandlung wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.

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