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Anna-Katharina Herrling-Adlef, Sabine Zeitler, Evelyn Rehn und Petra Löffler (von links) von der Städtegruppe Pforzheim-Enzkreis des Vereins „Terres des Femmes“ freuen sich über jede neue Unterschrift.  Foto: Späth 

Appell für ein Kopftuchverbot an Schulen - Frauenrechtlerinnen sammeln Unterschriften in Pforzheim

Pforzheim. Die Städtegruppe Pforzheim Enzkreis der Organisation „Terres des Femmes“ setzt sich für die Menschenrechte von Frauen ein. Ein Thema liegt ihnen dabei besonders am Herzen: eine gesetzliche Regelung des sogenannten Kinderkopftuchs in Kitas, Kindergärten und Schulen für minderjährige Mädchen. Am Samstagmittag sammelte die Städtegruppe in der Fußgängerzone Unterschriften für die bundesweite Petition „Den Kopf frei haben“, trat mit vielen Passanten in den Dialog und informierte über ihr Anliegen. Innerhalb der zweistündigen Aktion wurden 120 Unterschriften gesammelt.

Den Wind in den Haaren spüren

„Es gab viel Zuspruch, aber auch hitzige und positionsstarke Diskussionen. Es ist wichtig, über das Thema zu sprechen“, sagt Sabine Zeitler, die die Städtegruppe Anfang dieses Jahres ins Leben gerufen hat. Nachdem ihr in Pforzheim immer mehr Kinder mit Kopftuch aufgefallen waren, wurde sie auf die Petition von „Terres des Femmes“ aufmerksam und beschloss, diese zu unterstützen. Sie selbst hat als Politologin, Coach, Mediatorin und Dozentin für interkulturelle Kommunikation bereits selbst in Syrien gelebt, spricht Arabisch und ist Mutter zweier Kinder.

„Das Kopftuch steht für die Diskriminierung und Sexualisierung von Minderjährigen. Die Schule sollte ein neutraler Ort sein, an dem Mädchen selbstbestimmt denken und handeln und sich frei entwickeln können. Sie sollen den Wind in den Haaren und die Sonne auf der Haut spüren, und nicht ihrer Sinne beraubt werden“, so Zeitler.

„Terres des Femmes“ sieht in der Verschleierung von Minderjährigen zum einen Gesundheitsrisiken durch Vitamin-D-und Bewegungsmangel, zum andern den Ausschluss aus vielen Lebensbereichen, den Drill zu einer minderwertigen Rollen-Identität als Frau sowie gefühlter und echter Zurücksetzung gegenüber der „freien“ Mädchen. Zudem sei die Verschleierung von Frauen ein historisch-soziales Phänomen einer patriarchalischen Gesellschaft.

„Das erste Ziel von Islamisten ist immer die Kontrolle über die Frau“, sagte Zeitler. Das Wort „Kopftuch“ komme im Koran nicht vor und sei demnach kein eindeutiges Gebot, sondern obliege in den meisten Fällen der Interpretation männlicher Familienmitglieder. Ein gesetzliches Verbot des Kopftuchs bei Minderjährigen im öffentlichen Raum schütze aus Sicht von „Terres des Femmes“ sowohl das Kindeswohl als auch die Kinderrechte. Kritische Stimmen verweisen dagegen unter anderem auf die grundgesetzlich geschützte Religionsfreiheit sowie auf das grundgesetzlich geschützte Recht der Eltern auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder.

Bundesweit wurden seit Juni vergangenen Jahres bereits Zehntausende Unterschriften gesammelt, die im Herbst 2020 dem Bundesjustizministerium übergeben werden sollen. Die Debatte über ein Kopftuchverbot war in Deutschland neu entbrannt, nachdem Österreichs Parlament Mitte Mai ein Kopftuchverbot an Grundschulen beschlossen hatte.

Vor einigen Wochen hatten ebenfalls bei einer Aktion in der Pforzheimer Fußgängerzone Frauen der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde bei Passanten dafür geworben, die individuelle Entscheidung von Frauen und Mädchen zum Tragen eines Kopftuchs zu respektieren).

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