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Köpfe des römischen Königs Merkur und Teile von Jupiter-Gigantensäulen werden im Archäologischen Museum ins rechte Licht gerückt. Foto: Frei
Köpfe des römischen Königs Merkur und Teile von Jupiter-Gigantensäulen werden im Archäologischen Museum ins rechte Licht gerückt. Foto: Frei
Köpfe des römischen Königs Merkur und Teile von Jupiter-Gigantensäulen werden im Archäologischen Museum ins rechte Licht gerückt. Foto: Frei
Köpfe des römischen Königs Merkur und Teile von Jupiter-Gigantensäulen werden im Archäologischen Museum ins rechte Licht gerückt. Foto: Frei
07.09.2016

Archäologisches Museum auf dem Kappelhof: Schauplatz der frühen Stadtgeschichte

Einem Biergarten, dem der früheren Gaststätte „Badischer Hof“ (eröffnet 1859), ist es zu verdanken, dass auf dem Kappelhof die Geschichte der Stadt Pforzheim zurück bis in die Römerzeit nachvollzogen werden kann. Denn die Häuser, die hier später gebaut wurden, waren meist unterkellert, so dass mögliche Reste historischer Substanz verschwunden sind. Bevor dann Anfang der 1990er-Jahre mit dem Aushub der Baugrube für das Schwerstbehinderten-Wohnheim der Caritas begonnen wurde, fand ein archäologischer Suchschnitt statt, um mögliche Aufschlüsse über die Frühgeschichte der Stadt zu erhalten – mit Erfolg.

Statt einer Tiefgarage entstand der „Archäologische Schauplatz Kappelhof“, heute „Archäologisches Museum Pforzheim“. Dieses wird sich den Besuchern zum „Tag des offenen Denkmals“ am kommenden Sonntag neu präsentieren.

Dank des Engagements von Jeff Klotz, dem Leiter des Römermuseums in Remchingen, den das städtische Kulturamt als wissenschaftlichen Betreuer gewinnen konnte, waren bereits im vergangenen Jahr der angegliederten Ausstellungsräume mit Informationen über die Römer in Pforzheim und dem Umland, über die Zeit vor ihrer Besiedlung und über Funde im Enzkreis neu gestaltet worden. Dazu gehört auch der museumspädagogische Bereich, denn das Interesse von Schulklassen, selbst Kindertagesstätten sei groß, bemerkte die kommissarische Leiterin des Kulturamts, Angelika Müller-Tischer, am Mittwoch bei der Präsentation des „neuen“ Museums.

Wie alles begann, daran erinnerte der städtische Denkmalpfleger Christoph Timm. Die Einweihung der Schauanlage sei ein nachhaltiger Beitrag zum Stadtjubiläum 1995 gewesen mit 1700 Jahre Pforzheim, 800 Jahre Stadtrechte, aber auch zu 50 Jahre Zerstörung durch den Luftangriff am 23. Februar 1945. Der Gemeinderat stand hinter dem Projekt, das 3,4 Millionen Mark (1,6 Millionen Euro) erforderte, wozu es einen Landeszuschuss von 600 000 Euro gab. Auf über 2000 Quadratmetern erschließt sich den Besuchern die 2000-jährige Siedlungsgeschichte der Stadt. Zu sehen sind vor allem Mauerfundamente, aber auch Reste römischer Heizungssysteme, Küchen, Latrinen und Brunnen. Stege führen über die Ausgrabungen, auf Schautafeln sind die steinernen Zeugnisse anschaulich erklärt.

In den vergangenen Wochen hat Jeff Klotz mit Helfern seiner Ehrenamtlichen aus Remchingen die Ausstellung vor allem mit einem verbesserten Lichtkonzept versehen. Der Ausgrabungsraum erhielt einen neuen Anstrich in „Museumsgrau“ statt der Brauntöne. Zudem wurden ausführliche Hinweistexte erarbeitet. Die Kosten betrugen rund 10 000 Euro.

Im Eingangsbereich werden die Besucher weiterhin von dem römischen Leugenstein begrüßt, der im Jahr 1934 beim Autobahnausbau in der Nähe von Friolzheim gefunden wurde. Es ist der einzige bekannte schriftliche Hinweis auf das römische Pforzheim. Auf der Säule ist „A PORT L V“ eingemeißelt – nach Portus (Pforzheim) fünf Leugen, rund elf Kilometer.

Bedeutende Steindenkmäler

Portus lag an einer um das Jahr 100 nach Christus angelegten römischen Fernstraße, die das Rheintal mit den Limesanlagen am Neckar verband. Die Siedlung, so Jeff Klotz, sei damals schon eine recht städtische gewesen, was an den Mauern von zwei Wohn- und Arbeitsgebäuden (eines mit Innenhof und Brunnen) zu erkennen sei. Unter den ausgestellten Steindenkmälern, auch aus dem Enzkreis, befinden sich einige von überregionaler Bedeutung. Neben Mainz besitze Pforzheim eine der größten Sammlungen in Deutschland, betonte der wissenschaftliche Leiter des Museums.