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Arzt bestreitet Vorwurf, Patientin betäubt und sexuell belästigt zu haben

Pforzheim. Einem 46-jährigen Arzt aus dem Enzkreis wird vorgeworfen, bei einem Hausbesuch in Pforzheim sexuelle Handlungen an einer Patientin vorgenommen zu haben, die er zuvor betäubt haben soll. Beim Prozessauftakt am Donnerstag im Amtsgericht Pforzheim unter Richter Philipp Hauenschild warf Oberstaatsanwalt Harald Lustig dem Angeklagten unter anderem die Ausnutzung eines Betäubungszustands sowie sexuelle Nötigung vor.

Der Angeklagte mit deutscher und syrischer Staatsbürgerschaft bestreitet die Vorwürfe. Laut seiner Aussage habe er die Patientin am Abend des 1. Mai 2018 stark alkoholisiert in einem psychischen Ausnahmezustand vorgefunden. Im Beisein der Mutter der Geschädigten habe er ihr eine Spritze mit Diazepam verabreicht. Später in der Nacht habe die Patientin erneut um einen Hausbesuch gebeten und den Arzt gegen seinen Willen geküsst, woraufhin dieser sofort ihre Wohnung verlassen habe.

Dagegen stehen die Zeugenaussagen der 33-jährigen Patientin sowie ihrer Mutter. Demnach soll der Arzt nach seinem ersten Besuch, bei dem er das Beruhigungsmittel spritzte, erneut bei der alleinlebenden Frau geklingelt haben. In ihrem Schlafzimmer habe er sich bis auf die Unterhose ausgezogen und zu ihr ins Bett gelegt. „Ich befand mich in einer Schockstarre, hatte Angst, was passieren würde, wenn ich mich wehre“, sagt die Geschädigte. Unter Tränen berichtet sie, wie er sie im Gesicht geküsst und anschließend im Intimbereich berührt habe. Nachdem sie Mut gefasst und gesagt habe, dass sie das nicht möchte, sei der Arzt sofort gegangen. Noch in der Nacht erstattete die Frau Anzeige bei der Polizei.

Eine weitere Zeugin, die als medizinische Fachangestellte mit dem Angeklagten in der Notfallpraxis zusammenarbeitet, berichtet von einer außergewöhnlichen Nachricht auf einem Fahrdienstschein, der normalerweise lediglich Abrechnungszwecken dient. Der Hinweis „Patientin hat mich geküsst“ habe sie stutzig gemacht. Bei einem Telefonat mit dem Arzt habe sie diesem geraten, sich rechtlichen Beistand zu suchen. Nach diesem Schein wird nun gesucht.

Bis heute arbeitet der Angeklagte als Bereitschaftsarzt in Notdienstpraxen. Die Kassenärztliche Vereinigung habe an den Angeklagten trotz der laufenden Verhandlung im Juli dieses Jahres seine lebenslange Arztnummer, kurz LANR, vergeben. Die Verhandlung wird in der kommenden Woche fortgesetzt.