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Will der Stadt ein neues Gesicht geben: Oberbürgermeister Gert Hager.
Schnabulieren und parlieren: Gedränge herrscht nach dem Neujahrsempfang im Foyer des CCP. Dort gibt es nicht nur eine Stärkung, sondern auch Infostände etlicher sozialer und kultureller Einrichtungen. Spenden werden für die pädagogische Ausstattung des Hauses der Jugend verwendet, das saniert werden soll. Seibel
Rund um den Flügel glänzt der Ungerer-Werkchor um Bernhard Kleile. Der Auftritt wird von Salome Tendies, Chordirektorin des Theaters, pianistisch begleitet.
Schon vor dem Eingang macht der Goldstadt-Fanfarenzug Wirbel. Mit Trommeln und Trompeten begrüßt er die Gäste und das neue Jahr.
Glücksbringer: Bezirksschornsteinfeger Stefan Böringer (links) und sein Kollege Daniel Hermanns (rechts) haben auch für Sabine und Gert Hager ein Geschenk parat.
10.01.2016

Asylfragen und die Stadtplanung prägen Pforzheims Neujahrsempfang

Klare Worte des Oberbürgermeisters zur Situation und Entwicklung der Stadt haben am Sonntag Pforzheims Neujahrsempfang geprägt, aber auch emotionale Appelle eines der Bürgermedaillenträger für mehr Selbstbewusstsein und Optimismus. Rund 1500 Besucher, darunter zahlreiche Ehrengäste, erlebten eine im Wortsinn wegweisende Veranstaltung, die eingangs der Goldstadt-Fanfarenzug, auf der Bühne dann der glänzend aufgelegte Ungerer-Werkchor bereicherten.

Bildergalerie: Neujahrsempfang der Stadt Pforzheim im CCP

„Pforzheim macht sich auf den Weg“ – diesen Titel hatte OB Gert Hager für seine Ansprache gewählt, die die Herausforderungen, aber auch die Chancen der Stadt aufzeigte. Hager rückte die Aufgaben im Bereich Asyl in den Fokus – bis Ende dieses Jahres würden bis zu 3800 Asylsuchende in der Stadt leben. Und dieser Trend setze sich wohl fort. Es sei selbstverständlich, sich um vor Krieg und Terror geflüchtete Menschen zu kümmern. Zugleich müsse von neuen Mitbürgern erwartet werden, „dass sie unsere Gesellschafts- und Werteordnung akzeptieren“, die Sprache lernten und sich weiterbildeten. Parallelgesellschaften dürfe es nicht geben. Durch den Familiennachzug würden Tausende Menschen neu in die Stadt kommen – zusätzlich zum bis 2035 vorhergesagten Einwohnerplus von sieben Prozent. Es brauche Förderprogramme von Land und Bund für den sozialen Wohnungsbau – und zwar für alle Bürger.

Außerdem forderte Hager eine klare Lastenteilung in der EU: „Europa ist keine Einbahnstraße und kein Bankverein, bei dem man nach Bedarf abhebt, aber nie selbst etwas einzahlen will.“

Dass Pforzheim den höchsten Zuzug in Baden-Württemberg verzeichne, spreche für die Stadt. Sie verfüge über eine attraktive Lage, eine tolle Schullandschaft, ein vielfältiges kulturelles Angebot und starke Unternehmen, die für einen deutlichen Anstieg der Arbeitsplätze sorgten. „Vielleicht sollten wir uns doch ganz allmählich das Bruddeln abgewöhnen“, sagte Hager. Der OB hob neue Initiativen wie das Cluster „Hochform“, das Kreativzentrum EMMA und das geplante Zentrum für Präzisionstechnik hervor – früher sei der Wille zur Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Hochschule und Stadt „eher gering ausgeprägt“ gewesen. Zugleich betonte er die Dringlichkeit, die City aufzuwerten. Innenstadtring, ZOB und Bertha-Benz-Halle seien wichtige Schritte gewesen. Nun gelte es, Pforzheim-Mitte voranzubringen.

Die Planungen liefen auf Hochtouren für eine Neugestaltung der Fußgängerzone, die 2018 umgesetzt werde. Das Vorhaben „Innenstadt-Ost“ werde einen frequenzarmen Bereich deutlich attraktiver machen. Und es sei politischer Konsens, den Busverkehr auf dem Leo zu reduzieren und dem Platz mehr Flair zu verleihen. Dass solche Maßnahmen den Einzelhandel beflügelten, zeige das Sedan-Viertel: „Vor kurzem noch schwächelnd, ist dieses Quartier nun neu gemacht, und es brummt.“

Hager sieht auch die Bürger in der Verantwortung: Die immense Kaufkraft solle großteils hier ausgegeben werden. Es sei „ungerecht, kurzsichtig“ und schade der Stadt, nur andernorts zu shoppen.

Bedenkenträger braucht keiner

Hager verwies auf das 2017 anstehende Jubiläum der Schmuck- und Uhrenindustrie, das herausragende Veranstaltungen bieten werde und aus dem sich eine neue „Ornamenta“-Reihe etablieren solle. Die Kompetenz der gesamten Unternehmenslandschaft spiegele sich darin wider. Deshalb werde am Begriff „Goldstadt“ nicht gerüttelt. „Nur wenn wir unsere Stadt nach außen selbstbewusst präsentieren, werden wir als interessant und zukunftsfähig wahrgenommen“, sagte Hager.

Auch Wolf-Dieter Späth plädierte im Namen der mit der Bürgermedaille Geehrten für eine positivere Grundeinstellung. Pforzheim sei eine lebens- und liebenswerte Stadt, weise positive Tendenzen auf und verfüge über eine starke Wirtschaft. „Wir stehen gut da und können keine ewigen Bedenkenträger brauchen“, sagte Späth. Der langjährige Vorsitzende der Verkehrswacht regte für 2017 an, eine „Lust-Kampagne quer durch die Stadt“ zu starten.

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