nach oben
Izabella Kardaczynski und Tatjana Reinhardt (von links) bereiten die Bar im „salt&pepper“ vor.Türschmann / Sommer (2)
Tatjana Reinhardt erklärt wie man richtig ausschenkt.
28.02.2014

Auf Nachtschicht: Laute Beats bis zum frühen Morgen

Der Club ist randvoll und die Musik hämmert durch die Räume - es ist ein ausgelassener Partyabend in der Pforzheimer Diskothek „salt&pepper“. Was Clubbetreiberin Tatjana Reinhardt und ihr Personal dort leisten, bekommen die Gäste des Clubs aber nur selten mit. Ich habe sie begleitet.

Bildergalerie: escalizer pres. Bunte Bummler // salt&pepper // 21.02.2014

Ein zehnköpfiges Team ist an diesem Abend nötig, um den Wünschen der Clubgäste gerecht zu werden. Bereits um 21 Uhr trifft sich das Personal im Club, also zwei Stunden bevor dieser seine Türen öffnet. Tatjana Reinhardt hat zahlreiche Vorbereitungen zu treffen, schließlich soll immer alles reibungslos ablaufen. Ich stelle bereits zu Beginn fest, dass hier weit mehr zu tun ist, als nur ein paar Getränke kalt zu stellen. Die Kassen müssen aufgefüllt sein, Plakate sollen ausgetauscht werden und die Technik muss stimmen. „Wir müssen immer sicherstellen, dass alles funktioniert“, meint die Clubchefin, als sie die Endstufen der Tonanlage einschaltet. Aber auch für den Ernstfall ist sie gewappnet: „Unsere Anlagen sind so geschaltet, dass sie nur teilweise ausfallen können“, fügt sie schmunzelnd hinzu. „Einmal war die Lichtanlage defekt, da haben wir dann mit Taschenlampen über die Tanzfläche gewedelt. Die Gäste fanden das lustig und haben einfach weitergetanzt“.

Gefluteter Club und verschollener DJ

Mit der Verkabelung der Zuspielgeräte für den DJ werde ich beauftragt, währenddessen kümmert sich Izabella Kardaczynski an der Bar darum, dass dort alles am richtigen Platz steht. Sie schneidet Zitronen und Orangen, schleppt Eiswürfel an die Bar und stellt die Gläser an den richtigen Platz – drei wichtige Dinge, die an der Bar stimmen müssen.

Sie arbeitet schon seit der Eröffnung des Clubs im „salt&pepper“ und ist am Wochenende gerne dort: „Das salt&pepper spielt in meinem Leben eine ganz große Rolle. Es ist wie mein zweites Zuhause.“ Seit der Eröffnung vor sechs Jahren hat sie einiges erlebt. „Einmal wollte mir ein Gast 50 Euro Trinkgeld geben. Als ich gesagt habe, dass ich es nicht annehmen kann, hat der den Schein einfach gegessen.“ An kuriose Erlebnisse erinnert sich auch Tatjana Reinhardt: „In einer Nacht hat direkt nach dem Öffnen ein Gast die Toilettenspülung betätigt. Dabei ging der Spülkasten kaputt und Wasser strömte aus. Kurze Zeit später stand im ganzen Club das Wasser. Mein Mann hat dann mit einem Wasserstaubsauger mehrmals das Wasser nach draußen gebracht. Die Gäste nahmen das allerdings mit Humor und tanzten auch im Wasser.“ In einem anderen Fall gab es Probleme mit einem DJ. Dieser sei zwar um 22 Uhr im Club gewesen, machte sich aber eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung spurlos vom Acker. „Bis ein anderer DJ im Club war, habe ich mich selbst an das Mischpult gewagt. Immerhin haben vier Gäste dazu getanzt“, erinnert sich die Club-Chefin und lacht.

Personal auf Hochtouren

Als der Club um 23 Uhr öffnet, warten bereits die ersten Gäste vor der Tür. Schnell entwickelt sich ein hoher Andrang an der Garderobe, wo sich zwei Mitarbeiter darum kümmern, dass keine Jacke verloren geht und die Gäste sie nicht im Club umhertragen müssen. Wie ich beobachte, wird es hierbei besonders zu Beginn der Nacht stressig, wenn die Menge in den Club strömt. Um kurz nach Mitternacht ist die Disco bereits gut gefüllt und das Barpersonal arbeitet auf Hochtouren. Nachdem ich kurz die Abläufe beobachtet habe, möchte ich mich selbst an der Bar versuchen. Zugegeben, es sieht deutlich einfacher aus, als es tatsächlich ist. Plötzlich halte ich Geldstücke in der Hand und weiß nicht wirklich wohin damit, zumal ich die Preise der Getränke gar nicht im Kopf habe. Den Überblick über die Vielzahl an Flaschen zu behalten und zeitgleich den Wünschen der Gäste nachzukommen gelingt mir nicht, also stelle ich mich wieder zurück in die Beobachter-Position.

Um zwei Uhr spüre ich die erstmals die Müdigkeit, gehe allerdings nochmals in das Lager um einige Geträmkekisten an die Bar zu bringen. Dass der Club ist mittlerweile rappel voll ist, macht mir das Schleppen nicht gerade einfacher. Für Begeisterung beim Partyvolk sorgen in der Nacht die DJs, welche satte Klänge aus der elektronischen Musik über das Mischpult abspielen. Konfetti-Kanonen und Luftschlagen bringen die Menschen auf der Tanzfläche noch mehr zum toben. Die Stimmung ist um halb drei auf dem Höhepunkt.

Keiner will gehen

Um kurz vor fünf Uhr muss der DJ die Musik leise machen, schließlich soll die Disco pünktlich zur Sperrstunde leer sein. Obwohl die Musik aus ist, bleiben die Gäste aber zunächst im Club und verlassen ihn nur nach und nach. Nach einigen Aufrufen des Türpersonals sind die Räume aber kurze Zeit später leer. Als die Tanzfläche verwaist ist, sieht man erst einmal, was für ein Chaos bei einer solchen Party entstehen kann. Der Boden ist voller Trinkhalme, Flaschen stehen herum, geschmückt mit den Luftschlangen und dem zuvor abgefeuerten Konfetti vom DJ-Pult. Aufräumen möchte ich das nicht. „Hierfür haben wir Reinigungspersonal“, sagt Tatjana Reinhardt. „Wir räumen also die Bar und das DJ-Pult auf, dann dürfen auch wir ins Bett.“ Um 6.30 Uhr steige ich völlig erschöpft die Treppen des „salt&pepper“ an der Östlichen Karl-Friedrich-Straße nach oben. Vor dem Club versammeln sich noch zahlreiche Leute und warten auf ihr Taxi, ich hingegen kann sofort nach Hause laufen und direkt in mein Bett liegen.