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18.01.2010

Auf dem Hauptfriedhof die Urne des Vaters ausgegraben

PFORZHEIM. Mit dem nicht alltäglichen Fall einer Störung der Totenruhe hat sich am Montag das Amtsgericht Pforzheim befasst. Eine 41-jährige Angeklagte räumte vor Strafrichterin Stephane Ambs ein, im November 2008 auf dem Hauptfriedhof in Pforzheim die Urne ihres Vaters ausgegraben und mit nach Hause genommen zu haben.

„Das hatte ich im Drogenwahn getan“, sagte sie und erhielt wegen dieser Tat und weiterer Delikte eine Bewährungsstrafe in Höhe von sechs Monaten. Außerdem muss die Frau ohne Schulabschluss und Berufsausbildung eine stationäre Therapie absolvieren.

„Ich lebte teilweise auf der Straße, nahm Drogen und Alkohol und hatte ein schlechtes Gewissen meinem Vater gegenüber, um den ich mich wenig gekümmert hatte“, erklärte die Angeklagte. Eine Beziehung, aus der ein Kind stammt, sei zu Bruch gegangen.

„Mit meinem Sohn gestaltete ich eine Schularbeit über Mexiko, wo es üblich ist, dass man die Überreste eines Verstorbenen zu Hause in einer Art Altar aufbewahrt. Daran erinnerte ich mich, als mein Vater gestorben war und wollte mit seiner Urne nachträglich Verehrung für ihn demonstrieren“, so die Angeklagte.

Ein weiterer Anklagepunkt betraf ein Delikt, als sie am 2. Februar 2009 in einem Pforzheimer Bekleidungsgeschäft die Diebstahlsicherung einer Jeansweste mit einem Messer herausgeschnitten hatte. Ferner stahl sie in einem Geschäft in Pforzheim eine Flasche Schnaps und Zigaretten im Wert von 7,74 Euro.

Der Staatsanwalt hatte ihr zudem vorgeworfen, in alkoholisiertem Zustand nach einem Streit ihren Ehemann mit einem Gummischlagstock am Kopf verletzt zu haben. Der 38-jährige Zeuge sagte aber am Montag aus, er habe sich die Beule am Kopf bei einem Sturz wohl selbst zugezogen. Deshalb wurde sie vom Anklagepunkt der gefährlichen Körperverletzung gegen ihren Ehemann, von dem sie inzwischen getrennt lebt, freigesprochen.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Joachim Steinke, forderte eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Verteidiger Mathias Bürckle wies auf die Geständigkeit und verminderte Schuldfähigkeit seiner Mandantin hin und beantragte vier Monate Haft auf Bewährung. Richterin Stephane Ambs wertete die Straftataten als „Höhepunkt einer Karriere des Schlimmen“. Die Angeklagte habe aber wieder die Kraft gefunden, aufzustehen und den richtigen Weg zu finden, so dass sie hoffe, „die Geburt in ein neues Leben hinein könne jetzt anstehen.“

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