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Was aus der Vogelperspektive ganz gefällig aussieht, lässt in der Frosch-Perspektive doch manche Mängel erkennen. Jetzt soll eine private Entwicklungsgesllschaft für eine Verbesserung des innerstädtischen Erscheinungsbildes sorgen. Foto: Karl Röckinger
Was aus der Vogelperspektive ganz gefällig aussieht, lässt in der Frosch-Perspektive doch manche Mängel erkennen. Jetzt soll eine private Entwicklungsgesllschaft für eine Verbesserung des innerstädtischen Erscheinungsbildes sorgen. Foto: Karl Röckinger
06.10.2010

Aufwertung von Problem-Immobilien in der City

PFORZHEIM. „Die City ist das Herzstück einer Stadt“, sagt OB Gert Hager. Damit sie attraktiver wird, soll eine private Entwicklungsgesellschaft aktiv werden und sich um Baulücken und Problem-Immobilien in der Innenstadt kümmern.

Die Aufenthaltsqualität verbessern, Flair und Ambiente in die City bringen, Pforzheim als Einkaufsstadt besser positionieren – darüber wird seit Jahren diskutiert. Denn hier ist akuter Handlungsbedarf. Stadtrat Carsten von Zepelin bringt es auf den Punkt: „Wir müssen die bedauerliche Entwicklung der Innenstadt schnell und wirksam aufhalten!“

Das weiß auch OB Gert Hager, der vehement dabei ist, die Dinge auch in Zeiten einer höchst angespannten Finanzlage voranzubringen. Mit dem Verkehrsenwicklungplan ist ein wesentliches Element zur Verbesserung der innerstädtischen Lage bereits angeschoben.

Aktives Element

Sich problemhafter Immobilien in der Innenstadt annehmen, sie möglicherweise erwerben, aufmöbeln und einer attraktiven Nutzung zuführen, das ist die Intention der „Entwicklungsgesellschaft Innenstadt“; sie soll ein aktives Element in der City-Verbesserung werden. Denn noch gibt es zu viele unschöne Baulücken, „verbastelte“ Häuser und Immobilien, die einer zeitgemäßen Einkaufswelt nicht mehr entsprechen. Dazu will man das Gespräch mit dem einen oder anderen Hausbesitzer suchen.

Wenn die Stadt Ulm heute über eine vergleichsweise attraktive Innenstadt verfügt, so hat dies auch damit zu tun, dass die Stadt sich ein Vorkaufsrecht über innerstädtische Immobilien geschaffen hat. Damit hat Ulms OB Gönner alle Instrumente in der Hand, um gestalterisch agieren zu können. „Das hat nichts mit Enteignung zu tun, sondern mit Stadtgestaltung“, sagt sein Kollege Gert Hager.

Damit es auch in Pforzheim voran geht, hatte das Stadtoberhaupt in den letzten Monaten einen kleinen Kreis potenzieller, lokaler Investoren um sich versammelt. Sie sollen auf privatrechtlicher Basis das voranbringen, wozu die Stadt aus unterschiedlichsten Gründen nicht in der Lage ist. Ein Innenstadtkonzept soll die Basis für das unternehmerische Handeln im Bereich der City-Immobilien sein.

Stadtrat Carsten von Zepelin, als Geschäftsführer der Baugenossenschaft Arlinger kompetent genug, hatte im Vorfeld unter dem Titel „Überlegungen für einen Wechsel vom Reagieren zum Agieren in der City“ ein Papier entwickelt, in dem die unbefriedigende Situation der Pforzheimer City in ebenso drastischer wie konstruktiver Weise aufgezeigt wird.

Keine Eigenständigkeit

Für IHK-Präsident Burkhard Thost ist klar: „Eine Aufwertung der City wird nur funktionieren, wenn ordentliche Rahmenbedingungen stattfinden“. Den Gedanken einer eigenständigen Entwicklungsgesellschaft hat man aufgegeben, weil es sich als sinnvoll erwiesen hat, das Projekt bei der bestehenden, erfolgreichen Konversionsgesellschaft Buckenberg anzusiedeln. Sie soll als Träger-Gesellschaft für das innerstädtische Upgrading fungieren.

Die Stadt ihrerseits – so versichert Baubürgermeister Alexander Uhlig – will mit administrativen Instrumenten Hilfestellung leisten: „Denn wir haben einen tiefen Blick auf die Liegenschaften“.

Stadtbau-Chef Ulrich Füting hatte die potenziellen Investoren mit einer Bilderschau innerstädtischer Immobilien aus den 20er und 3oer-Jahren auf das Thema eingestimmt. Damals, so Füting, „fand eine hohe Ausprägung der Architektur statt. Private Investoren haben viel Geld ausgegeben für ein werthaltiges Bauen“.

Mietniveau wie in 80er-Jahren

Es wird eines gewissen Patriotismus bedürfen, um das Projekt in Gang zu setzen. Denn mit begründeter Sorge wies einer aus der OB-Runde – selbst mit Immobilien in 1a-Lage investiert – darauf hin, dass das Mietniveau in Pforzheim heute auf dem Stand der 80er-Jahre angelangt sei und damit wenig Anreize für Investitionen biete. Hinzu kommt: Die meisten Läden sind für potenzielle Interessenten zu klein; sie suchen Flächen von 400 Quadratmetern und mehr.

Trotz der schwierigen Ausgangslage – Tenor: „Ohne Fördermittel geht da wenig!“ – will OB Gert Hager das Projekt anschieben, denn der prekären Lage zum Trotz habe Pforzheim auch viele gute Argumente, um sich als Einkaufsstadt und Wohlfühl-platz zu behaupten.

Carsten von Zepelin hat es so formuliert: „Unbestreitbar sind die Vorzüge unserer Stadt mit einem exzellenten Schulangebot, einer breiten Kulturlandschaft, einer attraktiven Umgebung, guten Wohngegenden und der Nähe zu anderen großen Städten. Dies sind jedoch alles Aspekte auf den zweiten Blick. Es entscheidet der erste – und dies ist meistens der in die City!“

In den nächsten Wochen wil OB Gert Hager das Thema „Entwicklungsgesellschaft Innenstadt“ in den Gemeinderat bringen.

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