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29.01.2009

Augenstein: "Wir brauchen eine lebendige Innenstadt"

Für die kommenden Monate ihrer Amtszeit hat sich Oberbürgermeisterin Christel Augenstein noch viel vorgenommen: Außer dem Verkehrsentwicklungs-Plan und der Kreativ-Meile steht die Planung für eine „Landesgartenschau“ an. Sie hat mit PZ-Redakteurin Dorothee Messmer darüber gesprochen.

Pforzheimer Zeitung: Welches waren für Sie die Erfolge in Ihrer Amtszeit?
Christel Augenstein: Das erste Thema, das ich in meiner Amtszeit angegangen bin, war die zweite Buckenbergauffahrt. Sie wird heute glänzend angenommen. Das Thema „Kaserne“ ist ein zweites elementares Thema. Ich bin erfreut über die Konzeption der drei Säulen – Wohnen, Arbeiten, Forschen , die jetzt umgesetzt wird und auch, dass die Hochschule mit in die Konzeption eingebunden wird. Das Wohngebiet wird überaus attraktiv. Ich bin mir sicher, dass dies Modellcharakter haben wird. Ganztagesschulen sind in meiner Amtszeit endlich realisiert worden. Die Stadträtin Augenstein hat dafür bereits 1992 einen Antrag gestellt, den die Oberbürgermeisterin Augenstein Jahre später eingelöst hat. Die Hochschule und die Stadt sind zusammen gewachsen. Wir haben das Klinikum privatisiert, Europa ist endlich in unseren Fokus gerückt. Wir haben ein integriertes Stadtmarketing eingerichtet und den ÖPNV neu organisiert. Familie und Kinder sind in den Mittelpunkt gerückt und das meiste Geld wird in den Bildungsstandort Pforzheim investiert. Und das ist noch längst nicht alles.

PZ: Aber nehmen Sie die Kasernen-Entwicklung nicht mit einem lachenden und einem weinenden Auge hin, schließlich sind sie ja damit angetreten, die Kaserne nicht abzureißen?
Augenstein: Das ist sicher ein Wermutstropfen. Den musste ich hinnehmen, um das Gesamtprojekt nicht zu gefährden.

PZ: Was haben Sie nicht erreicht?
Augenstein: Eigentlich habe ich alles umgesetzt, was ich mir vorgenommen habe. Bis auf eine Ausnahme. Ich habe es nicht geschafft, eine durchgängig grüne Welle in der Stadt zu schaffen. Nein – Spass bei Seite: Es wird eine unserer großen Aufgaben sein, den Innenstadtverkehr zu entflechten. Aber einen klassischen Innenstadt-Ring, den werden wir nicht hinkriegen. Allerdings kann Pforzheim vier Autobahn-Anschluss-Stellen vorweisen. Welche Stadt unserer Größe hat dies schon? Wir haben einen Verkehrsentwicklung-Plan auf den Weg gebracht und wir haben vereinbart , dazu am 25. März eine Bürgerinformation im CongressCentrum zu veranstalten.

PZ: Was sind für Sie die Hauptthemen in den restlichen Monaten Ihrer Amtszeit?
Augenstein: Das Thema Verkehrsentwicklung wird uns natürlich in dieser Zeit beschäftigen. Das Thema „Efre“, Kreativ-Zentrum und Kreativ-Meile, wird uns stark beanspruchen. So stark, dass wir bis zum Juni diesen Jahres die Antragstellung formulieren können. Zudem hat sich bei den Haushaltsberatungen fraktionsübergreifend heraus kristallisiert, dass wir das Thema , Bewerbung für eine Landesgartenschau‘ forcieren werden. Wir müssen bis zum 30. April eine Bewerbung für die Ausrichtung einer Landesgartenschau ab dem Jahr 2015 abgeben. Wir brauchen also ein Konzept, einen Finanzierungsplan und einen Beschluss des Gemeinderats.

PZ: Was wollen Sie in einer zweiten Amtsperiode erreichen?
Augenstein: Was nach der Wahl kommt, das wird sich zeigen. Da können wir dann drüber reden. Der Gemeinderat sollte jetzt erst einmal festlegen, wann der Wahltermin ist. Es gibt den frühestmöglichen Termin am 26. April oder den 7. Juni. Die Entscheidung liegt allein beim Gemeinderat.

PZ: Was hofft die Pforzheimer Bürgerin Christel Augenstein für die Entwicklung der Innenstadt?
Augenstein: Wir brauchen eine lebendige Innenstadt. Eine Stadt ist nur dann attraktiv, wenn sich viele Menschen in ihr bewegen. Es sollte ein attraktives Angebot an Ladengeschäften, an Kultureinrichtungen und an Bildungsangeboten geben. Ich weiß sehr wohl, dass wir den einen oder anderen sehr unangenehmen Leerstand haben. Andererseits haben wir eine hohe Handelszentralität. Das gilt es auszubauen und qualitativ zu hinterlegen. Wir haben den Markplatz neu gestaltet und haben am Leopoldplatz viel gemacht. Wir müssen darüber nachdenken, den Busverkehr am Leo zu entflechten. Ich glaube nicht, dass der gesamte Busverkehr vom Leopoldplatz verbannt werden sollte. Naheliegend wäre den Überland-Verkehr herauszunehmen und einen zentralen Omnibusbahnhof zu schaffen.

PZ: Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat ?
Augenstein: Wenn Sie sich ansehen, was Bürgermeisteramt und Gemeinderat in den vergangenen Jahren alles realisiert haben, lässt dies nur einen Schluss zu: die Zusammenarbeit war und ist gut und sehr erfolgreich. Wie der Gemeinderat nach dem 7.Juni aussehen wird, entscheiden die Wählerinnen und Wähler. Sollte ich wieder Verantwortung übernehmen dürfen, dann wünsche ich mir natürlich, dass eine gleich gute, an der Sache orientierte Arbeit stattfindet.