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Zahlen über Zahlen: Dennis Hechler macht momentan im Controlling Station. Foto: Krivec
Zahlen über Zahlen: Dennis Hechler macht momentan im Controlling Station. Foto: Krivec
31.07.2015

Azubi des Monats Juli: Tagsüber Azubi, nachts Discjockey

Bei OBE in Ispringen ist Dennis Hechler den meisten als Azubi bekannt. Seit zwei Jahren lernt der 20-Jährige dort von der Pike auf das Handwerkszeug eines Industriekaufmanns. Doch was viele seiner Kollegen nicht wissen: Nachts gibt oft er den Ton an. Als DJ steht Hechler hinter den Plattenspielern der Region und mittlerweile auch weit darüber hinaus.

Bei OBE in Ispringen ist Dennis Hechler den meisten als Azubi bekannt. Seit zwei Jahren lernt der 20-Jährige dort von der Pike auf das Handwerkszeug eines Industriekaufmanns. Doch was viele seiner Kollegen nicht wissen: Nachts gibt oft er den Ton an. Als DJ steht Hechler hinter den Plattenspielern der Region und mittlerweile auch weit darüber hinaus.

Auf der Tanzfläche kennt man ihn eher unter seinem Künstlernamen „Shaw-D“ (facebook.com/DjShawD). „In der Schule war ich immer eher einer von den Kleineren“, erzählt der Dietlinger. „Shorty“ (englisch für „Kleiner“) wurde er damals genannt. Aus dem Spitznamen wurde dann irgendwann „Shaw-D“. Zum Tanzen bringt „Shaw-D“ seine Zuhörer mit Hip-Hop, Black, R’n’B und Dancehall. „Ich bin da relativ flexibel. Im Club lege ich aber eher Black auf.“ Seit mehr als drei Jahren steht Hechler nun schon hinter den Plattenspielern. Erst daheim zum Üben und auf Privatpartys, seit einem Jahr auch öffentlich in Diskotheken. „Das spannt mich mittlerweile schon gut ein“, sagt er. Drei- bis viermal im Monat heizt der angehende Industriekaufmann seinem Publikum ein. Im Musikpark Pforzheim zum Beispiel. Dort tanzen ab und an auch mal Azubi-Kollegen oder Schulkameraden zu seiner Musik. Aber auch nach Stuttgart, Mannheim und Nürnberg haben ihn seine DJ-Künste schon gebracht. Bekanntschaften mit Produzenten seien so mittlerweile entstanden, die der 20-Jährige auch mal in deren Studios besucht.

Wie der Vater, so der Sohn

Momentan werkelt Hechler an eigener Musik. Seine Zukunft sieht er trotzdem nicht im Musikbusiness. „Man wird älter und nicht alle schaffen den Sprung. Die DJs, die das hauptberuflich machen, kann man einer Hand abzählen.“ Für ihn sei immer schon klar gewesen, in den kaufmännischen Bereich zu gehen – nicht nur der beruflichen Sicherheit wegen. Sein Vater ist Kaufmann. Und handwerklich sei er nicht so geschickt, gibt der Dietlinger zu.

Anstatt Vinyl, Mischpult und Discogängern hat der 20-Jährige bei OBE Tastatur, Maus und Bildschirm vor sich. Ein Unterschied wie Tag und Nacht, der sich offenbar noch an anderer Stelle bemerkbar macht. Im Betrieb sei Hechler, an diesem Tag leger in Sneakern, Jeans und T-Shirt gekleidet, „keiner, der sich in den Vordergrund spielt“, sagt Ausbildungsleiterin Sabine Schlager. Dass der Azubi fast jedes Wochenende auf einer Bühne steht, merkt man dennoch: Sein Auftritt ist selbstbewusst, Kommunikation fällt ihm nicht schwer.

In dem international tätigen Familienunternehmen mit Hauptsitz in Ispringen lernt der angehende Industriekaufmann montags, dienstags und donnerstags in der Praxis alles rund um den Einkauf, Vertrieb und die Finanzbuchhaltung. Mittwochs und freitags drückt er die Schulbank in der Pforzheimer Firtz-Erler-Schule. „Einkauf gefällt mir sehr, weil man vieles kontrollieren kann. Finanzbuchhaltung ist eher nicht mein Ding.“ Zurzeit macht Hechler dort Station auf seinem dreijährigen Ausbildungsweg. Die Kollegen bescheinigen ihm gute Arbeit. „Unser Makroexperte in Excel“, nennt ihn Tischnachbar Sebastian Michi. Der Vertrieb habe auch schon angefragt, ob man ihn nicht ein, zwei Tage entbehren könne.

Einblick in alle Bereiche

Im kaufmännischen Bereich ist Hechler zurzeit der einzige Azubi bei OBE. Der Rest seiner Kollegen lernt in der Produktion, im Gebäude neben dem Verwaltungsbau. Seine Ausbildung führt ihn aber auch dort hin. Zwar habe er „noch nie so richtig etwas gefertigt“ und räumt selbst ein, handwerklich zwei linke Hände zu haben, trotzdem findet der 20-Jährige das sinnvoll. „So kann man sich unter den ganzen Fertigungsbegriffen etwas vorstellen und kennt sie nicht nur auf dem Papier.“ Beim Rundgang durch die Werkshallen wird klar, dass das nicht nur hohle Phrasen des 20-Jährigen sind.

In Ispringen stellt OBE Bauteile für Brillenfassungen her und fertigt mit dem Metallpulverspritzguss Präzisionsprodukte für verschiedene Branchen. Für sein Qualitäts- und Umweltmanagement wurde das Unternehmen mehrfach ausgezeichnet. Das und die Tradition – OBE gibt es seit 1904 – waren für den Dietlinger ausschlaggebend, seine Ausbildung in Ispringen zu machen. „Wenn es ein Unternehmen so lange gibt und trotz immer wiederkehrenden wirtschaftlichen Krisen auf Kurs gebracht wurde, heißt das schon was.“

Klar, dass Dennis Hechler nach seiner Ausbildung in dem Betrieb weiter Erfahrungen sammeln will. „Ein Studium kann ich mir später auch vorstellen“, sagt er. Betriebswirtschaft soll es sein. Bei Freunden von der Schule habe er sich schon kundig gemacht – und natürlich bei Bekanntschaften von der Tanzfläche.