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Fabian Weilers Arbeitsalltag spielt sich hauptsächlich vor dem Computer ab. Foto: Schrader
Fabian Weilers Arbeitsalltag spielt sich hauptsächlich vor dem Computer ab. Foto: Schrader
02.10.2015

Azubi des Monats September: Fabian Weiler hat große Pläne

Pforzheim. Fabian Weiler will etwas bewegen. Dafür ist er sich nicht zu schade, seine Freizeit den verschiedensten Ehrenämtern zu widmen. Auch beruflich arbeitet der 24-Jährige darauf hin, Dinge beeinflussen zu können: In diesen Tagen endet seine Ausbildung beim Landratsamt Enzkreis in Pforzheim. Für die Zukunft hat er große Pläne.

Zur Ruhe kommt Fabian Weiler nur selten. Wenn doch, „dann lese ich ein gutes Buch“, sagt er. „Einen Fernseher besitze ich schon seit neun Jahren nicht mehr.“ Der 24-Jährige mit thailändischen Wurzeln ist ein Allround-Talent und vielbeschäftigt. Er ist Mitinhaber des Café Roland in Pforzheim, Reservist bei der Bundeswehr, Vorsitzender der neu gegründeten Gastro-Initiative sowie des CDU-Ortsverbands Pforzheim Mitte-Süd. Außerdem führt er eine Agentur, in der er junge Menschen auf Bewerbungsgespräche vorbereitet. Und am Wochenende arbeitet er als Landschaftsgärtner. „Mein Ausgleich zum Büroalltag“, sagt er. Denn das, was seit zwei Jahren an wichtigster Stelle auf dieser langen Liste steht, ist seine Ausbildung: Weiler wird im Landratsamt Enzkreis, das seinen Sitz in Pforzheim hat, zum Beamten im mittleren Verwaltungsdienst ausgebildet.

Derzeit unterstützt er die Sachbearbeiter im Sozial- und Versorgungsamt. Er hilft bei der Überprüfung von Anträgen, entscheidet, wer wie viel Unterstützung vom Staat bekommt, und schreibt Bescheide. Klingt knochentrocken. Und scheint irgendwie untypisch für einen so umtriebigen jungen Mann. Doch Weiler macht die Arbeit Spaß – und er sieht die Möglichkeiten, die sich ihm durch diese Ausbildung bieten werden. Denn der ehemalige Birkenfelder möchte einmal Bürgermeister werden. Aber nicht in seinem aktuellen Wohnort Pforzheim. Eine Kleinstadt mit zirka 10 000 Einwohnern fände er gut. Aber auch Lobbyarbeit interessiere ihn sehr.

Dass Weiler kein gewöhnlicher junger Mann ist, erkennt man nicht nur daran, dass er sich in so vielen Dingen engagiert. Auch sein Lebenslauf spricht für sich. Seit er 16 Jahre alt ist, ist er bei der CDU, mit 18 wird er Gemeinderat in Birkenfeld. Nach dem Abitur am Gymnasium in Neuenbürg geht er zur Bundeswehr. Eigentlich möchte er Offizier werden, doch dann entscheidet er sich doch für das Studium der Politik an der Freiburger Universität. Das ist ihm zu theoretisch, er sattelt um, arbeitet eine Zeit lang für die Landtagsabgeordnete Viktoria Schmid aus Niefern und beim Deutschen Städte- und Gemeindebund in Berlin. Dann beginnt er seine Lehre im Landratsamt. Nebenher studiert er Politik, Verwaltung und Soziologie an einer Fernuniversität.

Woher kommt dieser Ehrgeiz? Weiler hatte es als Jugendlicher nicht leicht und lernte früh, was es heißt, auf eigenen Beinen zu stehen. Als er noch ein Teenager ist, trennt sich seine Mutter von seinem Vater – und geht mit seiner heute neunjährigen Schwester zurück nach Thailand. Er lebt von da an bei seiner Großmutter. Der Kontakt zu seinen Eltern bricht ab. „Es ist damals böse auseinandergegangen“, sagt er darüber, was vorgefallen ist. Dann stirbt seine Großmutter und er ist auf sich alleine gestellt. Das Jugendamt im Landratsamt Enzkreis sei ihm eine große Stütze gewesen, so der 24-Jährige. Dort habe er vor Kurzem um Akteneinsicht gebeten – und schließlich mit den negativen Erlebnissen abgeschlossen. Nun bestehe auch wieder Kontakt zur Familie, sagt er. Bald werde er nach Thailand reisen und seine Mutter sowie die kleine Schwester wiedersehen. Er hoffe, so Weiler, dass er die Hilfe, die er vom Amt bekommen hat, einmal zurückgeben kann. Dieser Wunsch könnte bald Realität werden, wenn er nach der Ausbildung in sein bevorzugtes Amt versetzt werden sollte, das aus der aktuellen Situation heraus erst noch gegründet wird: das Amt für Migration und Flüchtlinge. „Für mich eine Herzensangelegenheit“, so Weiler. „Das Thema betrifft uns alle.“ Die Flüchtlingsproblematik werde das Gesicht Deutschlands ändern und zur Jahrhundertaufgabe werden. „Dazu möchte ich meinen Beitrag leisten.“

Weiler freut sich vor allem auch darauf, mehr Kundenkontakt zu haben. Er würde gerne wissen, mit wem er es zu tun hat. Denn auch er sei damals vom Jugendamt nicht nur als Nummer behandelt worden, sondern als Mensch.