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Seit 1983 befindet sich das Bäuerliche Museum der Stadt Pforzheim im früheren Eutinger Schafhaus.  Frei
Seit 1983 befindet sich das Bäuerliche Museum der Stadt Pforzheim im früheren Eutinger Schafhaus. Frei
Eine Toilettenanlage, wie sie bei der Bushaltestelle Gartenstadt steht, wurde im Ortschaftsrat ins Gespräch gebracht.
Eine Toilettenanlage, wie sie bei der Bushaltestelle Gartenstadt steht, wurde im Ortschaftsrat ins Gespräch gebracht.
14.02.2016

Bäuerliches Museum in Eutingen bleibt vermutlich geschlossen

Die Wiedereröffnung des Bäuerlichen Museums, das im aus dem Jahr 1786 stammenden Eutinger Schafhaus eingerichtet ist, soll nach der Winterpause eigentlich im April erfolgen. Doch derzeit sieht es so aus, als ob das große Tor verschlossen bleibt. Diesen Beschluss hat der Vorstand des Heimatvereins, der das Museum seit seiner Eröffnung im Jahr 1983 ehrenamtlich betreut, einstimmig gefasst.

In einem Schreiben, das der PZ vorliegt und an Ortsvorsteher Helge Hutmacher, Oberbürgermeister Gert Hager, das städtische Kulturamt sowie die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats und des Ortschaftsrats gerichtet ist, wird beklagt: „Nachdem die benachbarten Gebäude der evangelisch-methodistischen Kirche verkauft worden sind, steht jetzt kein WC und kein fließend Wasser mehr zur Verfügung.“

Der Missstand im sanitären Bereich ist seit Langem bekannt, war auch mehrfach im Ortschaftsrat angesprochen worden. Auch der neue Besitzer der Kirchenimmobilie ermöglichte jedoch mit dem Zugang zum Versammlungsraum, dass das Bäuerliche Museum weiterhin geöffnet werden konnte. Doch dem ist jetzt nicht mehr so, denn das Nachbargebäude wird derzeit für den Einzug für Asylbewerber umgebaut.

Eigene Planung vorgelegt

Frühzeitig hatte sich der Heimatverein bemüht, im Museum eine Toilettenanlage nebst Wasseranschluss (Leitung vorhanden) einzurichten. Ein früherer städtischer Bauleiter der Stadt hatte dazu Pläne gefertigt. Die Materialkosten waren auf rund 5000 Euro geschätzt worden. Der Heimatverein sagte zu, diese Finanzierung zu ermöglichen und Eigenarbeit einzubringen. Doch wurde die mangelnde Unterstützung „von oben“ beklagt. Im Eutinger Rathaus wurde der Missstand zwar bedauert, doch mit Nachdruck wurde keine Lösung gesucht. Und Bürgermeister Alexander Uhlig beispielsweise hatte bei seinem Besuch im Eutinger Ortschaftsrat betont, dass das städtische Gebäudemanagement wegen der Planungen für Asylunterkünfte mehr als ausgelastet sei.

Immer wieder brachte vor al- lem Ortschaftsrätin Ute Heidel (Unabhängige Bürger) bei den Sitzungen das Thema „Bäuerliches Museum“ auf den Tisch – vergebens. Zuletzt waren viele sogar entsetzt, als Kollege Rolf Kümmel eine „WC-Anlage wie an der Buswendeschleife in der Gartenstadt“ befürwortete. Die ist nicht nur etliches teurer als die Lösung im Museum, es ist auch ein Betonklotz, „und wird von Denkmalpfleger Christoph Timm ebenso wie ein möglicher Anbau am denkmalgeschützten Gebäude als nicht genehmigungsfähig bezeichnet“, heißt es in dem Schreiben des Heimatvereins. Der auch eine Zwischenlösung ablehnt, die ihm unterbreitet wurde. Man könne ja zu den Öffnungszeiten die Toilette beim Rathaus zur Verfügung stellen. Die ist rund 300 Meter entfernt und für Aktionen im Bäuerlichen Museum, in ihm kann man sich auch das Ja-Wort geben, müsse das Wasser eben in Kanistern angekarrt werden.

Nachruf statt Termine

Für den Heimatverein, der bereits sein Jahresprogramm 2016 veröffentlicht hat, sei es eine „traurige Entscheidung, das Bäuerliche Museum in diesem Jahr nicht mehr zu öffnen“, heißt es in dem Brandbrief. Statt der Termine befindet sich im Infokasten am früheren Schafhaus ein Nachruf für den im Dezember 2015 gestorbenen Karl Heimerle, ehemaliger Vorsitzender des Heimatvereins sowie einst Leiter der Eutinger Ortsverwaltung. In ihm ist vermerkt: „Ein Leben ohne Geschichte und speziell ohne Heimatgeschichte war für Karl Heimerle undenkbar … Uns und und der Nachwelt wurde durch seine Bücher und die zahllosen Veröffentlichungen ein Bild von Eutingen und dem Leben unserer Vorfahren abseits von Schulbüchern erhalten … Seiner Weitsicht ist es zu verdanken, dass wir heute mit dem Bäuerlichen Museum ein Kleinod besitzen, das seinesgleichen in der Region sucht … Vorausschauend wusste er, dass es der Bündelung bürgerschaftlichen Engagements bedurfte, ein solches Haus wie das Bäuerliche Museum (Anmerkung: Es stand auf der Abbruchliste) auf Dauer der Allgemeinheit zu erhalten. Und so war es nur logisch, dass er DER Initiator bei der Gründung des Heimatvereins Eutingen am 19. Januar 1983 wurde.“ Mehr als drei Jahrzehnte sucht der nun eine Antwort auf die Frage: „Wie wird es weitergehen?“

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