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16.07.2008

Bauantrag für Moschee auf Wilferdinger Höhe soll Ende 2008 gestellt werden

Die muslimische Pforzheimer Ahmadiyya-Gemeinde freut sich auf ihr erstes eigenes Gotteshaus: 2009 soll der Grundstein für die Moschee auf einem 2000 Quadratmeter großen Grundstück auf der Wilferdinger Höhe gelegt werden.

„Wenn alles gut läuft“, so Wahab Ghumon, Baubeauftragter der Ahmadiyya-Gemeinde auf Landesebene, „wird der Bauantrag Ende 2008 gestellt.“ Und das neue Jahr soll dann mit der Grundstein-Legung eingeweiht werden. Die Stadt hat im Mai grünes Licht gegeben, „und jetzt warten wir ab“, sagt Ghumon. Teilweise habe die Nachbarschaft Widerspruch gegen den geplanten Bau eingelegt – das Regierungspräsidium Karlsruhe entscheidet nun darüber.

Jahrelang zogen die Ahmadiyya-Muslime in Pforzheim von einem Mietraum in den nächsten. Ihr neues Zentrum - es gibt rund 30 Ahmadiyya-Moscheen in Deutschland - soll im Gewerbegebiet Wilferdinger Höhe errichtet werden, inmitten von Supermärkten, Discountläden und Discotheken. Nicht gerade die ideale Lage für Gebet und Besinnlichkeit, für ein andächtiges Beisammensein. Saleem Shahid, Präsident der Pforzheimer Gemeinde, stört das wenig. „Wir haben kein Problem mit den Discos.“ Er ist froh, dass das Nomadentum ein Ende hat.

Zuvor war die Ahmadiyya-Gemeinde, die aus rund hundert Leuten besteht, an der Lindenstraße beheimatet. „Dort hatten wir einen angemieteten kleinen Raum, der unsere Voraussetzungen aber nicht erfüllte, zum Beispiel nicht nach Mekka gerichtet war“, erklärt Shahid. „Und in Mieträumen gibt es immer Probleme, man hat einfach keinen festen Platz.“ Den wollen sie nun in dem 2000 Quadratmeter großen Grundstück an der Ecke Freiburger und Hirschenäcker Straße gefunden haben. Das Gelände gehört der Gemeinde seit dem 1. Juli.

Ohne jeglichen Schnickschnack

Die Moschee soll Platz für 150 bis 170 Leute bieten. „Wir haben großzügig geplant – vielleicht kommen ja auch einmal Leute von außerhalb, vielleicht ziehen Leute zu. Man weiß nie“, begründet Ghumon diese Entscheidung. Das Haupthaus wird als zweistöckiges Gebäude angelegt, mit einem Gebetsraum für Männer im Erdgeschoss und einem Gebetsraum für Frauen im ersten Stock. Hinzu kommen Büros, Waschungsräume, Foyer, Küche und ein Multifunktionsraum.

Was das Äußere der Moschee angeht, übt sich die Gemeinde in Bescheidenheit: „Das wird eine ganz kleine und einfache Moschee, ohne jeden Schnickschnack – den können wir uns leider Gottes auch gar nicht leisten“, meint Ghumon. Allzu groß scheint das Bedauern darüber aber nicht zu sein. „Wir brauchen das auch nicht. Es soll ein ganz normales Gebäude sein, das unsere Grundvoraussetzungen erfüllt.“ Auf eine Kuppel für das Haupthaus und ein knapp zehn Meter hohes Minarett wollen sie dennoch nicht verzichten. „Die Höhe ist uns egal – das Minarett ist uns als Gotteshaussymbol wichtig.“

„Bei uns ist jeder willkommen“

Doch auch eine kleine Moschee hat ihren Preis: Der Baubeauftragte schätzt ihn auf 750.000 Euro. „300.000 Euro kostet das Grundstück, für das Gebäude rechnen wir noch einmal mit 450.000 Euro“, sagt er. Finanziert wird das Ganze zunächst durch Sammlungen innerhalb der Pforzheimer Gemeinde. „Wenn das nicht ausreicht, stellt die Ahmadiyya-Gemeinde Deutschland den Rest“, erklärt Ghumon.

„Bei uns ist jeder willkommen, die Moschee ist jederzeit offen für alle“, betont Präsident Shahid und fügt hinzu: „Wir haben nichts zu verbergen.“ Dennoch weiß er: „Die Leute haben schon Angst vor dem Islam.“ Die Ahmadiyya-Gemeinde jedoch sei friedlich, habe mit Heiligen Kriegen nichts am Hut. „Wir sind nicht so fanatisch“, sagt Ghumon entschieden. „Wir selbst werden in Pakistan von anderen Muslimen verfolgt“, so Shahid. Abgelehnt werden die Ahmidiyyas von vielen anderen muslimischen Gläubigen, da für sie der von Mohammed verheißene Messias bereits gekommen ist.