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Im Prüfungsstress: Ausbildungsleiter Remigius Dyka schaut dem Lehrling Artur Kowalczyk, 21, in der Werkstatt an der Westlichen 81 über die Schulter.  Ketterl
Im Prüfungsstress: Ausbildungsleiter Remigius Dyka schaut dem Lehrling Artur Kowalczyk, 21, in der Werkstatt an der Westlichen 81 über die Schulter. Ketterl
30.07.2017

Bauinnung kauft Denkmal: Außerbetriebliche Ausbildung ist in Pforzheim gesichert

Die jahrelange Hängepartie um den Ausbildungsstandort Pforzheim der Bauinnung Pforzheim-Enzkreis hat ein Ende: Die Bauinnung kann jetzt die Werkhalle an der Westlichen Karl-Friedrich-Straße 81 kaufen.

Šeit 1980 hat sie in der denkmalgeschützten ehemaligen Fabrik Pitzmann & Pfeiffer ihre überbetriebliche Ausbildungsstelle. Immer wieder hatte die Innung auf einen langfristigen Mietvertrag gedrängt oder auf eine Kaufoption. Letzteres hatten die FDP und die Freien Wähler vor zwei Jahren gar als Antrag formuliert und waren gescheitert. Auch wollte die Stadt keinen langfristigen Mietvertrag abschließen.

Die Stadt verkauft

Jetzt die Kehrtwende: Die Bauinnung wolle an diesem Standort bleiben und sei bereit, das Gebäude umfangreich zu sanieren, erklärt der städtische Pressesprecher Philip Mukherjee. Dafür könne sie entsprechende Fördermittel beantragen. Die Förderfähigkeit setze jedoch Eigentum am beleihungsfähigen Objekt voraus. Deshalb habe sich die Stadt jetzt bereiterklärt, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zu verkaufen.

Für die Bauinnung endet damit eine jahrelange unbefriedigende Situation, die fast dazu geführt hätte, dass sie Pforzheim mit ihrer Ausbildungswerkstatt verlässt. Jetzt haben der Bau- und Liegenschaftsausschuss sowie der Finanzausschuss in einer gemeinsamen Sitzung am 18. Juli den Verkauf genehmigt.

Und auch die Bauinnung habe in einer außerordentlichen Hauptversammlung am Mittwoch einstimmig für den Ankauf gestimmt, bestätigt Obermeister Hans-Peter Dennig. Ihm liege das Bestätigungsschreiben der Stadt vor. Er hofft, dass Gebäude bis Jahresende kaufen zu können. Zu welchem Preis, möchte er nicht sagen.

Für die Ausbildung bedeute die Entscheidung eine viel größere Planungssicherheit, erklärt Ausbildungsleiter Remigius Dyka. Er und sein Kollege bekommen jedes Jahr zwischen 25 bis 35 Lehrlinge in den Sparten Maurer, Beton-Stahlbetonbauer, Baugeräteführer und Straßenbau von den Betrieben geschickt. 80 Prozent des Nachwuchses aus Pforzheim habe ausländische Wurzeln.

Kurze Wege für die Azubis

Doch weder fehle es an Ausbildungsbetrieben wie in anderen Berufen noch an interessierten Lehrlingen. Denn jeder der 50 Mitgliedsunternehmen pflege einen engen Kontakt zur Ausbildungsstätte. Und sogar die Bauinnung Calw/Nagold schicke alle ihre Lehrlinge nach Pforzheim. Die Kaufentscheidung als Signal für den Standort Pforzheim bedeute beispielsweise für die Alfons-Kern-Schule als ein schulischer Partner im dualen System, wegen der kurzen Wege einen enormen Vorteil, sagt der 40-Jährige. Die Innung kann nun als künftiger Besitzer fehlende Wärmedämmung und Heizung im Gebäude nachrüsten und für die Sanierung beim Bundesinstitut für Berufliche Bildung bis zu 75 Prozent der Kosten in Höhe von etwa eine Million Euro als förderfähig einreichen. „Wir können das Gebäude modernisieren, und damit steigt die Qualität der Ausbildung.“